So will Uetze seine 1000-jähriges Bestehen feiern
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Uetze So will Uetze sein 1000-jähriges Bestehen feiern
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So will Uetze seine 1000-jähriges Bestehen feiern

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17:01 29.05.2020
Motive aus der Geschichte der Gemeinde zeigt das Wandgemälde im Foyer des Rathauses, das Uetzes Ehrenbürger Günter Radtke gemalt hat.
Motive aus der Geschichte der Gemeinde zeigt das Wandgemälde im Foyer des Rathauses, das Uetzes Ehrenbürger Günter Radtke gemalt hat. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller (Archiv)
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Uetze

Die Ortschaft Uetze ist mindestens 1000 Jahre alt. Das soll 2021 groß gefeiert werden – auch mit Gästen aus Uetzes Partnerstadt Frohburg in Sachsen. Wie Ortsbürgermeister Jens Schumacher (SPD) berichtet, haben sich die Verantwortlichen in der jüngsten Ortsratssitzung entschlossen, das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft nicht wie geplant Ende September zu begehen. „Denn wir wissen angesichts der Corona-Pandemie nicht, ob dann schon wieder Großveranstaltungen möglich sind“, sagt Schumacher.

Deshalb werde man die Frohburger zur 1000-Jahr-Feier im Mai 2021 einladen. Diese Feier soll laut Ortsbürgermeister ein Höhepunkt des Festjahres sein. Sie beginnt am 30. April um 18 Uhr mit dem Maibaumaufstellen, einem kleinen Festakt um 19 Uhr sowie einem ausgelassenen und vor allem langen Tanzabend. Tanzmusik soll von 21 bis morgens 4 Uhr gespielt werden. „Mit diesen Zeiten wollen wir vor allem auch die jungen Leute ansprechen“, erklärt Schumacher. Für den 1. Mai sind ein bunter Festumzug durch Uetze und ein Vereinsabend mit Musik und Darbietungen geplant. Am 2. Mai, so stellt es sich der Ortsrat vor, könnte ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden. „Wenn die Kirchen mitmachen.“

Ein Zelt größer als beim Schützenfest

Für diese große Feier soll auf dem Hoopt ein großes Festzelt aufgestellt werden. „Es soll mindestens so groß sein wie beim Schützenfest“, sagt Schumacher. Festwirt Peter Lindemann konnten die Uetzer dafür schon gewinnen. Er habe sich bereit erklärt, alles mitzuorganisieren. Angedacht sei, vor dem Zelt auch einen kleinen Vergnügungspark für die Kinder aufzubauen.

Schwierige Sponsorensuche

Während das Programm in groben Zügen steht, ist die Finanzierung noch längst nicht geklärt. „Die Suche nach Sponsoren gestaltet sich derzeit etwas schwierig“, sagt Schumacher. Die Unternehmen hielten sich zurück, weil die wirtschaftliche Entwicklung in Folge der Corona-Pandemie nicht absehbar sei.

Außer dieser zentralen Feier sollen die Vereine übers Jahr verteilt eigene Veranstaltungen und Aktionen unter dem Motto „1000 Jahre Uetze“ auf die Beine stellen. „Wir wollen den örtlichen Vereinen und Initiativen die Gelegenheit geben, sich zu präsentieren.“ Denn die 1000-Jahr-Feier solle keine Veranstaltung der Gemeinde und des Ortsrats sein, sondern die Handschrift der Bürger tragen, erläutert Schumacher das Konzept.

Einladung zu Einzelgesprächen

Zu einem ersten Gedankenaustausch trafen sich Vereinsvertreter im April 2019. „Wir werden den Vereinen jetzt Briefe schicken und sie zu Einzelgesprächen einladen“, kündigt der Ortsbürgermeister an. Denn wegen der Pandemie können ein gemeinsames Treffen aller nicht stattfinden.

Das erste Uetzer Kulturfestival „mUetze – neun Dörfer voller Leben“ soll auch im nächsten Jahr steigen. Wegen der Corona-Auflagen haben die Organisatorinnen Tove Knebusch und Franziska Greite-Schillert diese Veranstaltung von 2020 auf 2021 verschoben. Inhaltliche Überschneidungen sieht Schumacher eher nicht, aber „wir müssen sehen, dass es keine Terminschneidungen gibt“.

Die frühere Vogtei an der Fuhse – die Fassade wurde 2016/17 saniert – ist eines der ältesten Gebäude in Uetze. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Die Anfänge von Uttessem liegen im Dunkeln

Wann Uetze erstmals urkundlich erwähnt worden ist, ist strittig. Aber: „Es ist sicher, dass Uetze älter als 1000 Jahre ist“, sagt der Heimatforscher Hartwig Schumacher. Die Quellenlage aus dem Mittelalter sei dünn. Sie werde besser, je mehr man sich der Gegenwart nähere, ergänzt er. Der DRK-Vorsitzende und Heimatforscher Egbert Kobbe empfiehlt allen, die mehr über die Geschichte Uetze wissen wollen, die Ortschronik und die Broschüre „1000 Jahre Uetze?!“ des Historikers Ralf Bierod zu lesen.

„Von Anfang an hat ein Kirchengebäude in Uetze gestanden“, berichtet Pastor Andreas Kiebeler. Laut der Ortschronik lassen sich erstmals für das Jahr 1215 ein Priester und für 1289 eine Kapelle im Dorf nachweisen.

1218 gehörte ein Hervicus de Uttessem dem Gefolge des Kaisers Otto IV. an. Uttessem war eine alte Schreibweise für Uetze. 1503 starb Jasper von Uetze, der letzte Vertreter der gleichnamigen Adelsfamilie. Das Uetzer Rittergut fiel zunächst an die Familie von Saldern. 1624 erwarb es Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg für seine Kinder, die er mit der Amtmannstocher Ilse Schmiedichen, der schönen Ilse, hatte. Zehn Jahre später ließ er das Herrenhaus des heutigen Junkernhofes neu bauen. 1635 wurde der Neubau fertig.

Schon früh hatte Uetze als Sitz eines Amtsvogts, eines herrschaftlichen Beamten, eine zentrale Bedeutung für die umliegenden Dörfer. Nachweisen lässt sich die Vogtei in Uetze ab 1552. Im Jahr 1695 erhielt Uetze das Marktrecht. Bis in die Siebzigerjahre fanden Jahrmärkte statt.

Die größten Katastrophen erlebte der Ort 1626 und 1863. Im Jahr 1626 wütete die Pest in Uetze. An ihr starben 366 Einwohner. Beim großen Brand 1863 wurden 84 Wohnhäuser, die beiden Schulen, die Kirche und die Mühle ein Opfer der Flammen. Zwei Frauen kamen ums Leben. 555 Einwohner wurden obdachlos. Zu den wenigen Gebäude, die verschont blieben, gehörte der Junkernhof.

Von Anette Wulf-Dettmer