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Wedemark Ausprobiert: Beim Blasrohrschießen ist Puste statt Patrone gefragt
Umland Wedemark

Ausprobiert in der Wedemark: Beim Blasrohrschießen ist Puste statt Patronen gefragt

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17:27 20.09.2019
HAZ-Mitarbeiterin Patricia Chadde testet ihre Zielgenauigkeit auf dem Negenborner Schießstand beim Blasrohrschießen. Quelle: privat
Negenborn

Ich bin an der Reihe. Blasrohr greifen, Pfeil einführen, Mundstück an die Lippen setzen, Zielscheibe anvisieren, pusten und – nichts. „Ah, dann steckt der Pfeil nicht richtig drin“, erklärt Anleiterin Sabine Horstmann und drückt noch mal beherzt aufs Plastikende. Noch mal vor vorn. Ich spitze die Lippen, puste leicht und – zack - saust der Pfeil durch die Luft und landet auf dem Papierbogen der Zielscheibe.

Ich bin beim Schützentag in Negenborn am Blasrohrstand und ziele auf eine Papierscheibe. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind alle eingeladen, um ihr Talent zu erkunden – und ich mache mit. Einfach bei Andreas Stieber, dem Vereinsvorsitzenden der Negenborner Schützen, einen Zettel ausfüllen und los geht es.

Die Pfeile werden ausgewählt. Zur besseren Unterscheidung haben die Pfeilenden unterschiedliche Farben. Quelle: Patricia Chadde

Blasrohr-Schießstand ist im Obergeschoss des Schützenhauses

Das Blasrohr kannte ich bisher nur aus Fernsehsendungen. Mal pirscht ein Mensch im Lendenschurz durch den Regenwald, setzte sein Blasrohr an die Lippen und „ssst“, plumpst ein bunter Vogel aus dem Baum und kann über offenem Feuer gegart werden. In Tierdokumentationen hält sich dagegen ein Tierarzt das Blasrohr an die Lippen, um wild gewordene Elefanten oder andere große Säugetiere in Narkose zu versetzen.

Die fünfjährige Hannah war flink und steht bereits am Schießstand. Der befindet sich Obergeschoss des Schützenhauses, wo er optimal vor Regen und Wind geschützt ist. Sabine Horstmann, sie kommt vom Abbenser Schützenverein, leitet die Interessierten an und achtet auf Sicherheit. Denn die Pfeilspitzen sind so spitz wie eine Spritze.

Man sucht sich im Schützenhaus Negenborn die Zielscheibe in der passenden Distanz aus. Quelle: Patricia Chadde

Beim Blasrohrschießen ist Konzentration gefragt

Dann wählen die ersten vier Teilnehmer ein passendes Blasrohr, dessen Mundstück sorgfältig desinfiziert wird. Sechs Pfeile schiebt mir Horstmann zu. In meiner Vorstellung waren sie zwar vorne spitz, aber am Ende mit Federn bestückt. In Negenborn klemmt dagegen ein farbiges Plastikstück am Pfeilende. Der siebenjährige Henri ist vor mir an der Reihe und zeigt, wie man den Pfeil ins Blasrohr steckt, bis er mit einem leisen Plopp in Position ist. „Ich staune über mein Kind“, sagt seine Mutter. Denn bei diesem Sport ist Konzentration gefragt und die bringt ihr Sohn beim Blasrohr schießen über lange Zeit auf. Mit ruhiger Hand muss das Rohr auf die Zielscheibe gerichtet werden, die fünf bis fünfzehn Meter entfernt auf einer Staffelei steht. Wer beim Zielen nicht rumhampelt, steigert seine Chancen auf den exakten Treffer.

Waffenschein ist nicht erforderlich

Was attraktiv ist: Das Blasrohr unterliegt nicht dem Waffenrecht. Jeder kann sich das Sportgerät für rund 50 Euro besorgen und damit auch zu Hause üben. Doch die Negenborner Schützen haben einige Blasrohre angeschafft, sodass Neugierige erst mal in Ruhe rumprobieren können. „Ärzte empfehlen das Blasrohrschießen“, sagt Stieber. „Wer hohen Blutdruck oder Asthma hat, kann mit dem regelmäßigen Training positiven Einfluss auf seine Gesundheit nehmen“, so der Vorsitzende.

