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Wedemark Verein „Contra Industriehuhn“ formiert sich
Umland Wedemark Verein „Contra Industriehuhn“ formiert sich
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00:18 05.01.2019
Die Vereinsvorsitzende Claudia Preuß-Ueberschär (von links), ihre Stellvertreterin Christiane Hussels und Vereinsmitglied Jens Thursch kämpfen im Verein „Contra Industriehuhn Wedemark“. Quelle: Ursula Kallenbach
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Wedemark

Mit einer für alle Interessierten offenen Informationsveranstaltung tritt am Dienstag, 8. Januar, der neu gegründete Verein „Contra Industriehuhn Wedemark“ an die Öffentlichkeit. Er wird über den Stand des Verfahrens der geplanten Erweiterung des Hähnchenmaststalls in Elze berichten. Dazu will der Verein eine rechtliche Überprüfung auf den Weg bringen.

Der Verein hat sich am 12. Dezember 2018 aus einigen Mitgliedern der weiterhin bestehenden Bürgerinitiative gegründet. Zweck des Vereins ist es, Geld zu sammeln, um die demnächst zu erwartende Baugenehmigung für den Stall mit Rechtshilfe überprüfen zu lassen. Die Veranstaltung in der Gaststätte Tante Käthes Beans Country in Bennemühlen am Kaffeedamm 4 beginnt um 19 Uhr. Als Gast wird Eckehard Niemann, Diplom-Agraringenieur aus Varendorf im Kreis Uelzen, seine Erfahrungen beitragen. Er ist bekannt als Koordinator des bundesweiten Bürgerinitiativen-Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“.

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Genehmigung soll demnächst kommen

„Demnächst ist mit einer Genehmigung der Region Hannover für die Hähnchenmaststallerweiterung in Wedemark Elze zu rechnen. Bei vielen Wedemärkern regt sich Widerstand gegen diese Anlage, die dann 164.000 Mastplätze umfassen würde – eine Dimension, die es bisher in der gesamten Region Hannover nicht gibt“, schickt der Verein voraus. Die Vereinsaktiven wollten daher die Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz, die die Region aller Voraussicht nach erteilen werde, durch einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht juristisch prüfen lassen. „Das Verbandsklagerecht würde es ermöglichen, eventuell gegen die Baugenehmigung zu klagen“, stellen die Maststallgegner in Aussicht.

Bürgerinitiative und Verein vertreten seit Bekanntwerden der Pläne des Elzer Landwirts – die Region Hannover hat das Genehmigungsverfahren in einer Bekanntmachung im Januar 2018 veröffentlicht – kritische Positionen, wie sie auch von zahlreichen Einwendern im Laufe der öffentlichen Auslegung und der Anhörung am 7. Mai vergangenen Jahres bei der Region geäußert wurden. 125 Einwendungen wurden damals offiziell gezählt. Auch Leserbriefe verwiesen auf Belastungen der Umwelt und Tierschutzaspekte.

Anwohner befürchten zusätzliche Belastungen

„Schon jetzt befinden sich auf Elzer Gebiet 1.850 Mastschweineplätze, 290 Zuchtsauenplätze plus Ferkel, eine Biogasanlage und die bisherigen Hähnchenställe mit 79.000 Mastplätzen. Die schon jetzt hohe Tierdichte auf der vorhandenen landwirtschaftlichen Fläche direkt am Trinkwasserschutzgebiet Fuhrberger Feld stellt bereits eine große ökologische Belastung dar, deren Auswirkung vielfach erkennbar ist “, heißt es vom Initiator der Veranstaltung. Es sei zu befürchten, dass Geruchs- und Keimemissionen, Gefahren für das Oberflächen- und Grundwasser sowie der Lkw-Verkehr mit der erheblichen Anlagenerweiterung deutlich zunähmen.

„Auch aus Gründen des Tierschutzes lehnen manche Wedemärker die Haltung von Masthähnchen in einer derartigen industriellen Dimension ab“, weiß die Veterinärmedizinerin Claudia Preuß-Ueberschär aus Rückmeldungen bei früheren Diskussionsveranstaltungen. Während der Mast komme es aus Sicht der Vorhabengegner zu tierschutzrelevanten Zuständen.

Eine Genehmigung des Vorhabens war nach Abschluss der Anhörung bei der Region im Mai 2018 noch nicht beschlossen worden, da nach Auskunft der Region als Genehmigungsbehörde noch einige Prüfaufträge abgearbeitet werden mussten.

Gemeinde könnte Anlage verhindern

An vielen anderen Orten wehrten sich wie in Elze kritische Bürger gegen den Bau von Agrarfabriken, sagt Eckehard Niemann. Tierschutz, Bedenken vor den Umweltfolgen und Schutz für die Anwohner seien die Sorgen der Betroffenen. Im Genehmigungsverfahren sieht Niemann Gemeinde und Region verantwortlich. „Die Gemeinde kann laut Novelle des Baugesetzbuchs eine gewerbliche Tierhaltungsanlage dadurch verhindern, dass sie dafür keinen Bebauungsplan beschließt“, sagt er. Ohne Zweifel sei dazu der Futterflächen-Nachweis fehlerhaft. Auch werde eine unabhängige Überprüfung der Gutachten zeigen, dass Wald und Pflanzen unzulässig geschädigt würden, es fehle ein zureichender Brandschutz laut Landesbauordnung. „Gemeinde und Region wären im Interesse ihrer Bürger und der künftigen Entwicklung gut beraten, die Anlage nicht zu genehmigen und sich nicht erst durch Klagen dazu bewegen zu lassen.“ uc

Von Ursula Kallenbach

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