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Uetze Massenschlägerei: Im Prozess will sich keiner erinnern
Umland Uetze

Uetze: Im Massenschlägerei-Prozess will sich keiner erinnern

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13:18 12.07.2019
Zähe Verhandlung: Der Prozess nach der Massenschlägerei bei einem Fußballturnier in Uetze im Januar 2018 krankt an Erinnerungslücken der Beteiligten. Quelle: Joachim Dege
Uetze/Burgdorf

Strafrichterin Stephanie Lumm hat einen schweren Stand. Annähernd 40 Zeugen hat die Juristin an den ersten drei Verhandlungstagen in dem Prozess um eine Massenschlägerei bei einem Fußballturnier bereits vorgeladen und als Zeugen vernommen. Und immer noch gibt es kein Urteil. Stattdessen vertagte sich das Gericht auf den 9. Juli.

Zur Erinnerung: Am 7. Januar vergangenen Jahres richtete der SV Uetze 08 in der Sporthalle des Schulzentrums an der Marktstraße ein Fußballturnier aus, bei dem Spieler und Zuschauer über die Maßen Alkohol tranken. Schließlich kam es nach Pöbeleien und Handgreiflichkeiten zu einem Tumult. Zwei Fußballer des Gastgebers sollen am Rande der unübersichtlichen Gemengelage zwei Sportler aus Bröckel krankenhausreif geschlagen haben. Die mutmaßlichen Schläger sitzen nun auf der Anklagebank, wo sie sich ausschweigen.

Prügelopfer treten als Nebenkläger auf

Ein Aufmarsch von 40 Zeugen an den ersten drei Verhandlungstagen brachte nur bedingt Licht ins Dunkel. Immer wieder beriefen sich Zeugen auf ihren Alkoholkonsum an jenem Tag, der ihnen die Sinne vernebelt habe. Oder sie konnten sich aus anderen Gründen nicht erinnern, was genau den Tumult auslöste, wer dabei welche Rolle spielte und vor allem, wer den beiden Prügelopfern aus Bröckel und Flettmar, die im Prozess als Nebenkläger auftreten, die schweren Verletzungen beibrachte. Der eine musste so viele Faustschläge gegen seinen Kopf einstecken, bis er blutend und bewusstlos hinter einer Mauer liegen blieb. Der andere ging zu Boden, nachdem jemand seinen Kopf gegen die Wand des Gymnasiums geklatscht hatte. Dabei erlitt er potenziell lebensbedrohliche Verletzungen.

Die Ermittlungen der Polizei waren alles andere als ein Zuckerschlecken. Sämtliche Zeugen hätten entweder nichts gesehen oder schwammige Angaben gemacht, sagte die Leiterin der Polizeistation in Uetze. Ihre Arbeit verglich sie im Zeugenstand mit einem „Schneeballsystem“. Sie habe einfach einen möglichen Zeugen nach dem anderen verhört, sich von einem Namen zum nächsten weitergearbeitet. Dabei sei sie zunächst von einem Täter ausgegangen. Zumal ein zunächst in Verdacht geratener Uetzer Spieler mit seiner Beobachtung auf der Toilette der Sporthalle einen Schläger belastete. Er berichtete der Polizei, dass dieser sich auf dem Klo die verletzte Schlaghand abgewaschen habe.

Kopf gegen die Schulwand geklatscht

Neben dem Tatverdächtigen sitzt inzwischen auch der Belastungszeuge selbst auf der Anklagebank. Nach Wochen nämlich meldete sich ein weiterer Zeuge bei der Polizei, der gesehen haben wollte, wie der Uetzer Spieler den Kopf des sturztrunkenen Fußballers aus Flettmar in seine Hände genommen und gegen die Schulwand geklatscht haben soll. Das schilderte er gegenüber der Polizei in allen Einzelheiten. Im Prozess allerdings machte er einen Rückzieher. Er will sich partout nicht mehr erinnern, dass es so war, wie er der Polizei berichtet hatte. Dabei soll er kurz vor Prozessbeginn einem Kumpel in Bröckel gesagt haben, dass er sehr wohl alles ganz genau gesehen habe und so auch aussagen werde. Was ihn daran nun hindert, gibt dem Gericht Rätsel auf. Weshalb Richterin Lumm den Mann eindringlich über die strafrechtlichen Folgen einer uneidlichen Falschaussage aufklärte.

Der Anwalt der Nebenklage stellte deshalb den Antrag, das Polizeiprotokoll als Urkunde zu verlesen. Der Verteidiger des mutmaßlichen Faustschlägers beantragte die Vernehmung eines weiteren Zeugen, der seinen Mandanten angeblich entlasten könnte. Die Richterin will über beide Beweisanträge bis zum Dienstag, 9. Juli, befinden. Dann will sie den Prozess um 10 Uhr fortsetzen und womöglich am gleichen Tag noch ein Urteil sprechen.

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Von Joachim Dege

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