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Umland Uetze Nachrichten Gänse fressen Felder rund um Seenplatte kahl
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18:39 28.08.2014
Von Anette Wulf-Dettmer
Rund 40 Wildgänse fallen auf einem Acker an der Seenplatte westlich von Uetze ein, um die jungen Pflanzen abzugrasen.
Rund 40 Wildgänse fallen auf einem Acker an der Seenplatte westlich von Uetze ein, um die jungen Pflanzen abzugrasen. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Uetze

Die Seenplatte bietet den Wildgänsen ideale Lebensbedingungen. Es gibt Wasserflächen im Überfluss. Und auf den Feldern rund um die Kiesteiche südlich der B 188 ist der Tisch für die Vögel zu jeder Jahreszeit reich gedeckt. „Wir haben dort Ackergras gesät“, sagt Landwirt Christian Pahls. „Es läuft gerade auf. Doch von den Gänsen wird es so kurz gehalten, dass wir es vermutlich gar nicht mähen müssen“, berichtet Pahls mit einem gewissen Galgenhumor.

Der Landwirt schätzt, dass derzeit 600 Grau- und Nilgänse an den Spreewaldseen und Kiesteichen leben. Inzwischen werden sogar schon Gruppen mit bis zu 40 Tieren auf den Feldern am Schwüblingser Kreisel, etwa vier Kilometer weiter westlich, beim Fressen beobachtet. Dem Heißhunger der sich stark vermehrenden Gänseschar stehen die Landwirte machtlos gegenüber. „Ständiges Hinfahren und Wegjagen bringt nichts“, sagt Pahls. „Die Tiere sind so schlau, sie sind auch schwer zu jagen“, ergänzt sein Berufskollege Helmut Wrede.

Die Jäger im Hegering Uetze wollen es morgen trotzdem versuchen. „Wir machen das in allen Revieren gleichzeitig“, sagt der stellvertretende Kreisjägermeister Eckhard Baars. Damit die Vögel vor den Jägern nicht in den Erholungspark Irenensee flüchten, will Baars den Betreiber bitten, für viel Unruhe am See zu sorgen.

Diese koordinierte Gänsejagd sei die einzige Chance, die Vögel überhaupt zu erwischen. Doch trotz dieser regelmäßigen Gemeinschaftsjagden: „Die Gänse bei uns werden jedes Jahr mehr“, sagt Baars. Der Jäger kann die Sorgen der Bauern gut verstehen: „Denn die Landwirte bekommen keinen Schadensersatz für den Gänsefraß. Auch das Land zahlt nichts.“

Fielen die Gänse zusammen auf einem Acker ein, richteten sie Schaden wie ein Heuschreckenschwarm an, beschreibt Pahls die Situation. Er und sein Vater bewirtschaften im Gänserevier 22 Hektar. „Wintergetreide können wir gar nicht mehr anbauen.“ Landwirt Wrede hat den Anbau von Buschbohnen längst eingestellt. „Die Gänse sind Feinschmecker, sie probieren alles. Die Bohnen mochten sie besonders gern.“

Ackerpflanzen, die die Gänse nicht verputzen, gibt es kaum: „An Kartoffeln gehen sie nicht ran. Auch Mais und Zwiebeln sind nicht unbedingt ihr Geschmack“, sagt Pahls. Die jungen Pflänzchen der Zuckerrüben sind ein Leckerbissen für die Wasservögel. „Sie ziehen die Pflanzen einfach aus dem Boden. Das bedeutet dann Totalschaden“, sagt Pahls.

Beziffern lässt sich der gesamte Schaden durch Gänsefraß in der Gemeinde Uetze nicht exakt. Pahls spricht von rund 1000 Euro Schaden, den die Vögel in diesem Jahr in seiner Gerste angerichtet haben.

Die Gänse, die in Uetze zu beobachten sind, sind laut Baars Dauergäste. „Die Zugvögel aus dem Norden rasten hier nicht.“ Eine besondere Brisanz hat nach seiner Ansicht die Zunahme der Nilgänse. „Das sind keine heimischen Tiere“, stellt er klar. Sie hätten keinen Nutzen für das Ökosystem in unseren Breiten. Vielmehr schadeten sie heimischen Vogelarten, „weil sie deren Brut zerstören“. Nicht nachvollziehbar ist für Baars deshalb, warum der niedersächsische Umweltminister Meyer die Jagd auf die Nilgänse auf zwei Monate im Jahr - vom 1. Oktober bis 30. November - beschränken will. Die Jagd auf alle anderen Wildgänse ist vom 1. August bis zum 15. Januar erlaubt.

von Anette Wulf-Dettmer

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