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Nachrichten Widerrechtlicher Kahlschlag auf Gasolingelände
Umland Uetze Nachrichten Widerrechtlicher Kahlschlag auf Gasolingelände
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00:15 01.05.2013
Von Anette Wulf-Dettmer
Die Tiere haben ihren Lebensraum verloren. Auf dieser Fläche des Gasolingeländes wächst nach dem Kahlschlag nichts mehr.
Die Tiere haben ihren Lebensraum verloren. Auf dieser Fläche des Gasolingeländes wächst nach dem Kahlschlag nichts mehr.
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Uetze

Kein Baum, kein Busch, nicht mal ein Grashalm ist stehen geblieben. Die Tiere, darunter geschützte Arten, haben das Weite gesucht.Die Kritik der Bürgerinitiative Umwelt Uetze und der Grünen an den Fällarbeiten auf dem zehn Hektar großen Gasolingelände war mehr als berechtigt: Fast die Hälfte des wertvollen Biotops, das seit Jahrzehnten Heimat seltener Tierarten wie der Zauneidechse ist, ist widerrechtlich zerstört worden. Die Naturschützer argwöhnen, dass die Rodung Tatsachen schaffen soll, damit die geplante Reaktivierung der Industriebrache nicht am Artenschutz scheitert.

Die Region hatte dem Alteigentümer BP zwar im Jahr 2010 die sogenannte waldrechtliche Zustimmung erteilt, 3,3 Hektar für geophysikalische Untersuchungen des Untergrunds roden zu dürfen. Doch, so Regionssprecher Nils Meyer, war diese Erlaubnis an Auflagen verknüpft: Die Büsche und Bäume durften nur oberirdisch gekappt werden, damit sie wieder ausschlagen. Die bodennahe Krautschicht sollte erhalten bleiben, zählt Meyer auf. Zudem durften in zwei als Rückzugsgebiet für Zauneidechsen gekennzeichneten Arealen nur einzelne Triebe per Hand zurückgeschnitten werden.

All diese Auflagen wurden nicht eingehalten. Stattdessen sei alles niedergeschlegelt worden, sagt Erhard Zander, der als Naturschutzbeauftragter der Region Hannover an der offiziellen Begehung des Gasolingeländes Mitte April teilnahm. „Es ist ein Totalverlust der hohen Strukturvielfalt zu verzeichnen“, betont er.

Damit nicht genug: Eigenmächtig wurde nicht nur auf den genehmigten 3,3 Hektar, sondern auf weiteren 10000 Quadratmetern die Vegetation nachhaltig zerstört. „Die Vegetation hat kaum eine Chance wiederzukehren“, sagt Meyer. Damit sei der Lebensraum für die geschützten Tiere vorerst verloren, ergänzt Zander.

Wer für den Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) verantwortlich ist, will die Region laut Meyer bis Anfang nächster Woche klären. „Wir laden zur Anhörung ein.“ Anschließend werde entschieden, ob die Staatsanwaltschaft einzuschalten ist. Die Vorgänge auf dem Gasolingelände können laut Paragraf 71 des BNatSchG mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden.

Anette Wulf-Dettmer