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Burgdorf: Mehr Schutz für Frauen: Beratungsstelle baut Angebot aus

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00:17 11.06.2019
Brigitte Mende leitet die Frauenberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt seit 2014 - sie plädiert nun für einen Ausbau der Beratung. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

Zum Jahreswechsel soll es eine Dependance der AWO-Frauenberatungsstelle mit Stammsitz Lehrte in Burgdorf geben – dieses Ziel geben die Gleichstellungsbeauftragte Petra Pape und Brigitte Mende, Leiterin der Beratungsstelle, aus. Dabei erhalten sie in Burgdorf die Unterstützung der Politiker im Ausschuss für Soziales, Integration und Prävention, die das neue Konzept mit einer Gegenstimme empfahlen. Und das, obwohl sich der kommunale Zuschuss von jetzt gut 4700 Euro auf knapp 24.700 Euro erhöhen wird.

In der jüngsten Ausschusssitzung warben Pape und Mende für das Vorhaben: „Wenn wir vor Ort sind, dann kommen die Frauen einfach viel schneller und holen sich Hilfe“, sagte die Beraterin aus Erfahrung und verwies auf die monatliche Sprechstunde in Hänigsen, die seit dem Start in diesem Jahr jedes Mal ausgebucht sei. Um möglichst vielen Frauen eine Unterstützung anbieten zu können, benötige die Beratungsstelle eine höhere Verlässlichkeit und mehr Personal als bislang, sagte sie – und nannte als künftige Aufgabe zudem eine verstärkte Präventionsarbeit in Schulen, um Gewalt gegen Frauen frühzeitig zu verhindern.

169 Frauen suchen 2018 die Beratungsstelle auf

Nach Aussage Mendes haben im vergangenen Jahr 169 Frauen die Beratungsstelle aufgesucht, es habe knapp 500 Termine gegeben. „Frauen, die zu uns kommen, brauchen akut Hilfe in einer Trennungssituation, in finanziellen Fragen oder bei Problemen mit ihren Kindern“, sagt sie. Weniger genau erfassen lassen sich ihren Angaben zufolge die Telefonate, bei denen die Betroffenen an Netzwerkpartner wie die Familien- und Erziehungsberatungsstelle oder das Jugendamt vermittelt würden. „Häusliche oder sexualisierte Gewalt kommen in allen Schichten der Bevölkerung vor“, betonte Mende vor den Kommunalpolitikern, ihre Beratungsstelle werde beispielsweise über die Kontaktstelle in Hannover und die Polizei eingeschaltet, wenn die betroffenen Frauen dies wünschen. Mende spach von einem komplexen Problem, vor dem ihre Klientel stehe: Noch immer spiele zum Beispiel finanzielle Abhängigkeit eine Rolle, ebenso wie die mitunter fehlende Unterstützung durch Familie und Freunde oder eine Verschuldung.

Region will Istanbul-Konvention durchsetzen

Mit Blick auf die Istanbul-Konvention – ein Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt – richtet die Region Hannover deshalb die Beratungsarbeit neu aus. Flächendeckend soll es Beratungsstellen geben, dafür hat die Regionsversammlung einen Grundsatzbeschluss gefasst. Dieser umfasst auch die personelle Ausstattung: Vorgesehen ist eine Vollzeitkraft pro 40.000 Einwohner plus Mitarbeiter für Verwaltung und/oder Geschäftsführung. Die AWO-Beratungsstelle für den Ostkreis ist zuständig für Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze – sie benötigt damit drei Beraterstellen. Für das neue Konzept müssen die Kommunen mehr Geld bereitstellen: Lehrte hat demnach 35.458 Euro (bislang 6817 Euro) zu zahlen, Sehnde 18.812 (3655) Euro, Burgdorf 24.683 (4727) Euro und Uetze 16.259 (3158) Euro. Der Anteil der Region steigt von 42.500 auf 95.212 Euro. Der Fachausschuss in Burgdorf gab jetzt grünes Licht für das neue Vorhaben – vorbehaltlich der Zustimmung der anderen drei Kommunen.

Vehement widersprachen dabei Detlef Knauer (Grüne) und Rüdiger Nijenhof (Freie Burgdorfer) dem AfD-Ratsherrn Jens Braun: Er machte die „zerstörten Familienstrukturen“ für den Anstieg der häuslichen Gewalt verantwortlich. „Es gibt jetzt viel mehr Delikte als früher“, behauptete er. „Seien wir froh, dass die verkrusteten Familienstrukturen, die Sie hier loben, aufgebrochen sind“, sagte Knauer. Es sei gut, dass die Frauen jetzt mutiger aufträten und ihre Rechte durchsetzen. „Frauen waren früher ausgeliefert, das kann sich niemand ernsthaft mehr wünschen“, sagte Nijenhof.

Information: Die Frauenberatungsstelle der AWO an der Goethestraße 8 in Lehrte öffnet montags bis donnerstags von 10 bis 12 Uhr, mittwochs von 14 bis 16 Uhr. Die Mitarbeiterinnen sind erreichbar unter Telefon (05132) 823434 und per E-Mail: frauenberatung@awo-hannover.de

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Lesen Sie auch: Frauenberatungsstelle der AWO besteht seit 15 Jahren.

Von Antje Bismark

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