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Umland Wedemark Nachrichten Erpresser zu Bewährungsstrafe verurteilt
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00:16 20.03.2016
Das Amtsgericht Burgwedel verurteilte den 28-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe. Quelle: Martin Lauber (Archiv)
Wedemark

Einen größeren Vertrauensmissbrauch und verletzenderen Eingriff in die Intimsphäre kann es kaum geben - da waren sich Amtsrichter Michael Siebrecht und die Staatsanwaltschaft am Donnerstag schnell einig.

Über ein Datingportal für homosexuelle Männer hatten sich der 28-jährige Hannoveraner und sein späteres Opfer - ein verheirateter Familienvater aus der Wedemark - im Herbst 2014 kennengelernt. Schnell kam es zum ersten persönlichen Treffen bei Rinteln - samt Sex im Auto. „Ich habe dabei Fotos von ihm gemacht“, gestand der Angeklagte am Donnerstag ein, beteuerte aber: „Ich mochte und mag ihn wirklich.“

Was sein Sexpartner damals nicht wusste: Der 28-Jährige ist spielsüchtig, war zur Tatzeit arbeitslos und hatte Schulden von mehr als 70.000 Euro in Spielotheken, bei Fußballwettanbietern und Freunden angehäuft. „Ich wusste mir nicht mehr zu helfen“, erklärte der Erpresser seine Motivation. „Sonst hätte ich ihm das nie angetan.“

50.000 Euro wollte er vom Familienvater erpressen - drohte unter falschem Namen bei Facebook damit, das Sex-Abenteuer öffentlich zu machen. „Deiner Familie alles Gute und den Kindern viel Spaß in der Schule“, zitierte der Richter.

Das Opfer zahlte schließlich 2300 Euro an seinen Peiniger und erfuhr bei der Übergabe auch, wer es da anonym erpresste. Allerdings erzählte der Angeklagte seinem Opfer, er werde selbst dazu genötigt, wolle das Geld nehmen, in der Spielbank vermehren und damit die Erpresser ruhigstellen.

Dem Geständnis des Angeklagten war es zu verdanken, dass sein Opfer nicht aussagen musste. „Es ist sehr traumatisierend, über solch intime, meist peinliche Dinge detailliert berichten zu müssen“, betonte Siebrecht die Wichtigkeit des Geständnisses.

Der Angeklagte zeigte wiederum nicht nur ein gehöriges Maß an Reue, sondern konnte auch einen unterschriebenen Arbeitsvertrag und die Bescheinigung über eine Suchttherapie vorlegen. Für einen besonderen Pluspunkt hatte zudem sein Opfer selbst gesorgt: Der Familienvater hatte bei Gericht angerufen und ließ seinem Erpresser alles Gute ausrichten sowie den Wunsch für ein mildes Urteil. „So etwas erlebt man nicht alle Tage“, unterstrich Siebrecht.

15 Monate auf Bewährung standen am Ende im Urteil, zuzüglich einer Zahlung von 3000 Euro an die Kindernothilfe. „Eigentlich hätten wir die Schadensregulierung als Auflage gesehen“, erklärte der Richter. „Allerdings haben Sie immer noch ein so gutes Verhältnis zum Opfer - welcher Art auch immer.“ Die Gefahr, dass das Opfer aus Nettigkeit dem Angeklagten die Schadensregulierung ohne Leistung quittiere, sei zu groß. Zudem beteuerte der Angeklagte ohnehin, die 2300 Euro dem Opfer zurückzahlen zu wollen.

Das Urteil akzeptierte der Angeklagte sofort. Es dürfte nicht das letzte für ihn gewesen sein: Der 28-Jährige muss sich für zwei weitere Delikte - gleicher Art kurze Zeit später - vor einem anderen Amtsgericht verantworten.

Von Carina Bahl

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