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Wedemark Neues Gesetz: Unternehmen Lega bietet einem Langzeitarbeitslosen eine Chance
Umland Wedemark

Langzeitarbeitslos: So bietet das Unternehmen Lega in der Wedemark einem  alleinerziehenden Vater eine Chance

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18:09 24.09.2019
Hans-Jürgen Lehmann (rechts) hat Daniel Teifel in seiner Firma eine neue Perspektive eröffnet. Quelle: Sven Warnecke
Wennebostel

Seit dem 1. Januar gibt es mit dem Programm Teilhabe am Arbeitsmarkt ein von Praktikern viel gelobtes neues Instrument, um langzeitarbeitslose Menschen wieder in Arbeit zu bringen – auch in der Wedemark. Das sogenannte Teilhabechancengesetz will Leistungsbeziehern, die in den vergangenen sieben Jahren mindestens sechs Jahre lang Bezüge vom Jobcenter erhalten haben, einen Wiedereinstieg in sozialversicherungspflichtige Berufe ermöglichen.

Bislang hat das Jobcenter in der Region Hannover 561 Anträge auf Förderung über Teilhabe am Arbeitsmarkt bewilligt, teilt dazu Björn Sund, Bereichsleiter im Jobcenter, mit. Seinen Angaben zufolge war das in Langenhagen 19-mal der Fall, im Bereich Wedemark, Burgwedel und Isernhagen bei 16 Anträgen. „Ich bin ganz zufrieden mit den Zahlen, mehr als ich gedacht hätte“, sagt Sund.

33 Jahre alter Vater hat es geschafft

Einer der nun geförderten ist Daniel Teifel aus Bissendorf. Der 33 Jahre alte alleinerziehende Vater hatte mit Blick auf seine dreijährige Tochter – und ohne Kita-Platz – nach eigenen Angaben wenig Chancen, einer Arbeit nachzugehen. „Ich wollte mich auch um mein Kind kümmern“, räumt er frank und frei ein, „doch ich wollte schon immer arbeiten.“

Nun half dem Mann nicht nur das Jobcenter mit dem neuen Teilhabegesetz. Ihm wurde mit Heiko Gowert-Lick vom Institut für Nachhaltiges Veränderungsmanagement (IFNV) aus Großburgwedel zudem ein Coach an die Seite gestellt. Dieser kümmerte sich unter anderem darum, dass Teifels Tochter einen Kita-Platz bekam. Nicht, wie zunächst von der Gemeinde Wedemark geplant, in Mellendorf, sondern am Wohnort Bissendorf.

Betroffener sucht selbst die Chance

Als das geklappt hatte, wagte Teifel den nächsten Schritt. Er ging zu Hans-Jürgen Lehmann, Inhaber und Geschäftsführer des Gartenbauunternehmens Lega in Wennebostel, und fragte dort direkt nach Arbeit. Nichts Großes, schließlich hat der 33-Jährige keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Lehre zum Elektriker hatte er nach zwei Jahren seinerzeit aufgegeben und fortan als Bauhelfer gearbeitet.

Und bei Lehmann rannte Teifel offene Türen ein. „Ich hatte bereits vor Jahren einen Mitarbeiter, der eigentlich von den Behörden bereits aufgegeben worden war“, sagt der Gartenbauer, der 13 weitere Menschen in seinem Betrieb beschäftigt. „Ich war sehr zufrieden mit ihm.“ Als nun zum Jahresanfang das Teilhabechancengesetz in Kraft trat – und sich im Mai Teifel bei ihm vorstellte, hat Lehmann zugesagt.

Arbeitgeber müssen durchaus flexibel sein

„Auch wenn man als Arbeitgeber sehr flexibel sein muss“, meint er mit Blick auf den Alleinerziehenden. Da könne es durchaus vorkommen, dass morgens der Anruf kommt, dass das Kind krank ist. „Ich kann aber damit leben“, betont Lehmann, der selbst Vater ist. „Es geht schließlich um ein Kind.“ Und auch seine Kunden müssten dann schon ein wenig flexibel sein, wenn etwa wegen eines fehlenden Mitarbeiters die Arbeit auf der Baustelle nicht pünktlich fertig werde. Der Firmeninhaber spricht dabei von einer gesellschaftlichen Verpflichtung.

