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Wedemark Keine Abschlüsse an BOS – Förderschule bittet um Hilfe
Umland Wedemark Keine Abschlüsse an BOS – Förderschule bittet um Hilfe
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00:16 01.03.2019
Die Schulelternratsvorsitzende Anja Nußbicker und Schulleiter Günter Brauer wollen den letzten BOS-Schülern ihre Chance auf den Abschluss dort geben. Quelle: Ursula Kallenbach
Mellendorf

„Auch die letzten Schüler sind es doch wert“, sagt die Schulelternratsvorsitzende der Berthold-Otto-Schule (BOS), Anja Nußbicker. Ihre Tochter besucht seit 2014 die Schule. Bei einem Elternabend haben die Eltern jetzt klar gefordert, das Auslaufen der Förderschule Lernen in Mellendorf – von der Landesschulbehörde zum Schuljahr 2020/2021 gesetzt – um genau dieses Schuljahr zu verlängern, um auch den Letzten eine Chance für einen Abschluss zu geben. Sie haben sich einstimmig dafür ausgesprochen.

16 Schüler zählt die Förderschule zurzeit. In einem Schreiben an die Landesschulverwaltung und den Fachbereich Schulen der Gemeinde Wedemark transportiert die Elternratsvorsitzende noch einmal Probleme und Lösungsvorschläge. „Am Ende des Schuljahres 2018/2019 werden voraussichtlich vier Schüler die Förderschule mit einem Förderschulabschluss verlassen. Im Schuljahr 2019/2020 wären es acht Schüler, die an der BOS diesen Förderschulabschluss erreichen könnten – aber sie können in dem weiteren Jahr keinen Hauptschulabschluss mehr anstreben. Zudem blieben am Ende des Schuljahres 2019/2020 nur mehr vier Schüler übrig, die keinen Abschluss an der BOS machen können und für nur ein Jahr eine andere Schule besuchen müssten.“ Denn sie müssten noch ihre Schulpflicht erfüllen, sagt Schulleiter Günter Brauer,

Die Bitte aus der Elternschaft deshalb: „Geben Sie auch den zwölf im letzten möglichen Schuljahr 2020/2021 verbleibenden Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit, ihren Förder- beziehungsweise Hauptschulabschluss im vertrauten Klassenverband und Umfeld an der Berthold-Otto-Schule zu erlangen“.

„Schulwechsel würde Kinder überfordern“

„Ein Schulwechsel im Abschlussjahr würde unsere Kinder in hohem Maße überfordern“, sagt Nußbicker. Die Kinder seien zu einem großen Teil „Grenzfälle“ im pädagogischen Feld. „Es fällt ihnen extrem schwer, zu lernen, sich in großen Gruppen und unbekanntem Umfeld zu konzentrieren oder überhaupt zu orientieren“, sagt sie. „Unsere Kinder haben wenig Chancen im Leben. Eine Chance, ihre Schullaufbahn so erfolgreich wie überhaupt möglich zu beenden, bietet die Berthold-Otto-Schule.“ In der IGS würden sich diese Kinder des letzten Jahrgangs nicht mehr zurechtfinden. Ein Abschlussjahr in der IGS sieht Nußbicker nicht als Alternative, eher den Wechsel an die Realschule Wedemark. „Das ist eine kleinere Schule als die IGS, die ihre Probleme mit Raum- und Lehrermangel hat. Aber an der Realschule können unsere letzten Schüler keinen Hauptschulabschluss erwerben“, sagt die Elternratsvorsitzende, die es so von der Realschulleitung verstanden hat.

Zeichnet sich ein Kompromiss ab?

