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Umland Wedemark Nachrichten Neuer Horizont: Verein unterstützt Museum
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00:16 17.12.2016
Von Ursula Kallenbach
Sandra Koch hat im Vorstand des Museumsvereins Peter Schulze als Stellvertreter (rechts) und Friedrich Thümler zur Seite.
Sandra Koch hat im Vorstand des Museumsvereins Peter Schulze als Stellvertreter (rechts) und Friedrich Thümler zur Seite. Quelle: Kallenbach
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Bissendorf

Der Hamburger Oberbürgermeister könne gern Mitglied werden, heißt es von Seiten des Vorstandes im Überschwang. Vielleicht auch, um die neuen, kühnen Horizonte zu skizzieren. Das Ideelle stimmt schon lange im Museumsteam, das sich 2012 neu zusammengefunden hat – aber für viele angedachte Projekte muss das Finanzielle entsprechend ausgedehnt werden. „Erstrebenswert wären viele neue Mitglieder, die aktiv tätig werden, aber auch eine große Anzahl fördernder Mitglieder“, verdeutlicht die Vorsitzende Sandra Koch.

Was beispielsweise bisher nicht ging, haben die ehrenamtlich engagierten Museumsmitarbeiter schon leidvoll an sich vorüberziehen lassen müssen. So wurde vor zwei Jahren eine Postkartensammlung von etwa 450 Ansichtskarten aus Wedemärker Ortsteilen zum Verkauf angeboten – das Museum hatte kein Geld dafür.

Der stellvertretende Vorsitzende, Peter Schulze, erinnert an ein anderes Desaster: Anfang 2016 stand in einem nicht weit entfernten Kunstauktionshaus ein Gemälde des Kupferstechers Georg Heinrich Busse zur Versteigerung an. Busse – ein in Bennemühlen gebürtiger Radierer und Maler. „Es wäre ein Glücksfall gewesen, dieses Exemplar in die Wedemark holen zu können“, bedauert Schulze das Entgangene.

Der Förderverein will einspringen, um mit eigenen Mitteln Leistungen oder Objekte zu finanzieren, die sonst im Rahmen des öffentlichen Budgets kaum oder gar nicht finanziert werden könnten. So gilt es auch, die Präsentation im Museum noch zu verbessern: Auf Dauer müssten LED-beleuchtete Schauvitrinen angeschafft werden, haltbare Schriftträger sollen die Papierschildchen zur Beschreibung der Exponate ersetzen. Reparaturen oder Ergänzungen an schadhaften Museumsexponaten sollen in die Hände professioneller Restauratoren gegeben werden. „Handwerkliche Eigenleistungen sind dem langfristigen Erhalt solcher Stücke oft abträglich“, formuliert das Museumsteam, was gezwungenermaßen oft gängige Praxis in kleinen Museen ist.

Einen Vereinsvorsitz hat Sandra Koch, Wedemärker Neubürgerin seit drei Jahren, nun im „Verein zur Förderung des Richard-Brandt-Heimatmuseums Wedemark“ erstmals übernommen – hat dafür aber eine Menge im Gepäck. Die 39-Jährige ist Kulturwissenschaftlerin und war auch schon als Gästeführerin im Einsatz. Beruflich ist sie an der Grundschule Mellendorf und im Ganztagsschulbereich in Burgwedel engagiert. Mit dem Museumsteam hatte sie schon früh Kontakt aufgenommen, als die Gemeinde Wedemark ihr Lebensmittelpunkt wurde.

„Mit dem neuen Förderverein bekommen auch alle unsere Ehrenamtlichen noch einmal ein anderes Gesicht nach außen“, meinen die Vorsitzenden. Diese Mitarbeiter seien schließlich diejenigen, die vor Ort nach außen gehen und sich zeigen.

Historie nicht ohne moderne Medien

Träger des Heimatmuseums ist die Gemeinde Wedemark; sie unterstützt die Einrichtung durch jährlich neu festgesetzte Zuschüsse aus dem Haushalt und ermöglicht den ehrenamtlichen Mitarbeitern regelmäßige Fortbildungen.

Das Richard-Brandt-Museum wurde 1953 als Museum der damaligen selbständigen Gemeinde Bissendorf gegründet. Die heimatkundliche Privatsammlung des Lehrers und Heimatforschers Richard Brandt bildete den Grundstock; er war der erste Leiter des Museums. Durch eine kontinuierliche Sammlung von Exponaten aus Bissendorf und den anderen Dörfern hat sich das Museum als Dokumentationsstätte für die ganze Wedemark entwickelt;

Mit großer Kraftanstrengung arbeitet das Museumsteam um Leiter Karl-Hans Konert seit vier Jahren gezielt am Konzept und an der medialen Modernisierung. So bieten die beiden Videostationen zum Geigenbauer Karl Montag und zur Eiszeit sowie die neuen großen Touchscreens zur Geschichte der Wedemark den Besuchern einen Präsentationsstandard, der weit über dem vergleichbarer Museen liegt. Auch ständige Sonderbereiche wie die Sammlungen Karl Montag, Uhren und Fossilien sind sonst kaum in solchen Heimatmuseen zu finden.

Die Lage: Vor- und Nachteile

Im Vergleich zu anderen kleinen Museen hebt sich das Wedemärker ganz sicher durch seine attraktive Lage im historischen Bissendorfer Ortskern am Amtshof und Amtsgarten hervor. Die Nachteile seiner zwei benachbarten Standorte – Kavaliershaus und Räume über der Bibliothek – werden in der Besuchergunst durch die herausragenden Einzelsammlungen und die Präsentationstechniken wieder ausgeglichen. Thematische Sonderausstellungen - wie jeweils zu Weihnachten - ziehen zusätzlich viele Besucher an. Nicht zu vermeiden, bei allen Anstrengungen des 19-köpfigen Museumsteams sind zurzeit die Einschränkungen, die mit den Bauarbeiten zur Sanierung des Amtshauses einhergehen: Der Zugang zum Museum ist zwischen Amtshof und –garten gesperrt. Noch bis 2017 rechnet das Museum daher mit geringeren Besucherzahlen (sonst jährlich etwa 3300).

Was dem Museum fehlt

Schon einige Zeit ist das Museumsteam in der Wedemark auf der Suche nach einem klimatisierten Raum, um schützenswerte Exponate (Urkunden, Akten, Bekleidung, Fahnen und sonstige bedeutende Ausstellungsstücke) so unterzubringen, dass sie für folgende Generationen fachgerecht erhalten bleiben. „Ein Raum von etwa 30 Quadratmetern wäre super - egal in welchem Ortsteil der Wedemark“, beschreibt Konert die Wunschvorstellung. „Natürlich sollte die Miete erträglich sein.“

Fotostrecke Wedemark: Neuer Horizont: Verein unterstützt Museum