Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wedemark Ausprobiert: So werden Heidelbeeren von den Büschen gepflückt
Umland Wedemark

Ausprobiert in der Wedemark: So werden Heidelbeeren von den Büschen gepflückt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:39 10.08.2019
Ausprobiert: HAZ-Redakteurin Julia Gödde-Polley pflückt auf einer Plantage in der Wedemark Heidelbeeren. Quelle: Gerhard Decker
Negenborn

 „Auf die Beeren, fertig, los!“, sagt Gerhard Decker. Ich stehe mit einem gelben Regenparka in XXL-Größe und Gummistiefeln bekleidet vor einem Heidelbeerbusch. Um meine Hüfte habe ich einen blauen Plastikeimer gebunden. Ich bin bereit, auch wenn der Regen immer stärker wird.

Mit der linken Hand hebe ich einen Ast an. Viele kleine, dunkelblaue Früchte kommen zum Vorschein. Mit meinem rechten Daumen und dem Zeigefinger nehme ich eine Beere und ziehe sanft. Schon habe ich die Frucht in der Hand und lasse sie in den Eimer fallen. Zuvor hat mich Decker, Seniorchef der Plantage Decker und Hahnel, kurz in die Pflücktechnik eingeführt. Die Devise lautet: Je dunkler die Beeren sind, desto besser.

Also halte ich nach den dunkelblauen Früchten Ausschau. Auf der Plantage zwischen Resse und Negenborn arbeite ich mich an diesem Vormittag Beere für Beere voran. Die zwei Büsche, die ich abpflücke, scheinen unendlich viele Früchte zu haben. Gefühlt werden die Beeren nicht weniger, obwohl mein Gefäß in Hüfthöhe langsam voller wird. Fürs Ernten muss ich mich teilweise bücken oder in die Hocke gehen, weil die Äste nur wenige Zentimeter über dem Boden hängen.

Die Büsche hängen voll mit Heidelbeeren. Doch wie pflückt man die Früchte richtig? HAZ-Redakteurin Julia Gödde-Polley probiert es aus und erntet mehrere Kilogramm.

Vorbereitung ist alles

Es ist für mich eine Premiere. Bisher hatte ich die Beeren immer nur im Supermarkt oder an einem Marktstand gekauft. Erfahrungen im Pflücken von Johannisbeeren habe ich bereits einige – und schnell merke ich, dass es Parallelen gibt. Auf meine Arbeit auf der Plantage hatte ich mich vorbereitet. Nicht nur weiße Einweghandschuhe und Gummistiefel habe ich im Gepäck. Nach dem Rat des Kollegen zog ich lange Kleidung an und sprühte mich mit einem Mittel gegen Insekten und Zecken ein. Sicher ist sicher. Auch Ersatzkleidung wartet im Auto auf mich. Man weiß ja nie. Die Handschuhe brauche ich allerdings nicht – die Beeren färben nicht so, wie ich es befürchtet hatte.

Die Früchte sehen verführerisch lecker aus. Ob ich theoretisch eine probieren darf, frage ich den Seniorchef der Plantage, während ich weiter die einzelnen Beeren ernte. „Nicht nur theoretisch“, sagt der 67-jährige. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Schon wandert eine Beere statt in den Sammeleimer in meinen Mund. Fruchtig und sehr aromatisch sind die Früchte. Ich bin sofort auf den Geschmack gekommen und nasche weitere Beeren. Zum Vergleich probiere ich eine noch hellrote, unreife Frucht. Diese ist saurer und ich steige lieber wieder auf die Farbe Dunkelblau um.

Eimer wird immer schwerer

Doch auch mein Eimer füllt sich weiter und wird immer schwerer. Mehrmals muss ich das Gefäß neu um meine Hüfte festbinden, weil sich das Seil durch das Gewicht löst. Auch mein linker Arm wird schwer durch das Halten der Äste. Durch den Regen bleiben immer wieder Blätter und Dreck an meinen Händen kleben. Inzwischen sind meine Klamotten klamm und teilweise feucht. Nur die Füße in den Gummistiefeln sind noch trocken. Während ich mich quasi im Busch befinde tropft das Wasser von den Blättern auf meinen Körpern. Aber das Pflücken inmitten der Natur macht Spaß – nur Bienen, Wespen und Vogelgezwitscher sind zwischenzeitlich zu hören. Als die Sonne irgendwann wieder ihren Weg durch die Wolken findet, gerate ich richtig ins Schwitzen.

Was für den einen ein Vergnügen ist, erledigt andernorts eine große Erntemaschine. Diese fährt zwischen den Pflanzreihen durch und klopft die Beeren von den Zweigen ab. Gleichwohl überwiegt im Land noch die Ernte mit der Hand.

Genug Heidelbeeren als Vorrat?

Als mein Eimer zu etwa drei Vierteln gefüllt ist, beschließe ich, dass mein Heidelbeervorrat erst mal ausreicht. Jetzt bin ich gespannt, wie viele Beeren ich bei der Premiere gepflückt habe. Gerhard Decker wiegt den Eimer. Die Waage zeigt 2,645 Kilogramm an. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und auch der Fachmann bescheinigt mir gute Arbeit. Leckere Heidelbeeren habe ich jetzt genug – fragt sich nur, wie lange der Vorrat reicht.

Info: In der Wedemark gibt es zwei Plantagen, auf denen Selbstpflücker Heidelbeeren ernten können. Die Heidelbeerplantage Decker und Hahnel befindet sich an der Straße An der Düpe 2a zwischen den Orten Resse und Negenborn. Die Plantage hat während der Saison mittwochs von 8 bis 20 Uhr, sonnabends von 7 bis 17 Uhr und sonntags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Selbstpflücker können bei jedem Wetter – auch bei Regen – die Früchte ernten. Weitere Informationen erhalten Interessierte im Internet auf www.heidelbeerplantage.de. Die Heidelbeerfelder von Hof Soltau in Brelingen befinden sich am Scharreler Weg 101. Besucher können dort donnerstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr die Früchte pflücken oder bereit geerntete Blaubeeren kaufen. Im Internet auf www.hof-soltau.de gibt es weitere Informationen.

Lesen Sie auch:

Öffnungszeiten und Adressen: Das sind die Hofläden in der Wedemark

Hier kann man Heidelbeeren selber pflücken

Heidelbeeren wachsen an 12.000 Büschen

Junglandwirt setzt auf blaue Beeren

Landwirt legt neue Heidelbeerplantage an

„Wir sind gezwungen, herzlos zu werden“

Von Julia Gödde-Polley

Abbensen ist wieder im Kistenfieber: Der Dorfverschönerungsverein lädt zum sechsten Seifenkisten-Rennen im Dorf ein. Doch Teilnehmer müssen sich frühzeitig anmelden, damit das Event stattfindet.

10.08.2019

Die Gemeinde Wedemark will neue Gewerbeflächen schaffen. Dazu setzt die Verwaltung jetzt die Bürgerbeteiligung fort. In Gailhof wehrt sich eine Initiative jedoch gegen große Hallen.

09.08.2019

Wer hat den Unfall verursacht? Das kann die Polizei Wedemark noch nicht abschließend sagen. Nach Angaben einer Autofahrerin ist ein Mercedes beim Ausparken gegen ihren Skoda gefahren, während sie auf der Straße warten musste.

09.08.2019