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Umland Wedemark Nachrichten Aufregung um mächtige Eiche
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19:06 24.01.2014
Von Ursula Kallenbach
Im Dorf Wennebostel mag sich niemand den Platz ohne diese Eiche vorstellen. Quelle: Ursula Kallenbach
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Wedemark

Die Kontrolleure der Unteren Naturschutzbehörde bei der Region Hannover übermittelten der Umweltschutzbeauftragten der Gemeinde, Ursula Schwertmann, die fachliche Einschätzung mit Bedauern, aber definitiv: „Leider hat sich der Zustand des Baumes nun so weit verschlechtert, dass nur noch eine Fällung in Frage kommt.“ Eine erneute biologische und mechanische Überprüfung der Eiche habe ergeben, dass sie sich „in einem sehr kritischen Zustand“ befinde.

„Hier schlagen die Wellen hoch“, berichtet Schwertmann. Viele Nachfragen kommen, auch Ortsbürgermeister Joachim von Einem sorgt sich. Die Wennebosteler Dorfinitiative hat angekündigt, möglicherweise ein eigenes Fachgutachten in Auftrag zu geben.

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Die Eiche ist seit 1969 als Naturdenkmal ausgewiesen. Ab etwa 2001 hatten die Fachleute Schäden am Baum durch den Schwefelporling, einen Pilz, festgestellt. Im Jahr 2009 erwies sich der Baum bei einer Kontrolle als so stark pilzgeschädigt, dass in einer Notaktion die Krone eingekürzt wurde. Mehr als 13 Jahre lang beobachtete die Naturschutzbehörde die Eiche und organisierte Pflegearbeiten.

Für Laien wirkte der Baum äußerlich so krank nicht. Doch die Experten hatten 2009 aus einem Hubsteiger heraus andere Einblicke. Von oben sahen sie, dass die dicken Äste bereits von dem Pilz zersetzt waren. Aktuell kennzeichnet die zuständige Sicherheitskontrolleurin den Notstand so: „Der Vergleich mit vorangegangenen Messungen zeigt, dass der Stamm innen schneller fault, als er außen nachwächst. Das Innere des Stammes und der Äste, das Kernholz, wurde und wird durch Baumpilze zersetzt.“

„Wenn das, was noch gesund ist am Baum, weniger als die Hälfte ausmacht, ist es kritisch“, bestätigt Schwertmann. Was Laien meist nicht wissen: Selbst die ältesten Baumveteranen wachsen immer noch weiter. Am Eichenstamm in Wennebostel rollte das Maßband Ende der achtziger Jahre 5,30 Meter ab. 2009 maßen die Baumexperten einen Stammumfang von 5,90 Metern.

Noch kein Fälltermin

Es gibt noch keinen Termin zum Fällen, und es ist noch keine Firma beauftragt“, sagte Regionssprecherin Christina Kreutz am Donnerstag dieser Zeitung. Der Eigentümer der Eiche sei angeschrieben. „Ohne ihn werden wir es nicht machen“, hielt sie fest. Würde er darauf bestehen, dass die Eiche stehenbleibt, müsste er gegenüber der Region eine Enthaftungserklärung hinsichtlich der Verkehrssicherung unterschreiben – kein ungewöhnliches Verfahren, wie die Sprecherin betonte.

Die Wennebosteler Eiche ist ein Baum auf der Grenze zwischen Privatgrundstück und Regionsstraße 107. Deshalb, so Kreutz, habe die Region die Pflegearbeiten bis zu einem fünfstelligen Betrag übernommen. Der Eigentümer sei in der Mitpflicht, den Baum zu beobachten und Probleme zu melden. Einen Wert habe das Holz der geschädigten Eiche aktuell nicht, stellt Kreutz fest. „Es ist zersetztes Abfallholz und müsste eigentlich kostenpflichtig entsorgt werden.“ Eine gesunde Eiche mit dieser Masse wäre mindestens 100?000 Euro wert. Für eine Fällung sei mit mehreren Tausend Euro zu rechnen. Sie gehe jetzt davon aus, dass „wir nächste Woche wissen, wie der Eigentümer zu der Sache steht, und ob gefällt wird oder nicht“. Fraglich wäre eine Nachpflanzung an derselben Stelle, da der Pilz im Boden sitze. „Über einen Ersatz müsste man mit dem Eigentümer sprechen.“

Friedel Bernstorf 21.01.2014
Friedel Bernstorf 21.01.2014