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Wedemark Tischlerei Biesel siedelt nach Bissendorf um
Umland Wedemark Tischlerei Biesel siedelt nach Bissendorf um
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00:19 06.02.2019
Mit seinem Architekten Benjamin Schmidt-Strohschnieder (von links) verwirklicht Michael Biesel sein ökologisches Gewerbeprojekt in Bissendorf. Quelle: Ursula Kallenbach
Bissendorf

Von 950 auf 1.460 Quadratmeter Fläche will Michael Biesel seine Möbeltischlerei vergrößern – und eine Energiewende in seinem Handwerk herbeiführen. Dazu verlegt er in diesem Jahr seinen aus Großvaters Zeiten angestammten Sitz in Langenhagen in das Gewerbegebiet Bissendorf in der Wedemark.

So sieht das geplante Gebäude der Tischlerei Biesel im Bissendorfer Gewerbegebiet in der Planung aus. Quelle: Grafik/Benjamin Schmidt-Strohschnieder

Der Unternehmer hatte Glück: Dies ist einer der letzten Bauplätze dort. Tatsächlich kann die Gemeinde Wedemark aktuell keine weiteren Flächen in dem großen Gewerbegebiet mehr anbieten. Auch seien Alternativen anderenorts derzeit nicht verfügbar, sagte Gemeindesprecher Ewald Nagel auf Anfrage. Zustande kam das Vorhaben, als Biesel bei einem Business-Frühstück des Langenhagener Wirtschaftsklubs ins Gespräch mit der damaligen Wirtschaftsförderin Kim Voigt aus der Wedemark kam.

Region fördert Projekt

Biesel errichtet in Bissendorf einen „Leuchtturm“ – ein von der Region Hannover gefördertes ökologisch nachhaltiges Projekt (siehe Kasten). Der Neubau auf einem Hintergrundstück am Langen Acker wird mit der Tischlerei eines der energieintensivsten Gewerke überhaupt beherbergen und wird dennoch den CO2-Ausstoß im Vergleich zur heutigen Produktion um berechnete 45,4 Tonnen jährlich senken.

Strom selbst erzeugen

„Wir werden künftig bis zu 70 Prozent unseres Stroms für die Produktion, das sind Maschinen, Absauganlagen, Druckluft, Lackierbetrieb, mit Photovoltaik auf dem Dach selbst erzeugen“, sagt Biesel stolz. Die Energie zum Heizen werde größtenteils über eine Wärmepumpe erzeugt. Hinzu kommen eine Wärmerückgewinnung aus Absauganlage und Lackierung, Tageslichtnutzung und LED-Einsatz. Gleichzeitig mit dem Produktionsbeginn in Bissendorf werde die Tischlerei nahezu ganz auf Wasserlacke umstellen.

Die Tischlerei baut Einrichtungen von Geschäftshäusern, stattet Flughäfen mit Möbeln und Empfangstresen aus und erledigt hochwertigen Innenausbau für Privatkunden. Schulen und Kindertagesstätten sind künftige Kunden. Nur ein Prozent des verwendeten Materials sei Massivholz, erläutert Biesel. Gearbeitet wird hauptsächlich mit Plattenwerkstoffen, viel Glas und Metall. Der Betrieb ist zu 80 bis 90 Prozent in der Region Hannover tätig, liefert aber auch bundesweit.

Umzug der Maschinen dauert knapp 14 Tage

Im Frühjahr sollen die Erdarbeiten beginnen. Firmenchef und Architekt Benjamin Schmidt-Strohschnieder rechnen mit neun Monaten Bauzeit und Einzug noch in diesem Jahr. „Knapp 14 Tage dauert zuletzt der Umzug der Maschinen“, sagt Biesel. Nicht nur der Maschinenpark, auch die gesamte Belegschaft kommt mit, das steht fest. Kein Problem: Bissendorf ist S-Bahn-Station. „Die Mitarbeiter haben unsere neue Halle zweieinhalb Tage selbst mit einem externen Berater geplant – erst dann bin ich dazugekommen“, sagt Biesel. In enge Bindung investiert er auch bei seinen Fachkräften: Sieben der acht Gesellen hat der Betrieb selbst ausgebildet, und immer sind drei Auszubildende im Betrieb – 2019 auch ein französischer Lehrling im Austausch.

Region fördert nächsten „Leuchtturm“ in der Wedemark

Rund 53.500 Euro hat die Region für das wegweisende Gebäude bewilligt, das die Tischlerei Biesel im Gewerbegebiet Bissendorf, Langer Acker, demnächst errichtet. Es ist schon das zweite ökologische Leuchtturm-Projekt, das die Region in der Wedemark fördert; für den Neubau der Dorothee Lehnen Manufaktur an der Schlager Chaussee in Bissendorf haben die Arbeiten bereits begonnen.

Die derzeit in Langenhagen ansässige Tischlerei Biesel benötigt eine größere Produktionshalle und hat sich für den Standortwechsel entschieden. Das geplante, weitgehend klimaneutrale Gebäude im Bissendorfer Gewerbegebiet soll – und gilt daher als „Leuchtturm“ aus Sicht der Region – die Energiewende im Handwerk veranschaulichen. „Das Einsparpotenzial ist enorm, denn Tischlereien gehören zu den energieintensivsten Gewerken des Handwerks“, hebt die Region in ihrer Begründung zur Förderung hervor. Die Tischlerei Biesel hat das Ziel, die benötigte elektrische Energie zukünftig – sowohl für die Raumwärme als auch für die Maschinen und Anlagen – mit einer Photovoltaikanlage vor Ort zu erzeugen. Zum ökologischen Konzept gehören weitere Energie- und Produktionsbausteine.

Die Region Hannover fördert so regional bedeutsame Klimaschutzvorhaben. Insgesamt bewilligte die Region für 2018 rund 178.000 Euro. Der nächste Stichtag zum Einreichen von Anträgen ist der 28. Februar. Anträge können Einwohner, Kommunen sowie Unternehmen, Vereine und Verbände mit Sitz in der Region Hannover bei der Klimaschutzleitstelle der Region stellen. Förderrichtlinie und Antragsformular stehen im Internet auf www.hannover.de/leuchtturmrichtlinie bereit. uc

Von Ursula Kallenbach

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