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Umland Wedemark Nachrichten Toller Chorgesang auch ohne Notenkenntnisse
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00:15 14.07.2017
Von Ursula Kallenbach
Bettina Heine sorgt jetzt für die Notenblätter im Gemischten Chor Wennebostel. Quelle: Kallenbach
Wedemark

Vielleicht kommt der 54-Jährigen aus Wennebostel alltagspraktisch mindestens genauso zugute, dass sie schon Rettungsschwimmerin in der DLRG Mellendorf war. Denn steter Überblick und das Zusammenhalten aller, die sich nach Kräften abstrampeln, ist ihr zur Natur geworden. Als Krankenschwester, die schon 35 Jahre in ein- und derselben Klinik in Hannover arbeitet, steht sie außerdem zu dem Wahlspruch: „Wenn man was angefangen hat, bleibt man auch dabei“. Das ist ein Glücksfall für jeden Verein und für diesen besonders.

Im Gemischten Chor Wennebostel sorgt sie nun für die Notenblätter der 15 Sängerinnen für Alt und Sopran und der fünf Sänger für Bass. „Noten hegen, pflegen, wahren“, beschreibt sie ihre Pflicht. „Jeder Sänger erhält eine Mappe mit allen Notenblättern der Lieder aus fünf Jahren.“ Insgesamt 73 Lieder umfasst das Repertoire des Laienchors, inclusive der Weihnachtslieder. Jeder Sänger ordne die Notenblätter für sich selbst – nach Alphabet oder durchnummeriert.

Erstmals nach 1964 hat der Gesangverein den Posten des Notenwarts wieder besetzt; die Aufgabe stellte sich nahezu fünf Jahrzehnte nicht, weil der Verein ruhte (siehe Text unten). Bettina Heine folgt – mit Abstand – auf die seinerzeit letzte Notenwartin, Inge Schmidt, die dem Verein seit 65 Jahren treu ist.

Bettina Heine singt selbst Alt. Wo ist der Tenor, fragen sich des Chorgesangs Kundige bei der oben genannten Aufteilung der Stimmen. „Chorleiter Tjark Stein hilft aus“, berichtet die stellvertretende Vorsitzende Sieglinde Lemke. Für fast alle Sänger bietet die Notenschrift lediglich „Orientierung, wo es hoch und runter geht“. Der wunderbare Chorleiter gebe den Ton vor. Etwa 20 Lieder sängen sie auch einstimmig als Gemeinschaft und nicht mit verteilten Chorstimmen – Volkslieder und Schlager aus den goldenen Zwanzigern. „Es muss ein bisschen was Flottes sein“, hält Lemke fest.

Lemke gilt als Urgestein an der Lindenstraße in Wennebostel. Und es scheint, als sänge die ganze Lindenstraße – jedenfalls haben viele Vereinsaktive wie auch der Nachbar, Vereinsvorsitzende und Wiederbegründer Fredy Krause dort nur kurze Wege zu gehen. Krause ist nicht nur Chef der kleinen Chorgemeinschaft, sondern auch stellvertretender Kreisvorsitzender der Sänger in der Region.

„Man hat uns das anfangs nicht zugetraut“, weiß Krause. Aber mittlerweile singe der Chor auch im Gottesdienst und bei vielen Gelegenheiten. Die Grundlage der Gemeinschaft sei das Gefühl im Miteinander. „Unsere Philosophie ist, mit Musik die Menschen zu verbinden und nicht über ein Smartphone.“ Vielleicht liege es daran, dass Frauen eher zum Singen kämen als Männer. Der Zusammenhalt sei mindestens so wichtig wie die gesangliche Leistung.

Dabei sind Sangesfreunde bekanntlich auch einem labenden Getränk nicht abgeneigt. Die jeweiligen Lieblingsdrinks in den Jahrzehnten sind im Kassenbuch von 1931 nachzulesen. Der Kosakenkaffee zum Beispiel taucht in der Abrechnung in Reichsmark häufiger auf. Auch die Anwesenheitsliste, die von 1904 bis 1964 geführt wurde, gibt den heutigen treuen Mitgliedern noch zahlreiche Informationen über das frühere Vereinsleben. Ebenso gern blättern sie in dem Büchlein, das seit 1950 die Sing-Anlässe verzeichnete. Und auf vielen Fotos finden die jetzigen, ebenfalls schon älteren Mitglieder, ihre Großeltern wieder.

Das Alter der aktiven Sänger jetzt liegt zwischen 40 und 80 Jahren. Aber der gemischte Chor habe sich in den fünf Jahren seit Wiedergründung gefestigt, ist sich der Vorstand einig. Das Zeitfenster nach vorn sei wieder geöffnet, sagt Krause. „Wir haben stetigen Zulauf von neuen Mitgliedern.“

Chor gründet sich nach 48 Jahren neu

Mehr als 30 Mitglieder zählt der Gemischte Chor Wennebostel heute, darunter ein Stamm von 20 aktiven Sängern. Was nach außen im Vergleich mager aussehen mag, ist doch vereinsintern ein Erfolg, denn der Chor aus dem Gründungsjahr 1904 hat eine Auszeit von fast fünf Jahrzehnten überstanden. Es fehlte seinerzeit ein Chorleiter – das gemeinsame Singen war nicht mehr möglich. So wurde der Chor 1964 auf unbestimmte Zeit beitragsfrei gestellt vom niedersächsischen Chorverband und ruhte - ein folgenreiches Unterfangen für einen lebendigen Chorkörper. 2012 wurde er wiederbelebt und sieht sich inzwischen als festen Bestandteil in Sachen Chorsingen im Dorf - und in der Gemeinde Wedemark erneut etabliert.

2015 organisierte der Wennebosteler Chor ein viel beachtetes Sängerfest zum 111-jährigen Bestehen. In den vergangenen fünf Jahren haben die Sänger 110 Übungsabende mit 220 Stunden absolviert und sind etwa 25-mal zu unterschiedlichen Anlässen aufgetreten; hinzu kamen ein Dutzend Ständchen zu Feiern im Dorf. Geübt wird in der ortsansässigen Gaststätte Bludau; die Familie unterstützt die Sänger, indem sie ihnen Klubraum oder Saal mietfrei zur Verfügung stellt.

Wer Interesse hat mitzusingen, bekommt weitere Informationen beim Vorsitzenden Fredy Krause, Telefon (05130) 8961, E-Mail fredy.krause@web.de, und bei seiner Stellvertreterin Sieglinde Lemke, Telefon (05130) 7822, E-Mail sieglinde.lemke@gmx.de.

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