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Wedemark Wedemark ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes
Umland Wedemark Wedemark ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes
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00:17 20.09.2018
Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (links), Helge Zychlinski und Ursula Schwertmann nehmen die mit Wedemärker Raseneisenstein sanierte Brücke wieder in Betrieb.
Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz (links), Helge Zychlinski und Ursula Schwertmann nehmen die mit Wedemärker Raseneisenstein sanierte Brücke wieder in Betrieb. Quelle: Ewald Nagel (Gemeinde Wedemark)
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Wedemark/Dessau-Wörlitz

„Es ist erreicht“, soll einst Kaiser Wilhelm ausgerufen haben, als er seine vermeintlich männliche Barttracht im Spiegel inspizierte und ihr fortan den Namen gab. Gleiches kann nun auch Helge Zychlinski tun – natürlich unter ganz anderen Vorzeichen und Hintergründen, gemeint ist also nicht der Bart des Bürgermeisters der Wedemark. Vielmehr liefert die Gemeinde quasi die Grundlage für den Erhalt eines Unesco-Weltkulturerbes: Wedemärker Raseneisenstein ist Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs geworden.

Raseneisenstein aus Gailhof stützt nun eine Unesco-Brücke.

Nun wurde im nördlichen Teil dieser Anlage in Sachsen-Anhalt die historische „Hohe Brücke“ nach umfassender Restaurierung wieder in Betrieb genommen. Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist eine europaweit bedeutende Kulturlandschaft und besteht aus mehreren Bauten und Landschaftsparks nach englischem Vorbild. Es umfasst heute eine Fläche von 142 Quadratkilometer entlang der Elbe im Biosphärenreservat Mittelelbe.

Und mit dabei war auch Wedemarks Bürgermeister und, zum Ende ihrer Dienstzeit am vorletzten Arbeitstag als Umweltschutzbeauftragte der Gemeinde auch Ursula Schwertmann. Das hat auch einen „gewichtigen Grund“. Denn im Sommer 2017 spendeten Landwirte aus Gailhof für das Bauwerk Raseneisensteine, die sie zuvor etwa von ihren Äckern aufgeklaubt hatten. Jetzt ist die Brücke fertig und für das Publikum wieder begehbar.

Rückblick: Das Hochwasser im Jahr 2013 hatte am denkmalgeschützten Bauwerk erhebliche Schäden angerichtet. Mit Fördergeld aus einem Hilfsfond von Bund und Ländern wurde sie drei Jahre lang zeitaufwendig saniert. Die besondere Herausforderung bei der 1786 erbauten Brücke bestand aber darin, dass sie von den Erbauern mit Raseneisensteinen verkleidet worden war. Die Restauratoren fanden seinerzeit jedoch kein Ersatzmaterial in der näheren Umgebung. Denn es wurden etliche Kubikmeter des dunklen und unregelmäßig strukturierten Raseneisensteins benötigt. Den selten gewordenen Rohstoff fanden die Brückenretter aber dann im vergangenen Jahr in der Wedemark. Annette Scholtka, Chefin für die Baudenkmalpflege bei der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, spazierte privat durch die Feldmark in Gailhof. Dabei entdeckte sie am Wegesrand Haufen mit Raseneisensteinen. Dass dieser früher auch in der Wedemark häufiger verwendete Baustoff – zum Beispiel im Fundament der Bissendorfer Kirche – nun zu diesen neuen Ehren kommt, ist exakt diesem Zufall zu verdanken. „Auf Vermittlung der Gemeindeverwaltung spendeten Landwirte zwei Lastwagen-Ladungen voll mit dem dringend benötigten Baumaterial“, berichtet nun Gemeindesprecher Ewald Nagel.

Auf Einladung der Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Brigitte Mang, nahmen Zychlinski und Schwertmann jetzt an der feierlichen Wiedereröffnung des Baudenkmals teil. „Es freut uns, dass die Wedemark Teil dieser großartigen Anlage geworden ist. Das macht uns sehr stolz und wir konnten mit einer kleinen Maßnahme helfen“, sagte Zychlinski. Und Schwertmann versprach: „Ich komme im nächsten Jahr wieder und schaue mir es noch einmal mit Wasser an.“ Denn derzeit führt diese Brücke, wie fast alle im Park, über einen wegen der Dürre ausgetrockneten Kanal.

Von Sven Warnecke