Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Umland Neues Gutachten stützt Projekt Leinebogen
Umland Neues Gutachten stützt Projekt Leinebogen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:18 17.12.2012
Von Conrad von Meding
Werben in Sachen See: Architekt Peter Grobe (Mitte) sowie Wolf-Rüdiger Reinecke (links) und Raoul Hille vom Industrieclub. Quelle: Steiner
Anzeige
Hannover

Den Initiatoren zufolge ist das wasserwirtschaftliche Gutachten fertig - und belegt große Vorteile für den Hochwasserschutz der Unterliegergemeinden etwa bei Neustadt. Eine Broschüre und eine ausführliche Internetseite soll in wenigen Wochen über die wichtigsten Fakten zu dem Vorhaben aufklären. „Wir sind überzeugt, dass wir mit transparenten Informationen viele Menschen überzeugen“, sagt Projektsprecher Walter Richter.

Die Idee, das Überschwemmungsgebiet der Leine zwischen Herrenhausen und Seelze-Gümmer ganzjährig zu fluten und dort einen mehrfach geteilten, riesigen See anzulegen, hat in den vergangenen Jahren viele Debatten ausgelöst. Ziel von Initiator Peter Grobe ist, das großstadtnahe Seegebiet für Freizeitsport und wassernahe Baugrundstücke zu nutzen. In Seelze allerdings hat sich eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gebildet, viele Menschen misstrauen der Milliardeninvestition, lehnen die vorgesehenen Bauarbeiten ab und haben unter anderem Sorge vor zunehmenden Hochwasserproblemen artikuliert. „Diese Sorge können wir ausräumen“, sagt Richter. „Wir arbeiten den Fragenkatalog Stück für Stück ab und können jetzt sagen, dass der See bei Hochwasser deutliche Vorteile hätte.“

Anzeige

Die hannoversche Ingenieurfirma KLT Consult war mit dem Wassergutachten beauftragt, für das die Initiatoren Geld bei Sponsoren gesammelt hatten. Die Ingenieure sollten vor allem ausrechnen, welche Auswirkungen die aktuelle Seen-Variante bei Hochwasser hätte. In der ursprünglichen Version, die noch vorsah, die Leine durch die Seen zu leiten, hätte das künstliche Seengebiet die Folgen eines Hochwassers um rund zehn Prozent gemildert. Nach der derzeit aktuellen Variante, bei der die Leine um die Seen herumgeführt wird, soll der Vorteil sogar 35 Prozent betragen. Insbesondere durch die Schleusen, die die geplanten Seeabschnitte verbinden sollen, entstünden verbesserte Regulierungsmöglichkeiten. „Die Menschen in Neustadt-Bordenau profitieren ganz unmittelbar, wenn Hochwasserwellen bereits am Ortsausgang Hannovers effektiv abgefangen werden“, sagt Rainer Schiemann vom Vorstand des Vereins Leinebogen.

Derzeit bereiten die Initiatoren eine Öffentlichkeitsoffensive vor. „Wir glauben, dass unsere Idee überzeugt“, sagt Richter, der zugleich als Wirtschaftspolitiker für die SPD in der Regionsversammlung sitzt. So könne jetzt anhand von Kartenmaterial nachgewiesen werden, dass es in dem Überflutungsgebiet der Leine mit der Umsetzung der Pläne mehr Naturflächen gebe. „Derzeit werden große Teile des Gebiets intensiv landwirtschaftlich genutzt - das bedeutet Zutrittsverbote, Düngung und Pestizideinsatz“, sagt Schiemann. Das Seenkonzept hingegen sehe große Naturräume vor, ohnehin sollen mehr als 90 Prozent der Ufer zugänglich sein.

Voraussichtlich im Februar muss das Projekt seine erste politische Bewährungsprobe bestehen. Die CDU hat einen Antrag in die Regionsversammlung eingebracht, die Leineaue in ihrer derzeitigen Form unter Schutz zu stellen, um den Leinebogen zu verhindern. Richter und seine Mitstreiter glauben allerdings nicht, dass dieses Ansinnen von Erfolg gerönt sein wird.

n Der See in Zahlen: Nach dem aktuellem Konzept soll der Gesamtsee eine Fläche von rund 600 Hektar haben, der in die Planung einbezogene Ufergürtel rund 300 Hektar. Die Kosten sollen ersten Schätzungen zufolge rund zwei Milliarden Euro betragen, sie würden sich auf mehrere Bauabschnitte über etliche Jahre verteilen. Durch Wohnungs- und Bürobau soll eine Refinanzierung von rund 90 Prozent möglich sein, sagen die Initiatoren. Es gehe nicht um Luxuswohnungen, sondern um Wohnungen „für normale Menschen“, heißt es bei den Aktivisten. Ziel sei, die Lebensqualität in der Region nachhaltig zu stärken.

Gebiet des Leinebogen-Projekts (2 MB)
Umland Schneeglätte, überfrierende Nässe - Regiobus Hannover nimmt Betrieb wieder auf
13.12.2012
10.12.2012
Frank Walter 03.12.2012
Anzeige