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Uetze Digitale Revolution macht vor Rathaus nicht halt
Umland Uetze Digitale Revolution macht vor Rathaus nicht halt
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14:41 26.03.2019
Peter Daiser referiert in der Uetzer Agora über die Digitalisierung der Verwaltung. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Uetze

Das niedersächsische Gesetz über digitale Verwaltung und Informationssicherheit (NDIG) wird die Gemeinde Uetze und andere Kommune vor große Herausforderungen stellen. So soll nach dem vorliegenden Gesetzesentwurf jeder Einwohner bis 2022 bei seiner Gemeinde ein Benutzerkonto einrichten können, über das er die kommunalen Dienstleistungen abwickeln kann. Über dieses Konto soll er beispielsweise einen Personalausweis beantragen und seinen Hund an- und abmelden können.

Über die Anforderungen, die das NDIG an die Kommunalverwaltungen stellen wird, referierte Peter Daiser, Professor für E-Government und digitale Transformation an der Hochschule für Verwaltung in Niedersachsen am späten Montagnachmittag vor rund 200 Gemeindemitarbeitern und Kommunalpolitikern. Zum Beispiel müssen die Kommunen Unternehmen bis Ende 2019 ermöglichen, E-Rechnungen zu schicken. Diese müssen die Verwaltungen dann auch bearbeiten können. Das E-Payment soll für die Städte und Gemeinde verpflichtend werden.

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Rund 200 Mitarbeiter der Gemeinde und Kommunalpolitiker hören sich den Vortag über die Digitalisierung der Verwaltung an. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Aus Daisers Sicht wird die „digitale Revolution“ vor den Rathäusern nicht haltmachen: „Wenn sich die Gesellschaft wandelt, muss sich auch die Verwaltung ändern.“ Viele hielten die Verwaltungsdigitalisierung für ein technisches Thema, sage Daiser. Aber: „Es geht um Organisations- und Personalentwicklung.“ Die Mitarbeiter müssten geschult und qualifiziert werden. Außerdem erfordere der digitale Wandel Investitionen. Ein Risiko sei die Überforderung der Mitarbeiter.

Nach Daiser Meinung überwiegen aber die Vorteile. Die Warteschlangen würden sich verringern. Sich wiederholende Aufgaben könnten automatisiert werden. So bekämen die Mitarbeiter mehr Zeit für wichtige Aufgaben und könnten sich mehr den Kunden widmen. Die Digitalisierung verbessere das Image der Verwaltung. Das ist für Daiser ein wichtiger Aspekt, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Der digitale Wandel erlaubt laut Daiser flexiblere Arbeitszeitmodelle. SPD-Ratsherr Ernstfried Langer wollte wissen, ob man deshalb nicht den Anbau an das Rathaus kleiner planen könne. „Wenn Sie nicht mehr fünf Tage in der Woche an einem festen Platz arbeiten müssen, muss man weniger Arbeitsplätze vorhalten“, antwortete Daiser. Allerdings eigne sich nicht jede Stelle für ein flexibleres Arbeitszeitmodell.

Thomas Müller, Fachbereichsleiter für zentrale Dienste, im Uetzer Rathaus, berichtete von einer Behörde mit 1800 Mitarbeitern in Düsseldorf, die 20 Prozent der Schreibtische einsparen könne. Allerdings könne man das nicht eins zu eins auf Uetze übertragen.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller