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Wedemark Umstrittenes Gewerbe in Gailhof: Gespräche gehen weiter
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Umstrittenes Gewerbe in Gailhof: Gespräche gehen weiter

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18:58 04.11.2019
In Gailhof soll nach dem Willen der Gemeindeverwaltung am Neuen Hessenweg neue Gewerbeflächen entstehen. Quelle: Archiv
Wedemark

Zur strittigen Gewerbeansiedlung am Dorfrand von Gailhof wollen die Wedemärker Gemeindeverwaltung einerseits und die Bürgerinitiative Gailhof/Meitze sowie der Bürgerverein Gailhof bei unterschiedlichen Positionen dennoch weiter sachlich an Lösungen für alle Beteiligten arbeiten. Dazu soll der Prozess der frühzeitigen öffentlichen Bürgerbeteiligung zu dem Vorhaben weiter genutzt werden.

Darauf haben sich beide Seiten jetzt in einem schon länger geplanten Gespräch im Rathaus verständigt. Für die Gemeinde beantworteten Bürgermeister Helge Zychlinski und Wirtschaftsförderin Antonia Hingler die Fragen der Gesprächspartner. Trotz unterschiedlicher Auffassungen der Gesprächsparteien waren laut einer anschließenden Presseinformation der Gemeinde „die Verwaltungsvertreter dennoch dankbar für die Hinweise aus Bürgerverein und –initiative. Sie können sicher sein, dass wir Ihre Hinweise für die weiteren Planungen abwägen werden und dann einfließen lassen“, versprach Zychlinski.

Zychlinski: Gemeinde nimmt Hinweise ernst

Außerdem zeigten sich Gemeindesprecher Ewald Nagel zufolge beide Parteien weiterhin gesprächsbereit – dies sei nicht das letzte Treffen. „Wir sehen eine gute Grundlage, um den Prozess der Bürgerbeteiligung weiterhin so intensiv betreiben zu können“, betonten Bürgermeister und Wirtschaftsförderin.

Aus Sicht des Bürgervereins Gailhof konnten in dem Gespräch „die Befürchtungen nicht ausgeräumt werden, dass sich ein Gewerbe- und Industriegebiet in der jetzt vorgeschlagenen Form und Größe massiv auf die Ortschaft Gailhof einschließlich Neuer Hessenweg auswirken würde“, sagte Sprecher Friedhelm Beimdieck auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Gemeinde verweise auf noch ausstehende Gutachten zu den Themen Immissionen, Verkehr, Flora und Fauna sowie Vorschläge des Planungsbüros. „Ich werte das Gespräch als ersten Schritt hin zu einer sachlichen Auseinandersetzung über die Planungen der Gemeinde am Standort Gailhof. Das Ergebnis ist offen“, sagte Beimdieck.

Initiativen monieren fehlende Antworten

In dem Gespräch habe es so gut wie keine neuen Informationen für die Bürgerinitiative Gailhof/Meitze gegeben, stellte auf Nachfrage dieser Zeitung deren Sprecher Axel Rönnecke fest. „Die dringendsten Fragen der BI wurden trotz acht Wochen Vorlauf leider nicht beantwortet. Gutachten zur Bewertung des Plangebietes, unter anderem das Schallgutachten, das von der Gemeinde bereits beauftragt sei, konnten noch nicht vorgelegt werden.“ Die BI, vertreten durch Rönnecke und Margarethe Garland, habe die Gemeinde auf die sich verschärfende Verkehrssituation an der Einmündung des Neuen Hessenweges auf die L310 und damit auf den Vorschlag des FDP-Ratsmitglieds Erik van der Vorm aus der jüngsten Gemeinderatssitzung hingewiesen. Der Freidemokrat hatte eine Alternativfläche gegenüber der Firma Ebeling ins Spiel gebracht.

„Die Gemeinde hinterließ bei der BI hierbei nicht den Eindruck, dass man sich derzeit gleichzeitig mit Alternativflächen zum Wohle der Menschen in Gailhof und Meitze auseinandersetzen wolle“, fasste Rönnecke zusammen. Dabei sei bereits jetzt hinter dem Hessenweg ein großes Industriegebiet in einem Landschaftsschutzgebiet entstanden. Beide führten zu starken Beeinträchtigungen der Anwohner, und eine Vergrößerung durch das Plangebiet würde die Größe des Ortes Gailhofs übersteigen.

