Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wedemark Klar wie Kloßbrühe: Schüler und Senioren an einem Tisch
Umland Wedemark Klar wie Kloßbrühe: Schüler und Senioren an einem Tisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 11.03.2019
An der Seite von Ernährungsberaterin Ulla Baustian (Mitte) checkt Drittklässlerin Tarja gern, was an Essen auf den Tisch kommt. Als freiwillige Seniorin steht diesmal Bettina Nebe (links) mit in der Küche. Quelle: Ursula Kallenbach
Brelingen

 Es ist nicht nur ein Turn- oder ein Kochprojekt für Schüler: „Klar wie Kloßbrühe“ bringt in Brelingen Generationen miteinander in Bewegung und gemeinsam an Töpfe und Mittagstisch. Lebensmittel einkaufen, zubereiten, Tischkultur, Gesundheit und Körperwahrnehmung im Alltag umfasst das Programm für 20 Grundschulkinder und zehn Senioren jeden Donnerstag im Kulturtreff Brelinger Mitte. Direkt nebenan können die Kinder vorher einkaufen und ihre Waren ohne viel Verpackung in die Küche der Brelinger Mitte tragen.

Genau zwei Stunden von 11 bis 13 Uhr kann das Projekt dort jeden Raum einnehmen, den es braucht – vom Abladen des Ranzens im Flur, Waschen der Hände und Umbinden der Schürzen, bis zum Schnippeln des Gemüses, Kochen und Füllen des Schokoladenpuddings in Gläser reicht die Palette. Gemeinsam bestücken sie den Servierwagen mit Geschirr, rücken Tische und Stühle zurecht und dekorieren das Ganze manierlich. In einem gesonderten Raum strecken und bewegen sich unter Anleitung inzwischen zehn Kinder in Übungen zur aufrechten Haltung. Die zehn Mädchen und Jungen, die diesmal turnen, decken auch den Tisch. Die Gruppen wechseln alle 14 Tage zwischen Bewegung und Küche. Die Küchenschürzen, die umgebunden werden, hat die Nähgruppe in der Brelinger Mitte für das Projekt hergestellt.

Drittklässler und Senioren finden in der Brelinger Mitte für ein Schulhalbjahr nicht nur am selben Essenstisch zusammen.

Eine Quiche soll heute auf die Teller kommen statt der erwarteten Pizza, dazu ein Chinakohl-Mandarinen-Apfel-Salat. Es wird eben saisonaler Kohl gekauft, sagt Grundschullehrerin Karin Düerkop, die das vielfach nachhaltige Projekt mit der Arbeitsgemeinschaft aus Drittklässlern in der Brelinger Schule organisiert. Tomaten – es gibt sie auch schon, aber erst im Schulgarten in der Frühlingsanzucht. Auch das lernen die Kinder. Neben Gartenbau und Kochen ist Mathe gefragt beim Abmessen und Berechnen der notwendigen Mengen für alle Beteiligten am Essen.

„Wir kultivieren auch das gemeinsame Beginnen bei Tisch. Es geht ganz viel um Erziehung und Bildung“, verdeutlicht die Lehrerin. Gemeinsam mit der Ernährungsberaterin Ulla Baustian hat sie sich den Hut aufgesetzt für die Ernährungs- und Kochschiene des Projekts, das in der AG Schüler aus den Klassen des dritten Jahrgangs mischt. Die Eltern an der Grundschule haben schon viele Rückmeldungen gegeben: „Sie unterstützen das Projekt total.“ Aber auch die Schüler können jedesmal eine Meinungsampel mit ihren Wertungen zum Mittagessen füttern: War es „gut“, „naja“ oder „schlecht“? Die Ergebnisse werden später in der Schule noch einmal besprochen. Die Schüler können aber auch die Rezepte mit nach Hause nehmen, und so soll es Haushalte geben in Brelingen, die seither bevorzugt leckere Ofenkartoffeln auf den Tisch bringen.

Projekt bringt Schule, Sportverein und Kulturverein zusammen

Das Projekt „Klar wie Kloßbrühe“ bringt die Grundschule, den Sportverein 1.FC Brelingen und den Kulturverein Brelinger Mitte zusammen. Teil des Konzepts, das die Vorsitzende des Kulturvereins, Bettina Arasin, für den Landessportbund koordiniert, ist das Bemühen um den Generationen übergreifenden Austausch. Aktiv begleitet Arasin mit Bärbel Wille vom Brelinger Sportverein jeweils die Bewegungsgruppe. In der Küche stellen sich wechselnd Senioren als freiwillige Helfer an die Seite der Kinder und sind beim gemeinsamen Essen mit am Tisch.

„In dieser familiären Situation wird auch Wissen über die Speisen ausgetauscht. Im Anschluss wird abgewaschen und gemeinsam eine Bewegungseinheit eingelegt, je nach Wetterlage draußen oder drinnen“, sagt Arasin. Ziel sei, den Spaß an der Gemeinschaft zu finden und die Vielfalt der Bewegungsmöglichkeiten im Alltag zu entdecken. Als Realität drückt aber auch, dass manche Schulkinder schon wieder den Bus um 13 Uhr erreichen müssen.

Modell für eine „Dorfmensa“ der Zukunft?

Das im Februar gestartete Projekt ist auf ein halbes Jahr angelegt und wird dokumentiert. Den größten Teil der Kosten von insgesamt 3940 Euro trägt der Landessportbund mit 3152 Euro. Der Edeka-Einkaufsmarkt nebenan steuert 500 Euro bei. Den örtlichen Biohof Rotermund-Hemme werden die AG-Kinder noch besuchen. Der Betrieb unterstützt das Projekt ebenfalls: Im Rahmen einer europäischen Bildungsinitiative gibt er Einblicke in die Produktion von Lebensmitteln.

Für die Grundschule Brelingen liefert das Projekt einen Erfahrungsvorlauf für den Ganztagsschulbetrieb, der 2020 beginnen soll. Dem Kulturverein Brelinger Mitte steht eine eigene Vision vor Augen. „Im Kulturverein könnte dann eine Dorfmensa entstehen, die innovative Akzente setzt“, sagt Bettina Arasin. Die Mitte-Küche kann jedenfalls punkten: Sie wurde im vergangenen Jahr renoviert. 

Von Ursula Kallenbach

Bei den „Fit & Gesund“-Aktionswochen von HAZ und NP erklären sechs Experten im City Center, wie man sich vor Schlaganfällen oder Burn-out schützt. Die kostenlosen Vorträge laufen vom 15. bis 22. März in den Räumen der City Apotheke jeweils um 18.30 Uhr.

08.03.2019

Wasserwachen, Sanitätsdienste und Schwimmausbildung im Wasser: Dies sind die wesentlichen Aktivitäten des DLRG Wedemark in 2018. Und die Rettungsschwimmer blicken bereits auf die kommende Saison.

07.03.2019

Auf dem Fahrrad ist am Mittwoch in Wennebostel ein Ladendieb vor der Polizei geflohen. Doch die Beamten haben den Mann nach kurzer Zeit festgenommen – und zahlreiche, gestohlene Gegenstände sichergestellt.

07.03.2019