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Uetze Laientheater „Um Gottes Willen“ sorgt für Lachanfälle
Umland Uetze

Uetze: Laientheater „Um Gottes Willen“ sorgt für Lachanfälle

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17:58 14.07.2019
Das Schützenfest hinterlässt Spuren: Manfred (Burghard Homann, Mitte) und seine Frau Lisbeth (Antje Dombrowski) sorgen dafür, dass ihr Mieter Herbert (Martin Wöhler) sicher nach Hause kommt. Quelle: Sandra Köhler
Obershagen

 Eine echte Liebeserklärung ist es geworden, das Stück „Ein Dorf sieht klar“, mit dem die kirchliche Laienspielgruppe „Um Gottes Willen“ am Wochenende auf dem Milchhof Osterwiese in Obershagen eine Uraufführung feierte. Eine Liebeserklärung an die Heimat, die ländliche Gegend der Region Hannover, die Uetzer Ortsteile. Skurril, herb-süß und unheimlich direkt – aber dabei herzlich, liebevoll und aufmerksam.

Ein Theaterbesuch in der Landeshauptstadt? Ab in den feinen Zwirn und dann mit dem Auto oder Taxi oder ganz umweltbewusst mit den Öffis ins Schauspielhaus. Jacke an der Garderobe abgeben, sich mit Sekt oder alkoholfreiem Getränk versorgen, den Platz einnehmen und der Dinge harren, die da kommen. In Obershagen läuft ein Theaterabend anders ab.

Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis

Da sind bereits Anfahrt und Örtlichkeit ein Erlebnis. Per Navi geht es über Wirtschaftswege an Mais- und Getreidefeldern vorbei zum Milchhof Osterwiese. Ah, auf einem großen Strohballen ist das Parkplatzsymbol aufgebracht. Linksrum geht es. Da stehen schon viele Autos. Zwischen Silagehaufen und Traktor ist noch Platz. Auf dem Weg zur Scheune, die sich für das Wochenende in einen Theatersaal verwandelt hat, heißt es aufpassen. Pfützen und Reste von Kuhfladen zeigen, was hier ansonsten das Tagesgeschäft bestimmt – die Milchkühe des landwirtschaftlichen Betriebs. Auf dem Hof vor der Scheune geht es schon hoch her. Viele kennen sich, begrüßen sich mit Handschlag oder Umarmung. Es wird gelacht.

Rustikaler und authentischer Charme

Fürs Catering sorgen die Mitglieder der Laienspielgruppe selbst. Es gibt Deftiges: Würstchen, Pfefferbeißer, Chips, dazu Getränke. Die Zuschauerplätze vor der Bühne sind nicht reserviert. Wer zuerst da ist, ergattert glücklich einen der vorderen Klappstühle. Viele Besucher sind Wiederholungstäter. Sie wissen, dass es frisch werden kann, und haben sich entsprechend ausstaffiert. Mit Jacken oder mehreren Schichten Unterkleidung – je nach persönlicher Wohlfühltemperatur. An den Wänden der auf Hochglanz geschrubbten Scheune hängen als rustikale Dekoration Wagenräder.

Kurz vor Beginn der Premierenvorstellung treffen die Mimen hinter der Bühne letzte Absprachen. Ob sie gut vorbereitet sind? „Nö, wir arbeiten an unserem Improvisationstalent“, schallt prompt und gut gelaunt die Antwort herüber. Die Schauspieler haben Spaß am gemeinsamen Tun. Die lockere Stimmung überträgt sich sofort auf die Besucher. Und der Hofhund, der völlig unbeeindruckt vom abendlichen Ausnahmezustand in seinem Revier durch den professionell improvisierten dörflichen Musentempel stromert, tut seinen Teil dazu.

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Autorinnen widmen ihr Stück Berta-Maria Dohrmann

Das Stück. Mit ihrem ersten selbst verfassten Schwank in drei Akten erweisen Antje Dombrowski und Katharina Tacke der Gründerin der Laienspielgruppe die Ehre. Denn die bereits verstorbene Pastorin Berta-Maria Dohrmann hatte immer ein eigenes Stück schreiben wollen für ihre Schauspieler. Sicher hätte sie ihre Freude an „Ein Dorf sieht klar“. Denn viele Anekdoten aus dem dörflichen Leben finden sich wieder in dem mehr als zweistündigen Stück rund um das Hänigser Schützenfest. Zur Freude der Zuschauer, die angesichts der plastischen Darstellung Tränen lachen.

In einer Szene laborieren zwei Charaktere mit anscheinend plötzlich nicht mehr passenden Schuhen. Bis sich herausstellt, dass sie sie irgendwann im Laufe eines langen Schützenfestabends schlichtweg vertauscht haben. Als Mime und Osterwiesenchef Burghard Homann dem Obershagener Ortsbrandmeister Dirk Söhring ins Gesicht schaut, kann der sich kaum noch halten vor Lachen. „Mein Sohn hatte die Schuhe mit dem Ortsbrandmeister vertauscht“, erklärt Homann amüsiert: „Dabei hatte der sich extra noch neue Schuhe für das Schützenfest gekauft!“

Crash-Kurs über Bräuche und Abgründe eines Schützenfests

Schützenfest bedeutet Ausnahmezustand, das wird in dem Stück, das auf dem fiktiven Reiterhof von Lisbeth und Manfred spielt, schnell klar. Da gehen die Uhren anders, da wird der Reitunterricht für ein Wochenende zur Nebensache. Bier und Korn fließen in Strömen. Eierbraten in der Nacht nach dem Kommers, Sonnenbrillen, die die Müdigkeit verstecken, eifersüchtige Ehefrauen, wachsame Scheibenkieker und frisch verliebte Pärchen – die zugezogene Klara erhält wie die Zuschauer in einem Crashkurs augenzwinkernd Einblick in die Bräuche und Abgründe eines ländlichen Schützenfests.

Fahrräder, die nicht abgeschlossen sind, gehören dem Dorf“, resümiert Detlef (Lukas Graetsch). Und Manfred (Burghard Homann) weiß: „Trinken ohne Trinkspruch ist Saufen. Trinken mit Trinkspruch ist Kultur.“ Am Ende sind alle zufrieden: die Schauspieler und das Publikum. Kleinere Pannen wie eine Rückkopplung – „Ich hab so’n Pfeifen im Ohr“, verdrehte Namen – „Horst, ich bin ja der Herbert“ – und ein verspätet zündender Knalleffekt wurden spontan und sympathisch ins Stück integriert. Quintessenz des Abends: Theater auf dem Dorf ist etwas ganz Besonderes. Und definitiv erlebenswert.

Seit 2006 besteht die Laienspielgruppe „Um Gottes Willen“. Im ersten selbst geschriebenen Stück haben die Autorinnen viel Lokalkolorit und wahre Begebenheiten verarbeitet.

Von Sandra Köhler

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