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Uetze Dollberger Orgel klingt nach der Renovierung lebendiger
Umland Uetze

Uetze: Dollberger Orgel klingt nach der Renovierung lebendiger

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00:20 13.05.2019
Orgelbauer Martin Wurm probiert den Klang der renovierten Orgel aus. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Dollbergen

Wenn am Sonnabend um 18 Uhr die Konfirmanden im Gottesdienst vorgestellt werden, wird die Orgel in der Erlöserkirche so voll und klar klingen wie seit Langem nicht. Seit drei Wochen renoviert Orgelbauer Martin Wurm von der gleichnamigen Orgelbaufirma in Wilhelmshaven das Instrument aus dem Jahr 1961. Es ist die erste Generalüberholung, seit die Orgel aufgestellt wurde. 11.000 Euro stellt er der Gemeinde dafür in Rechnung.

„Ich hoffe, dass ich bis Sonnabendabend nicht nur die Kirche geräumt habe, sondern auch die Orgel wieder gespielt werden kann“, sagt Wurm. Die Generalüberholung sei aufwendiger gewesen als erwartet, deshalb habe er auch die ein oder andere Nachtschicht eingelegt. Am Freitagmorgen gleicht die Erlöserkirche allerdings noch einer Werkstatt: Auf den Kirchenbänken liegen Orgelteile und Werkzeug.

Die Janke-Orgel in der Dollberger Kirche mit ihren 378 Pfeifen weist die typischen Merkmale ihrer Bauzeit auf. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Die kleine Orgel mit fünf Registern weise die typischen Merkmale ihrer Bauzeit auf: In den Sechziger Jahren wurden laut Wurm viele neue Materialien verwendet, die jedoch längst nicht so eine lange Lebenszeit haben wie Instrumente aus anderen Jahrhunderten. Bei zahlreichen Orgeln aus den Sechzigern lohne eine Renovierung deshalb nicht. Bei der Dollberger aber schon, versichert Wurm. Die Göttinger Orgelbaufirma Janke habe eine qualitativ hochwertiges Instrument gebaut. Übrigens stamme aus ihrer Werkstatt auch die Schwüblingser Orgel. Diese sei 40 Jahre jünger und bereits wieder aus Massivholz gebaut, erzählt Wurm.

Orgelbauer Martin Wurm zeigt den Schallschutzkasten auf der Rückseite der Orgel, in dem jetzt das Schleudergebläse untergebracht ist. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Bei der Dollberger Orgel wurden hingegen auch Spannholzplatten verbaut. Für die Stabilität sorgen Eisenträger. Wurm hat alle 378 Pfeifen ausgebaut und die Windlade, in der diese in Reih und Glied stehen, zerlegt und mit neuen Platten rekonstruiert. Zudem hat der Orgelbauer das elektrische Schleudergebläse – es versorgt die Pfeifen mit Luft – in einen Schallschutzkasten mit Dämmung gesetzt. Dadurch ist das typische Brummen des Gebläses kaum noch zu hören. Zuvor stand das Gebläse auf dem Fußboden der Kirche, sodass das Brummen störend war.

In der Dollberger Kirche gibt es laut Wurm zudem ein großes Schimmelproblem. Weil die Heizung den Raum schnell aufheize, sei die Kondenswasserbildung sehr hoch. „Ich habe die Orgel deshalb 20 Zentimeter von der Außenwand abgerückt, damit die Temperaturunterschiede nicht mehr so hoch sind.“ Teile der Mechanik und die wenigen Holzpfeifen waren mit Schimmel überzogen. „Ich habe alles entfernt, zunächst mit dem Staubsauger und entsprechender Schutzausrüstung, dann alles mit einer Mischung aus 70 Prozent Alkohol und 30 Prozent Wasser abgewaschen“, zählt Wurm auf. Diese Mischung habe die stärkste fungizide Wirkung ohne negative gesundheitliche Auswirkungen auf die Menschen.

„Alle Orgelbauer müssen sich mit der Schimmelproblematik befassen. Das liegt daran, dass die Gotteshäuser nicht mehr so intensiv gepflegt werden“, berichtet Wurm. Früher sei der Küster fast täglich gekommen und habe bei Bedarf die Kirche gelüftet.

Viel Zeit hat Wurm nach eigenen Angaben darauf verwandt die Traktur – das ist die Verbindung von den Tasten zu den Pfeifen – umzubauen. Denn für den Organisten sei es ganz wichtig, beim Berühren der Tasten zu spüren, wann das Tonventil sich öffnet. Das war zuvor nicht möglich gewesen. „Jetzt kann man mit der Orgel wieder artikulieren. Das ist ganz wichtig für ein lebendiges Spiel“, betont er.

378 Pfeifen sorgen für den Klang der Orgel in der Erlöserkirche.

Von Anette Wulf-Dettmer

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