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Umland Uetze Nachrichten Backeberg: Der Schulfrieden ist gestört
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17:17 19.11.2017
Den früheren Hauptschultrakt (rechts) des Schulzentrums nutzt seit Anfang des aktuellen Schuljahres die Aurelia-Wald-Gesamtschule. Im ältesten Teil des Gebäudekomplexes (im Hintergrund links) hat das Gymnasium Unter den Eichen seine Räume.
Den früheren Hauptschultrakt (rechts) des Schulzentrums nutzt seit Anfang des aktuellen Schuljahres die Aurelia-Wald-Gesamtschule. Im ältesten Teil des Gebäudekomplexes (im Hintergrund links) hat das Gymnasium Unter den Eichen seine Räume. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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 Am Schulzentrum hängt der Haussegen schief. Die Differenzen zwischen der Aurelia-Wald-Gesamtschule (AWG) und dem Gymnasium Unter den Eichen haben inzwischen einen Grad erreicht, dass Bürgermeister Werner Backeberg den Schulfrieden am Schulzentrum empfindlich gestört sieht. Noch vor Weihnachten will er zu einem Krisengespräch einladen, an dem auch die Landesschulbehörde teilnehmen wird.

Am Freitagvormittag hatte Backeberg Kontakt zur Landesschulbehörde aufgenommen, weil an der AWG ein Brief der Schulelternratsvorsitzenden Katrin Bartloff und deren Stellvertreterin Julia Blanke verteilt worden war. Darin teilen sie Schülern und Eltern mit, dass die AWG-Schulleitung den gemeinsamen Buß- und Bettagsgottesdienst abgesagt hat. „Wir als Eltern bedauern dies sehr, können diese Entscheidung aber nachvollziehen und tragen sie mit“, teilen die Elternvertreter mit. Die Absage rechtfertigen sie mit dem Verhalten des Gymnasiums gegenüber der AWG.

„So berichteten uns Schüler, dass Lehrkräfte des Gymnasiums Schülerinnen und Schüler der AWG im Unterricht vor ihren eigenen Schülern als dumm darstellen“, schreiben Bartloff und Blanke. Lehrkräfte des Gymnasiums unterstellten Sportlehrern der Gesamtschule, diese würden Sportmaterialien zerstören. Zwei Jahre habe es gedauert, bis AWG-Schüler Materialien für den Sportunterricht, die eigentlich allen Schulen zugänglich sein sollten, hätten nutzen können. Es stünde immer noch nicht alles zur Verfügung.

Weiter heißt es in dem Rundbrief: Die Schulleitung des Gymnasiums spreche von einem „schwierigen Übergang“ von der integrierten Gesamtschule zum Gymnasium. Hingegen seien zwei Schüler in den vergangenen drei Jahren problemlos von der AWG aufs Gymnasium gewechselt. Außerdem werfen die Elternvertreter dem Gymnasium vor, sich nicht an Absprachen zu halten. „Bedauerlicherweise erleben wir keine Unterstützung seitens des Schulträgers“, klagen Bartloff und Blanke.

Laut Bartloff beruht der Rundbrief auf Berichten von Lehrern und Schülern. „Ich gehe davon aus, dass die Inhalte gut recherchiert sind und der Wahrheit entsprechen“, sagt Gesamtschuldirektor Frank Stöber.

Andrea Wundram, Leiterin des Gymnasiums, hält sich mit einer Äußerung zurück: „Ich möchte keine öffentliche Diskussion. Mir ist  an einer guten Zusammenarbeit am Schulzentrum gelegen.“

„Ich bedauere die Entwicklung am Schulzentrum“, sagt Bürgermeister Backeberg. Nach der Gründung der Gesamtschule habe die Zusammenarbeit am schulzentrum zunächst gut geklappt. Damals habe man das Motto „Gemeinsam Hand in Hand“ kreiert. Das werde jetzt nicht mehr gelebt. Mit dem Schreiben und der Aufkündigung des gemeinsamen Gottesdienstes hat die Entwicklung am Schulzentrum nach Backebergs Ansicht eine Eskalationsstufe erreicht, bei der er den Schulfrieden gestört sieht.

 

Gemeinsamer Gottesdienst: Schüler sollten die Wahl haben

Statt des abgesagten gemeinsamen Buß- und Bettagsgottesdienstes mit dem Gymnasium Unter den Eichen plant die Aurelia Wald-Gesamtschule nach Auskunft ihres Schulleiters Frank Stöber nun einen Gottesdienst zu Weihnachten. Die Absage des Gottesdienstes am 22. November tragen offenbar nicht alle Eltern der AWG-Schüler mit. Nach Ansicht der Mutter Stefanie Wolf haben die Anschuldigungen gegen das Gymnasium, sich nicht auf den geplanten gemeinsamen Gottesdienst auswirken. Das habe nicht miteinander zu tun. Zumal nach ihren Informationen die Zusammenarbeit der Religionslehrer bei der Vorbereitung gut geklappt hat. „Ich würde mir wünschen, dass wenigstens die Kinder, die es wollen, an dem Gottesdienst teilnehmen können“, sagt Wolf. Stöber verweist darauf, dass die Absage in Absprache mit dem Schulvorstand getroffen wurde: „Manchmal muss man Entscheidungen treffen.“

Nach Wolfs Meinung hätte auch eine kurze Mitteilung der Gottesdienstabsage gereicht.  „Die Anschuldigungen gehören nicht in die Öffentlichkeit“, sagt sie. „Dann hätten die Eltern nachgefragt“, entgegnet die Schulelternratsvorsitzende Katrin Bartloff. Die Begründung solle deutlich machen, dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. 

Wolf gibt zu bedenken, dass auch die Schüler die Vorwürfe gegen das Gymnasium lesen. Wie die Mutter befürchtet auch Bürgermeister Werner Backeberg, dass das Schreiben einen Keil zwischen Gesamtschülern und Gymnasiasten treiben könnte.

 

Von Friedrich-Wilhelm Schiller