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Wedemark Nach Bauarbeiten: So sieht es im sanierten Amtshaus in Bissendorf aus
Umland Wedemark

Nach Bauarbeiten in der Wedemark: So sieht es im sanierten Amtshaus in Bissendorf aus

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16:48 25.09.2019
Das historische Amtshaus in Bissendorf ist frisch saniert. Ein Blick in das denkmalgeschützte Gebäude nach den Bauarbeiten. Quelle: Julia Gödde-Polley
Bissendorf

Türkis mit goldenem Muster an den Wänden: Das Trauzimmer im sanierten Amtshaus in Bissendorf unterscheidet sich farblich von den restlichen Räumen im denkmalgeschützten Gebäude. Bald können sich Paare in dem Haus aus dem Jahr 1580 wieder das Jawort geben. Die Standesbeamten stehen künftig bei den Eheschließungen an einem Pult. Auch die Standesamt-Mitarbeiter finden Besucher dann wieder in dem denkmalgeschützten Gebäude. Die Büroräume im ersten Stock hat ab November ein Notar und Steuerberater gemietet.

Bis auf Restarbeiten sind die Handwerker im Amtshaus fertig. Die Sanierung des historischen Gebäudes hat mehr als eineinhalb Jahre länger gedauert und ist teurer geworden, als geplant. Ein Blick in das denkmalgeschützte Haus.

Die Suche nach einer passenden Tapete, „um dem Raum eine besondere Note zu geben“ sei lang gewesen, berichtete Susanne Bischoff, Leiterin des Teams Hochbau in der Gemeindeverwaltung. Bei einer Führung durch das Amtshaus hat sie gemeinsam mit Bürgermeister Helge Zychlinski und Kay Petersen, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, Interessierten, die zuvor bei einer Verlosung den Platz gewonnen hatten, exklusive Einblick in das Innere gegeben – vor Abschluss aller Arbeiten und der offiziellen Eröffnung. Im Trauzimmer haben sich die Verantwortlichen für ein Produkt aus einem britischen Tapetenbuch entschieden.

Die Suche nach der passenden Tapete für das Trauzimmer war lang, berichtet Susanne Bischoff, Leiterin der Abteilung Hochbau. Quelle: Julia Gödde-Polley

Stehpult statt großer Tisch

Brautpaare finden den Raum nicht mehr wie früher rechts neben dem Eingang, sondern links zur Burgwedeler Straße hin. Den großen Tisch, an dem das Paar gemeinsam mit dem Standesbeamten früher saß, gibt es nicht mehr. Stattdessen steht der Mitarbeiter der Verwaltung an einem Stehpult – auf Wunsch der Standesbeamten. Diese Position sei zugewandter. Die 22 Millimeter dicken Eichendielen, die im gesamten Haus verlegt wurden, sorgen für einen urigen Charme. „Geht der durch High Heels nicht kaputt?“, fragte ein Bürger. Zychlinski versicherte, dass der Boden extrem belastbar sei.

Und künftig sollte die Luft in dem Zimmer besser sein – dank einer eingebauten Lüftungsanlage. Auch diese sei auf Wunsch der Standesbeamten installiert worden, da Menschen, die heiraten, immer so schwitzen würden, berichtete Petersen. Vor der Sanierung sei es in dem Raum deshalb schnell stickig und heiß gewesen.

Großer Einbauschrank bietet Stauraum

Alte Kronleuchter liegen zwar derzeit noch auf dem Boden, doch diese passten nicht mehr, sagte Bischoff. Stattdessen laufe gerade die Auswahl für eine neue Beleuchtung in dem Raum. Soll denn dort auch noch ein Bild rein, wollte ein Teilnehmer der Führung wissen. „Nein“, sagten Bischoff und Zychlinski unisono. An den anderen bisher noch kahlen Wänden im Haus, könne man dies aber überlegen. An der hinteren Wand des Trauzimmers befindet sich ein riesiger, weißer Einbauschrank, in dem sich Bischoffs Angaben zufolge alle Hauptleitungen – auch für die oberen Etagen – befinden. Zudem sei dort Stauraum für eine Musikanlage, eine Garderobe, die Technik und Dekorationsmaterial. Die Gemeinde hatte für die Gestaltung des Trauzimmers von einer Wedemärkerin eine Spende in Höhe von 50.000 Euro erhalten.

