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Uetze Wer hatte 1845 im Dorf das Sagen? Eine alte Karte gibt Antwort
Umland Uetze

Uetze: Wer hatte 1845 im Dorf das Sagen? Eine alte Karte gibt Antwort

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16:00 22.08.2019
Wolfgang Braatz, Archivar des Heimatbunds, wirft einen Blick auf dem Ortsplan von 1845. Auf dem Plan sind die Häuser, die 1863 abgebrannt sind, rot markiert. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Uetze/Wackerwinkel

Zeitreise in die Vergangenheit: Ein alter Ortsplan gibt Auskunft darüber, wie Uetze im Jahr 1845 ausgesehen hat. Der Heimatbund stellt die historische Karte jetzt im Zweiständerhaus in Wackerwinkel aus. Den Plan hatte der gestorbene Heimatforscher Ernst Hübke ursprünglich für die 1995 erschienene Chronik der Realgemeinde Uetze gezeichnet. Der Heimatbund hat Hübkes Zeichnung nun leicht modifiziert: Er hat die Häuser, die beim großen Brand 1863 zerstört wurden, rot markiert.

Das Dorf war eine Arbeitsgemeinschaft

1845 reichte das Dorf von der Nordmannstraße im Süden bis zur Runden Straße im Norden, von der Talstraße im Westen bis zum Ende der Schünebuschstraße im Osten. Außerhalb des alten Ortskerns standen noch Häuser jenseits der Fuhse im Bereich Gifhorner, Celler und Dammstraße. Der Plan verdeutlicht, dass das Dorf damals eine Arbeitsgemeinschaft war. Eine gemeinschaftliche Waschstelle befand sich am Ufer der Fuhse an der Schünebuschstraße. Gleich zwei Backhäuser gab es: eines an der Runden Straße, das zweite an der Schünebuschstraße. Die Viehtränke an der Celler Straße war ebenfalls eine Gemeinschaftseinrichtung.

Alle Häuser im Dorf waren nummeriert

Der Junkernhof ist das Herrenhaus des Uetzer Gutes gewesen. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Hübkes Zeichnung gibt auch Auskunft über die Sozialhierarchie des Dorfes, an deren Spitze die Familie von Lüneburg stand. Ihr gehörte der Junkernhof, das Uetzer Gut. Hübke hat die einzelnen Häuser auf seinem Plan mit der Nummerierung des Brand- und Steuerkatasters des Amtes Meinersen gekennzeichnet. Diese Kennzeichnung besteht aus einer Zahl und einem Buchstaben – H, K, B oder A. „Der Buchstabe steht für die Bezeichnung der Hofbesitzer. H für Halbhöfner, K für Kötner, B für Brinksitzer und A für An- oder Abbauer“, sagt Wolfgang Braatz, Archivar des Heimatbunds. Die Zahlen geben die Reihenfolge an, in der die Bauern früher ihre Frondienste für die Obrigkeit ableisten mussten.

Landesherr verbot Aufteilung der Bauernhöfe

Laut Hübke mussten die Halbhöfner mit zwei Pferden Arbeiten für die Obrigkeit verrichten. Die Halbhöfe seien bei der Aufteilung eines Vollhofes unter zwei Söhnen entstanden. Ab etwa 1650 habe der Landesherr eine solche Aufteilung verboten, um eine Zersplitterung der Höfe zu verhindern. „Auch in Uetze gab es zunächst Vollhöfe, aber bereits um 1600 werden in den Akten des ehemaligen Amtes Meinersen nur noch Halbhöfner genannt“, schreibt Hübke. Zu einem Vollhof gehörte eine Hufe Land. Hufe ist ein regional unterschiedlich großes Flächenmaß, das unter anderem von der Bodengüte abhing. Eine Hufe Land sicherte einer Bauernfamilie in der Regel ein Auskommen.

Kötner hatten nur ein oder zwei Pferde

„Kötner waren die Inhaber einer sogenannten Kotstelle“, erläutert Hübke. Sie hätten weniger Land als die Halbhöfner gehabt. „Sie hatten als Spannvieh ein oder zwei Pferde, dazu Ochsen oder auch nur Kühe. Sie dienten mit der Hand, also mit Schaufel, Forke, Sense, Axt und so weiter“, schreibt Hübke.

Nach seinen Angaben richtete der Celler Herzog Christian in Uetze um 1620 die ersten Brinksitzerstellen ein. Sie entstanden außerhalb des alten Dorfkerns südlich der Mühlenstraße und jenseits der Fuhse im Bereich Gifhorner, Celler und Dammstraße. Weil die Brinksitzer nur wenig Land erhielten, waren sie oft nebenbei auch Handwerker wie Schmied, Tischler und Böttcher. Handwerkliche Tätigkeiten mussten sie auch auf dem Uetzer Gut verrichten.

Abbauern besaßen kein Land

Laut dem Internetlexikon Wikipedia gab es seit etwa 1830 An- und Abbauern in den Dörfern. Sie besaßen lediglich ein Haus mit Grundstück, aber keine landwirtschaftlichen Nutzflächen. Sie siedelten in Uetze am damaligen Ortsrand, zum Beispiel an der heutigen Nordmann-, der Schünebusch- und der Talstraße. Aufgrund ihres geringen Besitzes rangierten die meisten von ihnen am unteren Ende der dörflichen Sozialstruktur. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt zum Beispiel als Landarbeiter, Händler und Handwerker.

Im Zweiständerhaus in Wackerwinkel wird nicht nur der alte Ortsplan ausgestellt, sondern es gibt auch Fotos alter Hofstellen. Die kleine Dokumentation kann im Sommerhalbjahr donnerstags von 15 bis 17 Uhr angeschaut werden.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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