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Wedemark Blitzer-Attrappe an der L190: Polizei ermittelt wegen Amtsanmaßung
Umland Wedemark

Ärger über Lärm in der Wedemark: Mann stellt Blitzer-Attrappe an L190 in Mellendorf auf

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17:47 22.11.2019
Ein Mellendorfer hat eine Mülltonne zur Blitzer-Attrappe umfunktioniert und diese an der Landesstraße 190 aufgestellt. Quelle: Polizei Wedemark
Mellendorf

Rote und schwarze Folie sowie ein reflektierender Blechstreifen: Ein Mellendorfer hat eine Mülltonne zu einer Blitzer-Attrappe umfunktioniert. Das für Autofahrer einem Tempomessgerät ähnelnde Unikat stellte er an die Landesstraße 190 in Mellendorf, weil er sich über den Lärm der Fahrzeuge dort geärgert hatte.

Bei einer Streifenfahrt durch den Ort fiel Polizisten die Attrappe auf, die am Ortseingang Mellendorf aus Richtung Süden kommend neben der Fahrbahn stand. Die Beamten hielten am Mittwoch gegen 16.35 Uhr vor Ort an, um sich die Mülltonne genauer anzuschauen. Dies beobachtete der 41-Jährige, der in der Nähe wohnt. Er ging zu den Beamten und fragte nach Auskunft von Philip Wehr, stellvertretender Leiter des Wedemärker Kriminal- und Ermittlungsdienstes, was sie an seiner Mülltonne machten. Er räumte gegenüber den Einsatzkräften ein, dass er die Attrappe gebastelt hatte.

Im Internet warnen Bürger vor echtem Blitzer

Die dekorierte Tonne hatte nach Wehrs Angaben zu diesem Zeitpunkt bereits in den sozialen Netzwerken für Aufsehen gesorgt. Dort warnten Bürger vor der vermeintlichen Geschwindigkeitsmessung auf der Kaltenweider Straße. Im Beisein der Beamten begann der 41-Jährige, die Aufkleber von der Tonne zu entfernen und das Blech abzumontieren. Beschlagnahmt hätten seine Kollegen den Behälter nicht, berichtet Wehr. Der Beschuldigte könne die Tonne ja weiterhin nutzen. Doch die Blitzer-Attrappe habe den Verkehrsteilnehmern suggeriert, dass das Tempo gemessen wird. Zudem habe die Tonne in der Dunkelheit reflektiert.

Polizei leitet Verfahren wegen Amtsanmaßung ein

Deshalb leiteten die Beamten ein Strafverfahren wegen Amtsanmaßung gegen den Mann ein. Es besteht ein Anfangsverdacht. Denn nach Einschätzung der Polizisten beeinträchtigte die Tonne den Verkehr. Der Wedemärker habe zudem eine Handlung begangen, „welche nur Kraft eines öffentlichen Amtes vorgenommen werden darf“, heißt es in dem Paragrafen 132 im Strafgesetzbuch, auf den sich die Polizei beruft. „Die Messung der Geschwindigkeit gehört zu einer solchen Handlung“, und der Beschuldigte gehöre nicht zu dem Personenkreis, die so etwas machen dürften. „Er täuschte den Verkehrsteilnehmern glaubhaft vor, dass deren gefahrene Geschwindigkeit gemessen wird“, berichtet Wehr. Er verweist zudem auf ein Urteil aus Köln zu einer Blitzerattrappe, bei dem eine Amtsrichterin feststellte, dass das Verhalten strafbar sei. Amtsanmaßung kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden.

Der falsche Blitzer an der L381 steht wieder - und mahnt Autofahrer, sich an Tempo 50 zu halten. Quelle: Frank Walter (Archiv)

Polizei: Fake-Blitzer in Isernhagen H.B. ist nicht illegal

Damit haben die Wedemärker Polizisten die Lage anders bewertet, als die Kollegen in Isernhagen. Dort steht seit Dezember 2018 ein Fake-Blitze an der Ortsdurchfahrt von Isernhagen H.B. an der Burgwedeler Straße – aufgestellt von der Bürgerinitiative Aktion L 381. Deren Mitglieder kämpfen gegen die Verkehrsbelastung auf der Landesstraße. Auch diese Säule ähnelt stark den echten Blitzern. Im Unterschied zum Fall in der Wedemark steht die Attrappe auf einem Privatgrundstück. Die Polizei hatte die Sachlage vor Ort geprüft und festgestellt, dass diese Attrappe nicht verboten ist. Es könnte jedoch Konsequenzen geben, wenn infolge einer Vollbremsung durch die Fälschung ein Auffahrunfall passiere. Allerdings verärgert das graue Modell manchen Autofahrer so sehr, dass Unbekannte ihn bereits mehrfach umgeworfen haben.

Polizei beschlagnahmte weitere Fake-Blitzer an der L190

An der Landesstraße 190 ist es bereits die zweite Blitzer-Attrappe, die die Polizei entdeckt hat, sagt Wehr auf Nachfrage. Bereits am 14. September hatten Beamte um 13.45 Uhr ein Fake-Gerät bemerkt – ebenfalls am Ortseingang Mellendorf aus Richtung Süden kommend. Damals handelte es sich um einen lackierten Kasten, der auf einem Metallpfosten montiert war. Die Attrappe stand ebenfalls neben der Fahrbahn und hatte „erhebliche Ähnlichkeit zu offiziellen und stationären Anlagen“, berichtet Wehr. Die Polizei stellte das Fake-Gerät sicher. Der Bastler ist bisher unbekannt.

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