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19:11 28.08.2013
Von Joachim Dege
Der Bahn gehört der Bahnhof in Dollbergen schon seit Jahren nicht mehr. Jetzt bietet ein Berliner Auktionshaus das Gebäude zur Versteigerung an.
Der Bahn gehört der Bahnhof in Dollbergen schon seit Jahren nicht mehr. Jetzt bietet ein Berliner Auktionshaus das Gebäude zur Versteigerung an. Quelle: privat
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Arm muss man nicht werden, wenn man sich auf dem Versteigerungsweg einen Dorfbahnhof aneignet. Vorausgesetzt, die interessierten Bieter übersteigern sich nicht gegenseitig in astronomische Höhen. Das allerdings steht beim Dollberger Bahnhofsgebäude, das zurzeit leer steht und nach Darstellung des Berliner Auktionshauses Karhausen AG zudem sanierungsbedürftig ist, kaum zu erwarten. Und so hat Auktionator Matthias Knacke ein Mindestgebot von überschaubaren 5000 Euro aufgerufen. „Damit wird die Chance auf einen sehr preiswerten Erwerb geboten“, sagt er.

Die Nutzfläche des Gebäudes, zu dem es ein Grundstück von 2204 Quadratmetern Größe obendrauf gibt, beträgt 264 Quadratmeter. Bis März dieses Jahres fanden Pendler darin eine Wartehalle, die sie vor Wind und Wetter schützte. Ein Kiosk verkaufte nicht nur Zeitschriften und Snacks, sondern auch Fahrkarten. Doch das ist schon seit März vorbei.

Im 76 Seiten starken Herbstkatalog des Auktionshauses Karhausen sind außer dem Dollberger Bahnhof auch der Bahnhof Pferdemarkt in Langenhagen sowie 39 weitere ehemalige Bahn-Immobilien, darunter fünf Bahnhöfe in Niedersachsen, gelistet. Sämtliche Liegenschaften gehören heute der Firma Main Asset Management, die laut Knacke vor Jahren 1000 Bahnhöfe von der Bahn im Paket erworben hat und jetzt einzeln versteigern lässt.

Die Auktion soll an zwei Tagen steigen, und zwar am 20. und 21. September in Berlin-Tegel im Meistersaal des Borsigturms. Bieten könnten Interessenten aber auch telefonisch und mithilfe eines schriftlichen Bieterauftrags. Details sind nachzulesen auf karhausen.de.

Historie

Schienenzeppelin rast 1931 durch Dollbergen

Der Bau des Dollberger Bahnhofs beginnt 1870. Nach Fertigstellung der Strecke Lehrte-Stendal halten ab November 1871 Züge in Dollbergen. In den dreißiger Jahren rast der sogenannte Schienenzeppelin bei Testfahrten durch den Bahnhof. Am 10. Mai 1931 fährt der Triebwagen mit Propellerantrieb auf dem schnurgeraden Steckenabschnitt zwischen Lehrte und Plockhorst (Landkreis Peine) erstmals schneller als 200 Stundenkilometer. Bei einem Luftangriff am 5. August 1944, bei dem zwölf Menschen ums Leben kommen, treffen Bomben auch das zweistöckige Dollberger Bahnhofsgebäude. Es wird später wieder aufgebaut – jedoch nicht in alter Größe. 1988 errichtet die Bahn daneben einen einstöckigen Neubau. Den Altbau reißt sie 1990 ab. Ende 1992 stellt die Bahn in Dollbergen den Fahrkartenverkauf ein. Vier Jahre später zieht sie dort ihr letztes Personal ab. Ab 1998 nutzen Pächter einen Teil des Gebäudes zunächst als Laden. Heute befindet sich dort ein Kiosk.