Positive Worte von den Organisatoren

Henri hat seine Pfeile verschossen. Jetzt bin ich an der Reihe. So einfach habe ich mir den Pfeiltransport gar nicht vorgestellt. Seine Position ist vier, fünf Zentimeter zu weit unten und zwei, drei Zentimeter zu weit links. Nächster Anlauf: ähnliche Höhe, aber zentrierter. Sechs Pfeile bewegt mein Atem Richtung Zielscheibe, zwei Pfeile landen im blauen Feld. Horstmann findet, dass das ein guter Anfang ist. Und ich freue mich, dass ich so viel Puste habe. Auch der Vorsitzende der Schützen findet nach dem Wettbewerb positive Worte für mich. „Für den ersten Versuch auf eine Distanz von sieben Metern schon mal gut.“ Er attestiert mir jedoch einen Armhaltungsfehler. Das Zielen sei für Anfänger häufig nicht leicht, weil „man mit beiden Augen in einer leichten Diagonalen über das Rohr schauen sollte“. Darin unterscheide sich das Schießen mit dem Blasrohr vom Zielen mit einem Gewehr.

Zwei Pfeile landen im blauen Bereich. Drei weitere liegen dicht beieinander und Sabine Horstmann ist mit der Blasrohrpremiere zufrieden. Quelle: Patricia Chadde

Das lautlose Blasrohrschießen fand ich interessant, aber Kleinkalibergewehr und Großkaliberpistole interessieren mich mehr. Wie praktisch, dass Negenborns Schützen am 26. September ein Schnuppertraining anbieten werden. Ich bin wieder dabei – zwei Bekannte wollen auch mitkommen.

Frauen können sich im Schießsport ausprobieren

Der Schützenverein Negenborn von 1918 lädt Frauen ab 40 Jahren für Donnerstag, 26. September, von 17 bis 19 Uhr ein, sich im Schießsport auszuprobieren. Unter Anleitung erfahrener Schützen und dem Schießsportleiter wird mit dem Kleinkalibergewehr sowie der Großkaliberpistole trainiert. „Vorkenntnisse sind nicht erforderlich“, sagt der Vorsitzende Andreas Stieber. Das Schnuppertraining gibt es an der Schießstätte Am Hühnerberg/Hannoversche Straße in der Wedemark. Ausrichter ist der Schützenverein Negenborn, der auch sämtliche Waffen zur Verfügung stellt. Mit Jacke oder Pullover und festem Schuhwerk ist jede Teilnehmerin passend ausgestattet.

Schießsportleiter Arnd Gerberding hat noch andere Zielgeräte in petto. Die elektronische Dartanlage testen die Vereinsmitglieder gerade intern. An der Lichtpunktanlage wird an jedem zweiten und vierten Dienstag im Monat trainiert. Luftgewehr und Luftpistole stehen ebenfalls zum Training bereit. Am Schießstand im Wald kann man außerdem mit Klein- und Großkaliber bis 800 Joule an jedem zweiten Donnerstag und am ersten Sonnabend eines Monats trainieren: Blasrohr, Dart und dann das Schusswaffentraining, bei dem Patronen durch explodierendes Schießpulver transportiert werden.

Lea Harting siegt im Blasrohrschießen

Die drei Schützenvereine Negenborn, Abbensen und Brelingen haben beim gemeinsame Schützentag ihre Sieger im Blasrohrschießen ermittelt. Zum ersten Mal wurde mit Lea Harting aus Brelingen eine Bürgerkönigin per Blasrohr ermittelt. Platz zwei sicherte sich der Schützenvereinsehrenvorsitzende Dirk Meyer aus Negenborn. Sabine Horstmann aus Abbensen wurde Dritte. Bester Schütze des Schützenvereins Negenborn war Arnd Gerberding.

Für die Wertung im Blasrohrschießen gab es verschiedene Altersklassen: Bei den Schülern siegte Jonathan Biester. Henri Scharlmann landete auf dem zweiten Platz und Tim Eggener wurde Dritter. Bei den Jugendlichen setzte sich Maurice Horstmann vor Joost Stumpf durch. Den dritten Platz sicherte sich Thor Scharlmann. Alle Schüler und Jugendlichen auf den ersten drei Plätzen kommen aus Negenborn.

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Von Patricia Chadde

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