Bislang hat sich der Neue bei dem Wennebosteler Betrieb glänzend eingearbeitet. Lehmann ist sehr zufrieden. „Das ist kein Langzeitarbeitsloser im klassischen Sinn“, betont er angesichts des Eifers seines Mitarbeiters. Aus diesem Grund soll Teifel auch alle möglichen Weiterbildungen erhalten.

Jobcenter bezahlt zwei Jahre lang den Mindestlohn

„So viel Verständnis gibt es nicht überall“, weiß Sund von seinen Gesprächen mit Arbeitgebern zu berichten. Dennoch sei beeindruckend, dass von den bislang vermittelten Menschen gut 70 Prozent in der Privatwirtschaft beschäftigt würden. Der Anreiz für die Unternehmen: In den ersten zwei Jahren zahlt das Jobcenter den vollen Mindestlohn, sagt Sund. In den drei Jahren danach sinkt der Zuschuss über 90 auf 70 Prozent.

Wenn bei Teifel die sechsmonatige Probezeit um ist, wird Lehmann den Lohn freiwillig auf etwa 12 Euro aufstocken. „Vom Mindestlohn kann man doch nicht leben“, betont der Gartenbauer. Und: „Je besser er wird, um so mehr kann er verdienen.“ Dabei spricht Lehmann auch von einer Haltungsfrage: „Mitarbeiter muss man pflegen.“

Für den nun wieder in einem festen Arbeitsverhältnis Beschäftigten ist aber auch ganz wichtig, dass er monatlich nicht mehr sein Geld vom Jobcenter erhält, sondern von dem Betrieb, in dem er wöchentlich 40 Stunden arbeitet. Teifel nennt das ein „gutes Gefühl“, wenn er auf seine Kontoauszüge schaut.

Firmen greifen angesichts des Fachkräftemangels zu

Damit das aber möglichst lange so bleibt, hat das Jobcenter mit dem IFNV einen Partner an Bord geholt. Man müsse berücksichtigen, dass bei dem Programm auch Menschen dabei seien, die jahrelang ohne Erwerb waren, begründet das Sund. „Beim Coaching geht es um Stabilisierung“, sagt Gowert-Lick. Probleme würden herausgearbeitet und nach Möglichkeit bewältigt. Es gehe darum, die Menschen zu erreichen – und zwar bei Hausbesuchen und nicht im anonymen Amt.

Für Sund sei die bisherige Eingliederung bereits ein „großer Erfolg“. Offenbar haben das auch viele Unternehmen als probates Mittel im Kampf gegen den Fachkräftemangel erkannt. Zunächst hätte das Jobcenter gedacht, es sei ein Problem, Firmen zu finden, berichtet Sund. „Doch nun schauen wir, geeignete Kandidaten zu finden.“

Arbeitgeber, die Mitarbeiter über das neue Projekt einstellen möchten, können sich dafür an das Jobcenter Region Hannover wenden. Nähere Infos gibt es auf www.jobcenter-region-hannover.de.

Das Förderpaket ist umfangreich

Das bundesweite Projekt Teilhabe am Arbeitsmarkt richtet sich an über 25-Jährige, die mindestens sechs innerhalb der vergangenen sieben Jahre Leistungen nach Hartz IV bezogen und in dieser Zeit nicht oder nur kurz selbstständig oder abhängig gearbeitet haben. Bei Schwerbehinderten oder Eltern von minderjährigen Kindern werden nur fünf Jahre zugrunde gelegt.

Das Jobcenter zahlt Arbeitgebern, die jemanden aus dieser Gruppe sozialversicherungspflichtig beschäftigen, über fünf Jahre Zuschüsse – entweder den Mindestlohn oder den gültigen Tariflohn. In den ersten beiden Jahren übernimmt es diesen komplett, danach sinkt der Betrag um jeweils 10 Prozent pro Jahr. Außerdem stellt es den Arbeitnehmern Betreuer zur Seite und finanziert deren Fortbildungen.

Die Arbeitgeberberatung für Teilhabe am Arbeitsmarkt ist unter Telefon (0511) 65592222 zu erreichen.

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