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Wedemark Die Gemeinde braucht neue Gewerbeflächen
Umland Wedemark Die Gemeinde braucht neue Gewerbeflächen
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00:16 15.03.2019
Freude einerseits, Sorge andererseits: Im großen Gewerbegebiet Bissendorf und auch andernorts kann die Wirtschaftsförderin der Gemeinde, Antonia Hingler, aktuell keine freien Flächen anbieten. Quelle: Ursula Kallenbach
Wedemark

In dem großen Gewerbegebiet in Bissendorf ist kein Platz mehr, auf andere Flächen kann die Gemeinde zur Gewerbeentwicklung noch nicht zugreifen. Ein weiterer Zeitplan steht und fällt damit, ob Grundstückserwerb gelingt. Diese Situation setzt die Wirtschaftsförderin der Gemeinde, Antonia Hingler, unter erheblichen Druck. Sie kann nachfragenden Unternehmen aus der Wedemark und von außerhalb aktuell nichts bieten. Aber: Wie groß kann die Wohlfühlgemeinde Wedemark überhaupt noch denken?

Wirtschaftsförderin Antonia Hingler ist in der ganzen Wedemark unterwegs, um auch Betriebe zu besuchen und Gespräche mit Flächenanbietern zu führen. Quelle: Ursula Kallenbach

24 Anfragen von Firmen für Grundstückserwerb liegen aktuell auf dem Schreibtisch der Wirtschaftsförderin, 18 davon sind ansässige Wedemärker Betriebe, zumeist Familienunternehmen, die viele lokale Arbeitnehmer beschäftigen. „Sie merken, dass sie wachsen und umsiedeln wollen innerhalb der Gemeinde“, sagt Hingler. Die Bandbreite reiche vom Einzelhandel über verarbeitendes Gewerbe und Handwerk bis hin zu Dienstleistungen. „Es sind viele sehr spezialisierte mittelständische Unternehmen, Meister in ihrem Fach, die teils weltweit agieren. Sie sind auch deshalb so gut als kleine und mittelständische Unternehmen, weil sie flexibel reagieren können“, sagt die Wirtschaftsförderin.

Wie kann Gemeinde Betrieben Perspektive geben?

Die Gemeinde müsse Entwicklung ermöglichen, wenn die Betriebe sich nicht anderweitig umschauen sollen. „Das sind Unternehmen in teils zweiter und dritter Generation, die in der Wedemark bleiben wollen. Mit ihnen haben wir lokale Arbeitsplätze“, sagt Hingler.

Die Herausforderung sei, überhaupt die Flächen als Kommune selbst zu eigen zu haben und sie nicht an andere Investoren zu verlieren. Gewerbeflächen für mehr als einen Unternehmer zu schaffen, beschreibt Hingler als die vordringliche Herausforderung, oder anders: die derzeitige strategische Ausrichtung. „Wen kann ich zusammenbringen? Das ist die Frage. Auch bei privaten Eigentümern steckt mögliches Potential an Flächen“, sagt sie. So tut sie sich um, fährt im Gemeindegebiet herum, notiert Telefonkontakte von Schildern und nutzt sie für Nachfragen.

Welche Flächen können entwickelt werden?

Was ist mit den großen Entwicklungsflächen? Infrage kommen Gebiete in Elze, Berkhof und Gailhof/Meitze. Sie sind schon im Gemeindeentwicklungplan Wedemark von 2013 benannt, allerdings nicht politisch entschieden. In Elze geht es um die Erweiterung des Gewerbegebiets Farnkamp, wenn es zur Einigung mit dem Grundeigentümer kommt. „Ohne Flächen können wir nichts entwickeln“, stellt Hingler fest. Für Flächen in Berkhof, gegenüber dem Rewe-Zentrallager, wo es ebenfalls schon einen Bebauungsplan gibt, sieht die Wirtschaftsförderin mögliche Flächen, die realisiert werden könnten. Sie sei dort in Gesprächen. Ein erster Versuch von Bürgermeister Helge Zychlinski im Jahr 2016, am Neuen Hessenweg zwischen Gailhof und Meitze mit einem Investor für einen Logistikstandort unmittelbar vor den Dörfern ein Industriegebiet auf einer Fläche von rund 90.000 Quadratmetern zu schaffen, wurde nach massiven Bürgerprotesten zurückgenommen. Drei Hallen waren geplant – bis zu 15 Meter hoch. Die Dorfbewohner liefen Sturm.

