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Umland Dutzende Alternativtrassen für Südlink
Umland Dutzende Alternativtrassen für Südlink
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12:26 18.12.2014
Netzbetreiber Tennet hat am Freitag Alternativvorschläge für die Südlink-Stromtrasse vorgestellt, die nach der Bürgerbeteiligung erarbeitet worden sind.
Netzbetreiber Tennet hat am Freitag Alternativvorschläge für die Südlink-Stromtrasse vorgestellt, die nach der Bürgerbeteiligung erarbeitet worden sind. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Die Vorschläge der Bürger haben die Überlegungen für die Stromtrasse Südlink verändert“, sagt Lex Hartmann, Mitglied der Geschäftsführung des Netzbetreibers Tennet. Kein Zweifel: Nachdem das Unternehmen die Bürgerbeteiligung ausgewertet hat, müssen sich in der Region Hannover Städte und Gemeinden mit der Stromautobahn befassen, die bisher außen vor waren – Garbsen, Seelze, Barsinghausen oder Wennigsen beispielsweise. Tennet selbst, das zunächst einen Zielkorridor von einem Kilometer Breite für die insgesamt rund 800 Kilometer lange Trasse zum Transport von Windstrom aus dem Norden in den Süden Deutschlands genannt hatte, legt sich auf keine Wunschvariante fest. „Das ist letzten Endes eine politische und gesellschaftliche Entscheidung“, sagt Sprecherin Ulrike Hörchens.

Seit März war Tennet mit Informationsveranstaltungen durch die betroffenen Regionen gezogen. Als Resultat sind knapp 3000 Vorschläge und Hinweise von Kommunen, Bürgern, Vereinen oder Verbänden eingegangen. Die wiederum hat Tennet gesichtet, zusammengefasst und nach eigenen Angaben „zu 90 Prozent mit in die Planungen aufgenommen“. Herausgekommen sind, bezogen auf den Gesamtverlauf, insgesamt 98 Trassenvorschläge, mit denen sich nun die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde befassen wird.

In Hannover und dem Umland war vom Zielkorridor ein Abschnitt im Osten Hannovers von Burgwedel im Norden bis Pattensen im Süden betroffen und erschien auf der öffentlich gemachten Planungskarte als breiter Strich. Jetzt sieht das Werk eher aus wie eine Luftaufnahme vom Mündungsdelta des Rheins. Als Ausfluss der Bürgerbeteiligung sind mehr als ein Dutzend Varianten eingezeichnet. Einige beinhalten eher geringe Abweichungen vom bisherigen Verlauf, andere weisen völlig neue Wege. Das gilt vor allem für die Vorschläge, die die Trasse vom Osten in den Westen der Region verschieben – oder, wie im extremsten Fall, im Westen des Steinhuder Meeres über Bad Nenndorf und durch das Deister-Süntel-Tal gleich ganz um sie herum.

Am Freitag hat Tennet die Trassenvarianten nicht nur ins Internet gestellt, sondern sie auch den betroffenen Bundestagsabgeordneten präsentiert. Hendrik Hoppenstedt, Maria Flachsbarth (beide CDU) sowie Caren Marks und Matthias Miersch von der SPD lobten das Unternehmen: „Tennet bemüht sich, Transparenz zu schaffen“, schrieben sie in einer gemeinsamen Erklärung. Gleichzeitig kündigten sie an, die Vertreter aller betroffenen Kommunen parteiübergreifend zu einer Konferenz einzuladen. Am liebsten wäre es ihnen, wenn alle in der Region zu einer einheitlichen Meinung kämen. Das allerdings hat sich schon in der Vergangenheit als schwierig erwiesen. Beispielsweise erklärte gestern umgehend Garbsens Bürgermeister Alexander Heuer (SPD): „Angesichts der erheblichen Belastungen für die Stadt durch Autobahn und Bundesstraße kann die West-Variante durch das Regionsgebiet nur auf unsere Ablehnung stoßen.“

Die Bundesparlamentarier warben dafür, die Kabel unter die Erde zu bringen, anstatt sie an 70 Meter hohe Masten zu hängen. „Sowohl für die Netzagentur als auch für das Bundeswirtschaftsministerium scheint die Akzeptanz in der Bevölkerung ein wichtigeres Kriterium als die reine Wirtschaftlichkeit zu werden“, sagen sie. Erdkabel können die Baukosten, die auf einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag taxiert werden, mehr als verdoppeln.

Tennet hatte seinen Zielkorridor nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen gewählt. Außer einer möglichen Erdverkabelung würde es auch die Kosten treiben, wenn die Strecke durch Umwege länger würde. Genau das sehen die Bürgervarianten aber zum Teil vor – in der Region etwa diejenige, die statt in Autobahnnähe weiter östlich in den Burgdorfer und Lehrter Raum verlegt. „Letztendlich finanzieren die Stromkunden über die Strompreise den Bau der Trasse“, stellt Sprecherin Hörchens klar. Schon aus diesem Grund, aber auch wegen der Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner sei die Entscheidung über ihren endgültigen Verlauf sowie über Freilandleitungen oder Erdverkabelung eine, die unter gesellschaftlichen und politischen Aspekten getroffen werden müsse.

Geschäftsführer Hartmann sagt, die generelle Akzeptanz der Bundesbürger für den Netzausbau sei den Ergebnissen einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zufolge mit einem Befürworteranteil von 78 Prozent groß. Jeder Vierte kenne Südlink, von diesen wiederum sagten in Niedersachsen zwei Drittel, die Trasse sei notwendig. Auftraggeber der Studie war Tennet.

Vorstellung der Trassen am 6. Oktober

Infomarkt: Die veröffentlichen Korridorvorschläge stellt Tennet in den kommenden Wochen auf regionalen Informationsveranstaltungen vor. Die Veranstaltung für die Region Hannover findet am Montag, 6. Oktober, von 17 bis 20 Uhr in der Niedersachsenhalle des Hannover Congress Centrums, Theodor-Heuss-Platz 1-3 in Hannover statt. Diese Veranstaltungen firmieren unter dem Titel "Projektdialog - Auswertung der ersten Bürgerbeteiligung".

Antrag: Am 3. November will Tennet bei der Bundesnetzagentur die Unterlagen zum Bau des Südlinks einreichen. Mit diesem Antrag auf Bundesfachplanung macht das Unternehmen einen Trassenvorschlag, legt aber auch Alternativen dar.  

Abstimmung: Liegt diese Bundesfachplanung vor, kommen alle Beteiligten zu einer sogenannten Antragskonferenz zusammen. An ihrem Ende, vermutlich im Jahr 2016, steht die Festlegung auf einen Trassenkorridor.  

Bürgerbeteiligung: Sind die Routenvorschläge konkret, beginnt das Planfeststellungsverfahren und mit ihm die Möglichkeit öffentlicher Beteiligung. Dann wird es für Bürger auch die Möglichkeit geben, Einspruch gegen den Trassenverlauf einzulegen oder Klage einzureichen.  Baubeginn: Nach bisherigem Stand will Tennet im Jahr 2018 mit dem Leitungsbau beginnen, 2022 soll die Trasse fertig sein. Dass das allerdings klappen wird, halten Experten für unwahrscheinlich.

fx

Von Bernd Haase und Markus Holz

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