Zychlinski: Trauungen als Wirtschaftsfaktor

Die Verwaltung geht davon aus, dass die Zahl der Hochzeiten nach der Sanierung noch mal ansteigt. Auch während der vorübergehenden Auslagerung des Trauzimmers ins benachbarte Bürgerhaus sei die Zahl der Eheschließungen nicht zurückgegangen, sagte Gemeindesprecher Ewald Nagel. Trauungen seien auch ein Wirtschaftsfaktor geworden und würden der hiesigen Gastronomie helfen, ist sich Zychlinski sicher. Nicht nur Wedemärker können in dem historischen Gebäude die Ehe schließen. Grundsätzlich kann jeder dort heiraten. Auch an ausgewählten Sonnabenden ist dies möglich.

Toiletten sind größer

Damit Bräute mit ihren Kleidern künftig besser auf Toilette gehen können, sind die WC-Räume im Erdgeschoss komplett erneuert und vergrößert geworden – „an so was muss man natürlich auch denken“, sagte Zychlinski. Zudem gibt es eine behindertengerechte Toilette. Auch der Zugang zum Gebäude ist jetzt barrierefrei – die Schwelle ist weg. Dazu wurde der Platz vor dem Haus um circa 20 Zentimeter angehoben. Zudem hat eine Wedemärkerin Geld für eine neue Rundbank um einen Baum gestiftet, die zum Verweilen auf dem Platz einlädt.

Diesen Ausblick haben die Mieter der Wohnungen im zweiten Stock. Quelle: Julia Gödde-Polley

Wohnungen werden teuer

Auch die historische Treppe im Flur wurde komplett überarbeitet. Doch: „Die Treppe ist im Wesentlichen Dekoration“, berichtete Zychlinski. Über ein zusätzliches Treppenhaus sind die einzelnen Etagen miteinander verbunden. Im zweiten Stock haben Mieter lichtdurchflutete Räume und einen Blick über den Amtshof. Bürgermeister Zychlinskis Angaben zufolge steht der genaue Mietpreis noch nicht fest, doch günstig werde das Wohnen dort wohl nicht.

Einen ersten Schaden gab es bereits: Beim Anschluss der Leitungen vor einigen Wochen ist eine Stelle undicht gewesen und Wasser in die Wand gelaufen, berichtete Bischoff. Trocknungsgeräte mussten ihren Angaben zufolge aufgestellt werden. Doch die Gemeinde sei versichert. Erste Risse im Putz seien keine Fehler der Handwerker, betont die Leiterin Hochbau auf Nachfrage. Das alte Ständerwerk arbeite. „Das Gebäude redet mit uns“, erklärte Bischoff den Interessierten scherzhaft.

Die Verwaltung mit Gesamtkosten in Höhe von circa 2,5 Millionen Euro. Zu Beginn der Planungen für die Sanierung in 2013 und 2014 hatte die Gemeinde mit circa 2 Millionen Euro kalkuliert. Auch der Zeitplan sah anders aus: Der Abschluss war eigentlich für Anfang 2018 anberaumt. Doch es habe Schwierigkeiten gegeben, passende Firmen für die teils komplizierten Arbeiten zu finden. Zudem waren während der Restaurierung nicht vorhersehbare Probleme aufgetreten, die zu den Verzögerungen und der Kostensteigerung geführt hatten.

Eröffnung mit Bürgerfest

Was sagten die Teilnehmer nach der Führung zum neuen Amtshaus? Am Ende waren „wunderschön“, „wunderbar“ und „ist gelungen“ zu hören. Alle waren sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis – auch Zychlinski. Der Aufwand habe sich doch gelohnt. Und: „So wie mit dem Gebäude umgegangen wurde über Jahrzehnte, war es nicht gut“, sagte der Verwaltungschef. Dies werde sich in Zukunft ändern. Mit dieser Sanierung, die 2016 begann, sei das Gebäude gerettet worden.

Bald sollen alle Wedemärker die Chance haben, sich das Amtshaus anzuschauen. Die Gemeinde plant für das kommende Jahr ein großes Bürgerfest – auch als Feier zum 440-jährigen Bestehen des Gebäudes.

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Von Julia Gödde-Polley

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