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19:01 08.04.2015
Von Ursula Kallenbach
Quelle: dpa/Symbolbild
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Wedemark

Klaus Michalke, Geschäftsführer der Kreishand- werkerschaft Neustadt-Burgdorf mit 550 Mitgliedsbetrieben, sieht die Sache realistisch: „Wenn nicht der rechtliche Rahmen geschaffen ist, schrecken Betriebe davor zurück.“ Aber er beschreibt auch eine entscheidende Hürde in der Praxis: „Die ausländischen Jugendlichen sind da, und offiziell weiß es niemand.“

Auch die offenen Ausbildungsplätze sind da: aktuell circa 60. Aber wie finden die Beteiligten zueinander? Im Grunde sei ein Abgleich von Daten notwendig, für wie viele junge Flüchtlinge das Angebot überhaupt infrage komme, sagt Michalke. Doch schon an dem Punkt gebe es Probleme. „Früher haben die Dinge geklappt, wenn Menschen und Ämter miteinander gesprochen haben“, stellt er fest. An dieser Stelle sei jetzt der Datenschutz das Problem, das die jeweilige Kommune lösen müsse.

Gleichwohl könnte der Anstoß von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Wunder wirken. Damit möchte er auch die Forderung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks umsetzen. Vor ihm gaben schon andere Bundespolitiker dasselbe Signal. Doch Handwerk und Kommunen warten bislang weiter auf praktikable Lösungen.

Zu viele Schüler streben Abitur statt Ausbildung an

Das Problem für Ausbildungsbetriebe: Mehr als 50 Prozent einer Schülergeneration gehen heute den Weg in ihren künftigen Beruf über das Abitur. „Wir haben die bestausgebildete Generation, die wir je hatten“, verdeutlicht Michalke. „Die Anwahl und die Wertschätzung der Ausbildungsgänge und Berufe haben sich verschoben. Alle Eltern wollen, dass ihre Kinder Abitur machen.“ Diese gesellschaftliche Erscheinung trifft in den Folgen seit Jahren auch das Handwerk hart. „Wir kriegen sie nicht in die Arbeit“, konstatiert der Elzer Firmenchef und Innungsobermeister Andreas Jennert. Mit Bachelor- und Masterabschlüssen suchten sie keine Stellen in Handwerk und Gewerbe: „Wir haben eine Lern-Generation, aber keine Arbeitsgeneration mehr.“ Sein eigener Sohn, so der Sanitärfachmann, habe erst studiert, jetzt absolviere er eine Ausbildung.

Der Facharbeitermangel treibt die Betriebe schon lange um. Die Zuwanderung sei eine große Chance, die Lücken zu schließen und insgesamt die produzierenden Wirtschaftszweige stabil zu halten, erläutert Michalke. „Jetzt kommen aber junge Menschen in großer Zahl hierher und können keine Ausbildung anfangen“, klagt er. Kurzsichtig sei es, diese Chance nicht zu nutzen. „Selbst wenn die ausgebildeten Facharbeiter später nicht hierbleiben - sie können ihre Kenntnisse in ihrem Heimatland nutzen.“

Kommunen sollen Infos vertraulich liefern

Rein pragmatisch würde Jennert die Koordination angehen: „Die Gemeinde Wedemark hat eine Liste mit den Namen der Flüchtlinge. Die kann sie mir doch geben.“ Wenn nicht ihm direkt, könnte die Gemeinde dem ehrenamtlich zusammengesetzten Interkulturellen Treff in der Wedemark als Zwischenglied die Organisation übertragen, schlägt er vor. „Die Plätze in den Ausbildungsbetrieben andererseits stehen ja zur Verfügung, in der Handwerkskammer gibt es Listen. Es ist ein Problem der Koordination, potenzielle Azubis und Betriebe zusammenzubringen.“

Doch der gesetzliche Rahmen fehlt. Dazu würde auch gehören, die bislang ungesicherte Ausbildung dauerhaft zu finanzieren und den notwendigen Sprachunterricht zu gewährleisten.

Ausschließen würden die Handwerkssprecher keinen Berufszweig für ausländische Bewerber. Gebraucht würden nicht nur Techniker, auch Arzthelferinnen und Azubis beim Steuerberater. Die wesentliche Hürde sei die Sprache. Nur in Einzelfällen, so Michalke, könnten religiöse Gründe etwa im Fleischerhandwerk hinderlich sein.

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