Beide Seiten versprechen keine persönlichen Angriffe mehr

Die Verwaltungsspitze hob nach dem Gespräch hervor, dass sich beide Seiten darauf verständigten, die Diskussion an den Fakten zu führen, und sie die Verunglimpfungen von Verwaltungsmitarbeitern entschieden ablehnen. Solche habe es im Vorfeld und während der vergangenen Protestaktionen gegeben. Künftig sollen, so Gemeindesprecher Nagel, persönliche Angriffe auf Beteiligte etwa in sozialen Netzwerken oder über Flugblätter unterbleiben. „Die Vertreter der Initiativen sehen diese Angriffe selbst äußerst kritisch und sicherten zu, ihr Möglichstes zu tun, um solche Vorkommnisse zu vermeiden“, teilte Nagel mit.

Gleichwohl kündigte die BI Gailhof/Meitze gegenüber dieser Zeitung an, dass sie sich zu den von der Gemeinde monierten Verunglimpfungen und zu dem bisherigen Dialog mit der Verwaltungsspitze noch einmal in der nächsten Besprechung mit dem Bürgermeister äußern wolle. Diese solle nach Rönneckes Worten zeitnah noch in diesem Jahr stattfinden.

Notwendiger Ausbau oder unzumutbare Belastung?

Im Vorfeld des Gesprächs im Rathaus hatten die Gegner der geplanten Gewerbeansiedlung an der Straße Neuer Hessenweg schon im August einen umfangreichen Katalog kritischer Fragen an die Gemeindespitze geschickt. Die Verwaltung wiederum hatte erst kurzfristig zu dem Gespräch im Rathaus ihre Antwort auf neun Seiten an die BI und den Bürgerverein vorgelegt.

Darin vertritt Bürgermeister Helge Zychlinski noch einmal die Notwendigkeit für die gesamte Wedemark, den Wirtschaftsstandort auszubauen und Chancen zur Gestaltung zu ergreifen. „Natürlich bedeutet jedes Baugebiet – gleich welcher Art – immer auch eine Veränderung des Ortsbildes“, hieß es in dieser schriftlichen Antwort, die der Redaktion vorliegt. Für die Entwicklung des Gewerbestandortes sei es umso wichtiger, dass die Vorschriften zur Gestaltung „genauestens zu prüfen und in einem Bebauungsplan entsprechend festzusetzen sind“. Die Gemeinde nehme „maßgeblich in dem zu erstellenden B-Plan Einfluss auf die möglichen Entwicklungen in einem Gewerbegebiet. Zudem werden bestimmte Arten von Betrieben im Rahmen des Bauleitplanverfahrens ausgeschlossen werden“, versicherte die Verwaltungsspitze.

Die Gemeinde will im nördlichen Planbereich logistiknahe Unternehmen ansiedeln und erwähnte beispielsweise Firmen, die eigene Produkte an Endkunden vertreiben. Für die südlich gelegenen Flächen kämen vorrangig lokale Betriebe infrage, die sich vergrößern wollten. Dafür sind Flächen zwischen 1000 und 4000 Quadratmetern vorgesehen. Fast alle Grundstücksanfragen in der Wirtschaftsförderung entsprächen dieser Größenordnung.

Die Bürger aus Gailhof und Meitze hatten mit ihren Fragen und einer kurzen Stellungnahme gefordert „Gewerbe ja, aber an einem geeigneteren Standort“. Die Planung sehe nicht nur Gewerbe für klein- und mittelständische Unternehmen vor, sondern wolle „zudem für rund die Hälfte des Gebietes, den Nordteil in Richtung Meitze, ein Industriegebiet mit Logistik schaffen, das eine 24-Stunden-Lärm-, Emissions-und Verkehrsbelastung mit sich bringen kann“. Dies wäre, so die BI Gailhof/Meitze und der Bürgerverein Gailhof, „eine unzumutbare und unverhältnismäßige Belastung für Gailhof und auch Meitze“.

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