Es zeichne sich in der Frage der Abschlüsse der BOS-Schüler ein möglicher Kompromiss ab, sagte am Dienstag die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Daniela Mühleis, dieser Zeitung. „Er könnte so aussehen, dass die Kinder ihren Hauptschulabschluss in der Realschule machen könnten, die erheblich kleiner ist, und der Unterschied zur BOS nicht so gravierend wäre.“ Grundsätzlich sei die Landesschulbehörde zuständig für die Frage, ob die zuletzt verbliebenen Kinder in der Berthold-Otto-Schule auch ihren Hauptschulabschluss dort noch machen können. „Dies wird gerade von der Schuldezernentin geprüft“, sagte Mühleis. Auch der Fachbereich Schulen in der Gemeinde erwarte kurzfristig eine Antwort. Sollte sich die neue Möglichkeit ergeben, wird Mühleis zufolge die Verwaltung eine Vorlage für den Rat vorbereiten, und die Politik würde darüber entscheiden.

Inklusion: Schüler sind bereits an der IGS

Im Zuge der Inklusion sind Brauer zufolge Schüler der BOS bereits in allen Klassen von 5 bis 10 in der IGS Wedemark angekommen. Brauer ist nicht nur Schulleiter der BOS, sondern leitet dort zugleich das sonderpädagogische Förderzentrum, das die Sonderpädagogen für den Unterricht in den anderen Schulformen stellt. Als Lehrkraft nur für die BOS steht er inzwischen nahezu allein vor den Schülern; die anderen fünf Lehrkräfte sind außerdem inklusiv in anderen Schulen in der Wedemark unterwegs. Aktuell sieht Brauer in der Kommune im inklusiven Unterricht eine Versorgung von 75 bis 80 Prozent.

„Wir können jetzt nur abwarten, was bei der Landesschulbehörde herauskommt auf das Schreiben“, sagt der Pädagoge. Auch der Fachbereich Schulen der Gemeinde wartet auf ein Zwischenergebnis der Landesbehörde. Erst dann, so teilte Fachbereichsleiter Jörg Clausing der Förderschule mit, könne die Verwaltung dem Gemeinderat mehrere Alternativen vorschlagen.

Schüler wollen gemeinsam an BOS lernen

„Von Seiten der Gemeinde wurde uns vor einiger Zeit bereits zugesichert, dass alle Schüler/innen trotz Auslaufen der BOS ihre Schullaufbahn hier beenden können. Der Herr Bürgermeister Zychlinski hat mir dies persönlich in die Hand versprochen“, schreibt Nußbicker in ihrem Brief.

Auch die Schüler selbst, so führt die Schulelternratsvorsitzende an, „haben klar den Wunsch formuliert, bis zum Ende der Schulzeit gemeinsam weiter an der BOS zu lernen.“ Der Schulleiter verheimlicht nicht, dass auch Argumente dagegen sprechen. „Es ist letztlich eine verschwindend geringe Schülerzahl, und ein lebendiges Schulleben findet nicht mehr statt“, sagt Brauer.

Antwort ist dringlich

Gemeinsam sehen Schulleiter und Elternratsvorsitzende aber die Dringlichkeit. „ Wir haben jetzt Februar. In vier Monaten ist das Schuljahr zu Ende. Wir finden schon, dass wir in vier Wochen eine Antwort haben müssten, damit die Eltern sich noch einmal Gedanken machen können.“

Bildungsausschuss will Fachleute fragen

Für den nächsten Sitzungstermin des Fachausschusses Bildung, Kinder und Jugend am 28. Februar passt es zeitlich nicht mehr, aber in der darauf folgenden Sitzung will der Ausschuss für Bildung, Kinder und Jugend zum Thema Inklusion in der Wedemark pädagogische Fachkräfte aus der Praxis hinzuziehen. „Wir laden Förderlehrer aus der IGS und der Berthold-Otto-Schule ein. Sie sollen uns von ihren Erfahrungen berichten“, sagte am Dienstag die Ausschussvorsitzende Daniela Mühleis dieser Zeitung. Man wolle gemeinsam einen Fragenkatalog an die Verwaltung aufstellen. Damit verfolgt der Ausschuss weiter sein Ziel, dass die Gemeindeverwaltung ein Förderkonzept zur Inklusion erarbeitet. Dies hatten Mühleis für die SPD und Ausschussmitglied Jessica Borgas für die CDU im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Ratsantrag gefordert. uc

Von Ursula Kallenbach

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