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Uetze Dorfspaziergang: So hat sich Dedenhausen in den vergangenen 60 Jahren verändert
Umland Uetze

Dorfspaziergang: So hat sich Uetze-Dedenhausen in den vergangenen 60 Jahren verändert

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18:15 25.09.2019
Hans-Heinrich Bolten ist im Gasthaus Zum Bahnhof aufgewachsen – und erinnert sich noch gut daran, wie es in Dedenhausen früher aussah. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Dedenhausen

Sie ist der Treffpunkt im Dorf: die Gaststätte Zum Bahnhof. Um sie zu erhalten, will die Zukunftswerkstatt aus Uetze-Dedenhausen sogar eine Genossenschaft gründen. Mit der Gaststätte verbindet auch der frühere Ortsbürgermeister Hans-Heinrich Bolten viele Kindheits- und Jugenderinnerungen. Der heute 70-Jährige ist in dem Wirtshaus aufgewachsen. Seine Eltern hatten die Gaststätte von 1957 bis etwa 1970 betrieben, dann verpachtet und schließlich verkauft. Als Kind habe er gern den Gästen zugehört und so viel über das Dorf erfahren, sagt der Dedenhausener.

So schnappte er auf, dass sich der Landwirt Heinrich Wrede Ende des 19. Jahrhunderts erfolgreich dafür eingesetzt haben soll, dass Dedenhausen 1895 einen Bahnhof bekam. Ursprünglich sei dieser bei Wehnsen an der heutigen Bundesstraße 444 geplant gewesen, berichtet Bolten. „Die Eisenbahn hat Dedenhausen einen großen Aufschwung beschert“, sagt der pensionierte Gymnasiallehrer. Die Einwohnerzahl sei gestiegen. Als der Bahnhof gebaut wurde, wurde auch die Gaststätte Zum Bahnhof errichtet.

Längst verschwunden: Die Kreissparkassenfiliale

Nicht erinnert mehr daran, dass in diesem Gebäude einmal eine Kreissparkassenfiliale war. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

In Boltens Kindheit war Bernhard Plate aus Wehnsen Stammgast der Gaststätte. Er arbeitete in der Dedenhausener Kreissparkassenfiliale. „Im Haus bei uns gegenüber hatte die Kreissparkasse einen Raum gemietet“, erinnert sich Bolten. Plate habe immer pünktlich um 13 Uhr den Raum abgeschlossen und dann ein Bier im Gasthaus Zum Bahnhof getrunken. Boltens Eltern schickten ihren Sohn oft mit einer Rechnung zu Plate, damit dieser das Geld überwies. Plate füllte den Überweisungsträger aus. „Ich wusste nicht, wie man das macht. Er kannte unsere Kontonummer auswendig“, erzählt Bolten.

Vom Lebensmittelladen über die Bank bis zur Versicherung

In diesem Haus, in dem früher einmal ein Lebensmittelgeschäft und dann eine Volksbank-Filiale waren, ist heute eine Versicherungsvertretung Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

„Die Volksbank war bei Adolf Maetje in der Stube“, sagt Bolten. Maetje habe keine festen Öffnungszeiten gehabt. Später habe die Volksbank im Lebensmittel- und Kolonialwarengeschäft Gödecke eine Filiale eröffnet, nachdem dieses geschlossen worden war. Heute ist in dem Gebäude eine Versicherungsvertretung.

Einkaufen bei Ebeling

Im früheren Edeka-Laden ist heute ein Bürodienstleister. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

„Zum Einkaufen sind wir immer zu Ebeling gegangen“, erzählt Bolten. Der Edeka-Laden lag praktischerweise gleich neben der Gaststätte Zum Bahnhof. Wurst und Fleisch konnten die Einwohner in zwei Schlachtereien erwerben. Die Dorfbäckerei gehörte laut Bolten ursprünglich einer Bäckereigenossenschaft, die die Backstube und den Laden verpachtet hatte. Als die Genossenschaft aufgelöst wurde, ging die Bäckerei, die seit Jahren geschlossen ist, in Privateigentum über.

Den Anzug gab’s bei Könneke, die Kurzwaren bei Otte

Hans-Heinrich Bolten steht vor einem der beiden früheren Schlachterläden. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

„Wenn mein Vater einen neuen Anzug haben wollte, hat den Schneidermeister Könneke genäht“, erzählt Bolten. Kurzwaren habe man im Laden der Familie Otte bekommen. „Wenn unsere Wasserleitung undicht war, kam August Armke und hat sie gelötet“, erinnert sich Bolten. Armke hatte an der Ecke Eltzer Straße/Zum Bahnhof eine Schlosserei. „Zum Haareschneiden ging man zu Putzer Herzer“, erzählt der pensionierte Gymnasiallehrer. Herzer habe einen kleinen Frisiersalon in einem Haus an der Straße Im Hagen gehabt. Auch zwei Malermeister hatten in Dedenhausen ihr Auskommen. Es gab an der Eddesser Straße noch eine zweite Gastwirtschaft: die Gaststätte Zur Post. „Der Wirt hat gleichzeitig die Post betrieben“, erinnert sich der frühere Ortsbürgermeister.

Neben Molkerei auch Käserei

Die Verladerampe der ehemaligen Käserei ist noch vorhanden. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Kaum noch jemand weiß, dass im Ort neben der Molkerei noch eine Käserei existierte. Deren elektrischen Lastenaufzug fand Bolten als Kind faszinierend. „Wer hatte sonst so etwas? Damit wurde der frische Käse zum Reifen in den Keller gebracht und anschließend wieder hoch geholt“, erzählt er. Auf einem Schild habe gstanden, dass Menschen nicht den Lastenaufzug benutzen dürften. Die Käserei stellte nach Boltens Worten Harzer Roller her. Sie war in einem Anbau an ein Haus an der Ecke Zum Bahnhof/Dahlkamp. Die Verladerampe vor dem Anbau ist immer noch vorhanden.

Aus Volksschule wird Bücherei

Im früheren Schulgebäude sind heute die Bücherei und Räume der Feuerwehr, der Kirche und der Dorfgemeinschaftsjugend, Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Bevor Bolten auf das Gymnasium Uetze wechselte, besuchte er bis zur fünften Klasse die Volksschule in Dedenhausen. Die Schüler wurden jahrgangsübergreifend unterrichtet. Die älteren Jungen und Mädchen drückten die Schulbank im alten Schulgebäude. Der Unterricht für die jüngeren Schüler fand in einem Neubau, dem heutigen Kindergarten Wallbergzwerge statt.

Lesen Sie auch:So feiert die Zukunftswerkstatt Dedenhausen ihr erstes Mitmachfest

Der Dorfspaziergang zum Durchklicken:

Der Rundgang mit dem 70-jährigen Hans-Heinrich Bolten durch Dedenhausen gleicht einer Zeitreise: Er berichtet von längst geschlossenen Schlachtereien, zwei Banken im Dorf, einer Käserei und natürlich der Gastwirtschaft.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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