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Uetze Deshalb stellen Landwirte in der Gemeinde grüne Kreuze auf
Umland Uetze

Uetze: Deshalb stellen Landwirte an ihren Feldern grüne Kreuze auf

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17:15 15.10.2019
Dieses Grüne Kreuz hat Heinrich Wrede am Uetzer Ortsausgang aufgestellt. Quelle: Antje Bismark
Uetze

Seine Familie und drei Mitarbeiter muss der Uetzer Landwirt Heinrich Wrede mit dem Einkommen seines landwirtschaftlichen Betriebs ernähren. Ob dies auf Dauer noch gelingt, bezweifelt er angesichts neuer Gesetze. Deshalb beteiligt er sich am stillen Protest seiner Berufskollegen und stellt auf seinen Feldern sichtbar grüne Kreuze auf. „Aus meiner Sicht ist das Maß voll“, sagt Wrede mit Blick auf die neue Düngemittelverordnung.

Sie sieht vor, dass landwirtschaftliche Betriebe wie der von Wrede künftig 20 Prozent weniger Dünger aufbringen dürfen als die Pflanzen eigentlich benötigen. Damit will die Bundesregierung eine EU-Vorgabe erfüllen und die Nitratbelastung des Grundwassers reduzieren. „Wir betreiben intensive Landwirtschaft mit dem Anbau von Kartoffeln und Gemüse, und wenn wir auf unseren leichten Sandböden einen guten Ertrag erzielen wollen, brauchen wir Feldberegnung und Dünger“, sagt Wrede und fügt hinzu, schon jetzt setze er Dünge- und Pflanzenschutzmittel nur bedarfsgerecht ein: „Alles andere widerspricht dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit.“

Landwirt Heinrich Wrede: Auf unseren leichten Sandböden brauchen wir Feldberegnung und Düngung. Quelle: Antje Bismark

Für Heinrich Wrede geht es um die Zukunft der Landwirtschaft

Für Wrede geht es mit dem stillen Protest um mehr als nur die Kritik an den jüngsten Gesetzen und Auflagen. Für ihn geht es auch um die Frage, ob und welche Zukunft die Landwirtschaft in Deutschland hat. „Schon jetzt gibt es in Uetze keine Viehhaltung mehr wie früher“, sagt er. Er fürchtet, dass immer größere Restriktionen dazu führen, dass noch mehr junge Menschen der Landwirtschaft den Rücken kehren und die Höfe keine Nachfolger mehr finden – denn nur wenn ein Betrieb kostendeckend arbeiten könne, sei er attraktiv für eine Übernahme. Dabei müsse die Politik eben berücksichtigen, dass sich Landwirtschaft nur bedingt planen lasse: „Letztlich betreiben wir Gewerbe unter freiem Himmel“, sagt Wrede. Das bedeute, dass er und seine Kollegen alle Auswirkungen des Klimawandels abpuffern müssen: „Wenn Starkregen oder Hagel runterkommt, ist geht eine ganze Ernte ruckzuck über den Deister. Wenn wie im August große Hitze herrscht, verbrennen die Pflanzen geradezu.“

Uetzer fordert Dialog mit Politikern und Verbrauchern

In diesem Beutel, den Heinrich Wrede an eines der grünen Kreuze gehängt hat, befindet sich die Düngermenge, die er auf einem Quadratmeter ausbringt. Quelle: privat

Andere Branchen berücksichtigten den Wandel bereits, sagt er schmunzelnd mit Blick auf die Fashion Week, bei der Models nur mit breitkrempigen Hüten auf den Open-Air-Laufstegen unterwegs seien. Ernsthaft indes formuliert der Uetzer seine Forderungen an die Politik: Bevor – wie aktuell bei der Düngemittelverordnung – eine schnelle Entscheidung getroffen werde, sollten sich die Verantwortlichen erst einmal die Gegebenheiten genau anschauen.

„Wir messen selbst unsere Nitratwerte, die decken sich nicht mit den Werten der offiziellen Messstellen“, sagt Wrede und plädiert für mehr Dialog, sei es bei der geplanten CO2-Steuer oder dem Schutz von Insekten und Vögeln. Und nicht zuletzt müssten Verbraucher entscheiden, ob sie wie bislang industrialisierte Lebensmittel kaufen möchten oder regionale Produkte. „Die gibt es aber eben nicht im Discounter in großem Gebinde für kleines Geld.“ Auch dafür stünden die grünen Kreuze sichtbar an Geh- und Radwegen: „Damit die Passanten den Protest sehen und über einen Konsens nachdenken.“

Lesen Sie dazu auch:
Das Interview mit Landvolk-Vizepräsident Holger Hennies: „Viele Bauernhöfe werden künftig ohne Einkommen arbeiten“

So läuft der Protest der Landwirte in der Wedemark.

Aktion grüne Kreuze

Überall in Deutschland sind derzeit grüne Kreuze auf den Feldern zu sehen. Mitinitiator ist der Landwirt und promovierte Agrarwissenschaftler Dr. Willi Kremer-Schillings alias Bauer Willi. Dieser lebt auf einem Bauernhof im Landkreis Neuss in Nordrhein-Westfalen. Anfang September hat das Bundesministerium für Landwirtschaft gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium ein Agrarpaket verabschiedet. Seitdem geht in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall erschwert und in Einzelfällen nahezu unmöglich wird. Zahlreiche Verbote würden zu sinkenden Erträgen führen und die Versorgung der heimischen Bevölkerung mit regional erzeugten Nahrungsmitteln sei gefährdet. Die grünen Kreuze sollen als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich des Werts der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden, heißt es unter anderem in der Agrarblogger-Szene.

Von Antje Bismark

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