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Wedemark Wedemärker Kläranlage soll nahezu energieautark laufen
Umland Wedemark

Millionenschwere Investition in der Wedemark: Kläranlage in Bissendorf soll nahezu energieautark laufen

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17:00 14.10.2019
Aus einigem Abstand ist auf dem Dach der neu errichteten Schlammtrocknungs- und Lagerhalle die großflächige Fotovoltaikanlage zu sehen. Die Geschäftsführer Henning Luttermann (links) und Joachim Rose sind stolz auf den Baufortschritt an der Kläranlage Bissendorf. Quelle: Ursula Kallenbach
Bissendorf

Ein riesiger Ausbau der für die Wedemark zentralen Abwasserbehandlung in der Kläranlage Bissendorf hat begonnen. Auf dem Betriebsgelände Am Bahldamm 1 investiert die Wedemark Abwasser Gesellschaft (WAG) bis Ende 2023 12 Millionen Euro. Der Energieverbrauch soll erheblich reduziert werden. Stattdessen wird Energie erzeugt.

„Dann“, so der WAG-Geschäftsführer Henning Luttmann, „sind wir auf einem Stand der Technik, dass wir das Abwasser aus 200 Kilometern Netz gut reinigen und eine moderne Klärschlammbehandlung vorweisen können.“ Die WAG ist eine 100-prozentige Tochter der Gemeinde Wedemark. „Das Modell einer Gesellschaft wird für die Gebührenzahler günstiger“, erläutert Bürgermeister Helge Zychlinski das Konstrukt.

Der Ausbau der Kläranlage wird über Jahre gehen, erläutern Henning Luttermann (von links), Helge Zychlinski und Joachim Rose. Quelle: Ursula Kallenbach

Große Trockenhalle ist bereits in Betrieb

Die große Halle, in der Klärschlamm in Zentrifugen entwässert wird, steht schon. Dort können 350 Tonnen des Trockenklärschlamms – Dünger für die Landwirtschaft – gelagert werden. Die Maschinen sind bereits in Betrieb. Weitere Behälter und Umbauten vorhandener Becken zur Schlammbehandlung sind geplant.

Die Halle aber zeigt schon jetzt Spaziergängern von außen, was sie außerdem leisten wird: Die auf dem Dach montierte Fotovoltaikanlage und weitere geplante Anlagen auf allen neuen Dachflächen von rund 1.300 Quadratmetern werden jährlich etwa 125.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Insgesamt, so auch WAG-Geschäftsführer Joachim Rose, wird bei einem zukünftigen Energiebedarf der Anlage von rund 700.000 Kilowattstunden jährlich die Energie zu 80 Prozent vor Ort erzeugt.

Viele Teile der Kläranlage in Bissendorf halten höheren technischen Anforderungen nicht mehr stand. Quelle: Ursula Kallenbach

Baustart für Betriebsgebäude noch in 2019

Zur energetischen Effizienz tragen weitere technische Neuerungen bei. Die WAG errichtet das erforderliche neue Betriebsgebäude, das neben den Sanitärräumen, Analyseraum und Leitwarte auch Büroräume beherbergt, nach dem neuesten Stand der Energieeinsparverordnung (EnEV). „Mit dem Bau des Betriebsgebäudes beginnen wir noch in diesem Jahr“, kündigen die Geschäftsführer an.

Wenn in den nächsten vier Jahren die gesamte Technik umgestellt wird, soll bei der Behandlung von Klärschlamm unter Sauerstoffentzug in einem Faulbehälter das entstehende Gas zudem ein Blockheizkraftwerk betreiben. Dies produziert neben Strom auch Wärme, die zur Unterstützung der Heizungsanlage in dem neuen Betriebsgebäude eingesetzt werden soll.

Bundesförderung beantragt

„Für das Ziel, die Anlage nahezu energieautark laufen zu lassen, beantragen wir auch Bundesmittel“, sagt Bürgermeister Zychlinski. Dafür hat sich die WAG an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gewandt und Zuschüsse für den Bereich „Klimaschutzprojekte im kommunalen Umfeld im Förderbereich Kläranlagen“ angefordert. Die Entscheidung darüber ist noch nicht getroffen worden.

Ausbau berücksichtigt eine Reserve

Als zu klein dimensioniert erwies sich die etwa 40 Jahre alte mechanisch-biologische Kläranlage in Bissendorf angesichts des Bevölkerungszuwachses. Die Zahl der Einwohner ist von 23.935 in 1986 um 23,9 Prozent auf 29.647 in 2018 gestiegen. Hinzu kamen weitere Gewerbebetriebe. Mit der bisherigen Ausbaugröße von 35.000 Einwohnerwerten wurden auch gewerbliche Abwässer einberechnet; die Ausbaugröße muss stets deutlich über der Einwohnerzahl liegen. „Schon jetzt wird die Kläranlage aber deutlich höher belastet“, sind sich die WAG-Fachleute einig. Die Planung der Gesellschaft sehe daher eine Ausbaugröße von 46.000 Einwohnerwerten vor, die auch eine vernünftige Reserve berücksichtige.

Gemeinde hat Abwasser wieder in eigener Hand

Die von der Gemeinde Wedemark am Bahldamm errichtete Kläranlage Bissendorf wurde am 1. Juli 1986 privatisiert, bis 1989 erweitert und durch die KED (Kommunale Entsorgungsdienste) bis Ende 2015 betrieben. Mit Ratsbeschluss hat die Gemeinde ab 1. Januar 2016 den Betrieb der Abwasserbeseitigung wieder in die kommunale Hand übernommen.

Dazu hatte die 2015 gegründete privatwirtschaftliche Wedemark Abwasser Gesellschaft (WAG) die Anlagen von dem vorherigen Betreiber erworben. Gesellschaftszweck ist die Errichtung, der Erwerb und die Bereithaltung von Abwasseranlagen in der Wedemark. Die Gemeinde ist alleinige Gesellschafterin. Zu Geschäftsführern sind Henning Luttermann und Joachim Rose bestellt. Die WAG unterhält, erneuert und erweitert die Kläranlage mit Millioneninvestitionen und stellt sie der Gemeinde zur Verfügung. Die Kommune ist verantwortlich für die Betriebsführung und hat dazu sieben angestellte Mitarbeiter im Dienst. Neben dem zentralen Klärwerk sind mehr als 100 Schmutzwasser-Pumpwerke im Gemeindegebiet zu warten. Nicht einbezogen in die Abwasserbehandlung in der Kläranlage Bissendorf ist der Gemeindeteil Resse, der sein Abwasser der Kläranlage Resse zuführt. uc

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Von Ursula Kallenbach

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