Balance zwischen Wohn- und Gewerbebebauung wichtig

Die Argumente von damals haben auch heute noch Gewicht: Die Balance zwischen Wohn- und Gewerbebebauung in der Wedemark dürfe nicht verloren gehen, die Dörfer mit ihren Dorfrändern sollten doch noch sichtbar bleiben, und infrage kommende Gewerbeflächen sollten besser für angestammte, große Wedemärker Betriebe mit Ausdehnungsbedarf freigehalten werden.

„Das Gebiet steht als zukünftige Gewerbefläche im Gemeindeentwicklungsplan und wurde auch nie grundsätzlich in Zweifel gestellt. Die ursprünglichen Pläne des Investors sind vom Tisch. Wir stellen Überlegungen an, in welcher Form die dortigen Standortvorteile genutzt werden können“, bestätigt Bürgermeister Helge Zychlinski den heutigen Stand am Neuen Hessenweg. Mehr ins Detail möchte er öffentlich nicht gehen. „Wir brauchen noch einige Monate, um eine gewisse Klarheit zu bekommen, ob wir eine gute Lösung vorschlagen können. Da wären unausgegorene Wasserstandsmeldungen kontraproduktiv“, sagt Zychlinski.

Autobahnnähe ist der große Standortvorteil

Standortvorteile – hier wie dort – spielen für eine Kommune auch in Konkurrenz zu den Nachbarn eine entscheidende Rolle. „Wir liegen autobahnnah. Wie kann man diesen Standortvorteil so nutzen, dass er gewinnbringend ist?“, lautet die Suchfrage der Wirtschaftsförderin. In der Stabsstelle der Gemeinde sortiert sie seit 1. Juli 2018 die Probleme. Dabei sieht sie auch, dass der alte Gemeindeentwicklungsplan zu den Gewerbeflächen noch andere Punkte festhält als nur die wünschenswerte Ansiedlung, die Gewerbesteuereinnahmen bringt. Die Belastung durch Verkehr und Lärm sei ihr nicht egal, bestätigt Hingler. „Ich möchte nicht weitere Lkws quer durch die Wedemark fahren sehen.“

An politischen Vorstößen und auch Verwaltungsvorschlägen hat es indes nicht gefehlt. Seit 2016 und nach wie vor fordert der FDP-Ratsherr Erik van der Vorm, dass bestehende Landschaftsschutzgebiete in der Wedemark neu geordnet werden, damit entlang den Auf- und Abfahrten zur Autobahn weitere Gewerbeflächen ausgewiesen werden können. Dies Konzept allerdings geht nicht ohne die Region Hannover.

„Wie groß können wir noch denken?“ – so formuliert die Wirtschaftsförderin jetzt die Frage, die sich die Gemeinde Wedemark stelle. „Das Gute ist, die Wedemärker haben ja schon mal mitgedacht beim Gemeindeentwicklungsplan“, sagt sie. Und das soll nun der Weg sein, auf dem es weitergeht: Die Wedemärker sollen ihre Vorschläge äußern.

Wedemark will über Gewerbe diskutieren

Wie groß können wir noch denken? Diese Frage will die Gemeinde erneut – wie schon 2013 für den Gemeindeentwicklungsplan – gemeinsam mit den Wedemärkern öffentlich diskutieren. In ein paar Wochen, so Wirtschaftsförderin Antonia Hingler, wolle die Verwaltung alle Interessierten noch einmal neu einbinden. Es gehe nicht nur um die Gewerbeflächenentwicklung – viele andere Themen sollen abgefragt werden und zur Sprache kommen. Beteiligen sollen sich Bürger ebenso wie Unternehmen, wünscht sie sich. „Welche Optionen haben wir alle zusammen in der Wedemark? Land kann man nicht unendlich schaffen“, sagt Hingler.

Konstruktiv und zukunftsorientiert wolle man in diesem neuerlichen Prozess die unterschiedlichen Interessen in der Kommune versuchen, unter einen Hut zu bringen. Einzelfragen könnten sein: Wie stellen sich Betriebe die Unternehmensnachfolge vor? Welche Interessen und Möglichkeiten hat ein Arbeitnehmer im Mittelstand vor Ort? Oder: Welche Unternehmensausrichtungen wünschen sich die Wedemärker bei Ansiedlungen? Und wie sehen sie den Zielkonflikt zwischen Wirtschaft und Natur?

Von Ursula Kallenbach

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