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Wedemark Junge Migrantinnen lernen in Mellendorf schwimmen
Umland Wedemark

Wedemark Junge Migrantinnen lernen schwimmen und verlieren die Angst vor dem Wasser

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16:44 11.08.2019
Stolz auf ihre Leistungen sind die jungen Damen am Ende des Schwimmkurses im Spaßbad Mellendorf. Quelle: Ursula Kallenbach
Mellendorf

Sie sind alle als Kinder auf dem Seeweg geflüchtet – und bringen ihre Ängste vor Wasser mit. Nun haben neun Mädchen aus kurdischen und jesidischen Familien im Spaßbad Mellendorf ihre ersten Schwimmabzeichen abgelegt. Die Region Hannover fördert das Projekt der Volkshochschule.

Nach zwei Wochen Schwimmunterricht, täglich eine Dreiviertelstunde, sind die jungen Damen sichtlich stolz auf ihre Erfolge: Das Seepferdchen und das bronzene Schwimmabzeichen haben sie geschafft – aber eigentlich noch so viel mehr. Lachend am Beckenrand im Wasser stellen sich in Badekleidung fast alle einem Foto. Noch kurz vor diesem offiziellen Abschluss wusste die Koordinatorin Lisa Hartmann von der Volkshochschule nicht zu sagen, ob die Mädchen mit muslimischem Familienhintergrund in dem öffentlichen Freibad in Burkinis antreten würden.

Burkinis sind zu unpraktisch

„Es haben Mädchen mitgemacht, die in Burkinis geschwommen sind, aber ohne Kopftuch. Das war ihre freie Entscheidung“, erläutert Hartmann, die einen solchen Kurs auch 2018 in Mellendorf organisierte. Irgendwann hätten die Schwimmerinnen aber festgestellt, dass die traditionelle Bekleidung zu unpraktisch war. Gleichwohl: Den Mädchen werde vieles von den Familien vorgegeben, sagt Hartmann. Die Betreuer müssten sensibel damit umgehen.

Bei Bedarf geht VHS-Kursus weiter

Die Familien kommen aus Afghanistan, Irak und Syrien; vier der jungen Frauen – sie sind zwischen 14 und 18 Jahre alt – leben erst seit einem Jahr in Deutschland. Der Kurs für jugendliche Migrantinnen wurde wieder über die VHS Hannover-Land angeboten. Gemeldet waren 14 Interessenten, auf neun bis zehn Teilnehmer war der Kurs begrenzt. „Ich musste einige abweisen, einige sind auch vorher abgesprungen“, berichtet Hartmann. „Wenn der Bedarf weiter da ist, setzen wir das fort“, stellte Liane Kébreau für die VHS-Geschäftsstelle in Bissendorf in Aussicht.

Für die Region ist Projektleiterin Stefanie Baier (von links) mit Liane Kébreau und Lisa Hartmann bei dem Migranten-Schwimmkursus stolz auf die Erfolge. Quelle: Ursula Kallenbach

Gemeinsam mit einem Sozialarbeiter der Gemeinde Wedemark band die Koordinatorin Lisa Hartmann den Kreis der Teilnehmerinnen zusammen. „Viele kenne ich aus den Schulen und anderen VHS-Kursen oder Veranstaltungen“, sagt sie. Es sei etwas Besonderes in der Wedemark, dass die Jugendlichen den Betreuern bekannt sind. Es gebe ein Netzwerk der Migranten-Begleitung.

Viele Elterngespräche erforderlich

Ein großer Teil der Betreuungsarbeit für solche Schwimmkurse muss zuverlässig vor Kursbeginn geleistet sein. „Im Vorfeld müssen wir viel mit den Eltern sprechen. Wir müssen darauf achten und sicherstellen, dass die Teilnehmerinnen dann regelmäßig kommen und pünktlich sind“, verdeutlicht die Organisatorin. Der Schwimmunterricht war an den Wochentagen von 9.30 bis 10.15 Uhr angesetzt, nur dienstags am Nachmittag. Dabei, so lautet die Verabredung, sollen Eltern oder weitere Familienmitglieder die Mädchen nicht begleiten.

Hoch verbindlich und erfolgreich

Die Erfolgsquote, dass die Teilnehmer ein Schwimmabzeichen aus diesem Kursus mit nach Hause nehmen, liegt den Veranstaltern zufolge hoch, bei nämlich etwa 80 Prozent. Grundlage dafür ist eben auch die hohe Verbindlichkeit, die eingefordert wird. „Sie müssen pünktlich sein und sich entschuldigen, wenn sie nicht kommen können“, verdeutlicht Hartmann. Dafür müssten andererseits die Betreuer viel Zeit zu Gesprächen mitbringen und Nähe sowie Vertrauen schaffen.

Als Rettungsschwimmer geht’s weiter

Die Brüder Fouad (von links) und Bosch Selo sind inzwischen Rettungsschwimmer der DLRG und Ausbilder - und Vorbilder für Teilnehmer an Schwimmkursen für Migranten. Quelle: Ursula Kallenbach

Fouad und Bosch Selo sind inzwischen als Rettungsschwimmer in Wachdiensten an Seen der Region und als Ausbilder unterwegs. Die beiden jungen Brüder waren 2016 die ersten Migranten in einem solchen Schwimm-Projekt der Region Hannover, gewannen Spaß am Schwimmen und ließen bei der DLRG ihre Ausbildung folgen. „Sie sind auch Vorbilder für alle, die jetzt schwimmen lernen“, betont die VHS-Geschäftsstellenleiterin in der Wedemark. Auch einige der Kurs-Absolventinnen möchten weiter bei der DLRG im Verein schwimmen und – vielleicht auch Rettungsschwimmerinnen werden.

Region: Miteinander in Toleranz

Der große Rahmen heißt: Miteinander in Toleranz. Darin fördert die Region Hannover Projekte in den Kommunen zu unterschiedlichen Themenfeldern mit Migranten. Der jetzt abgeschlossene Schwimmkurs in der Wedemark ist das siebte Projekt Schwimmen, das die Region finanziert. Mit 2400 bis 2900 Euro beziffert die Projektleiterin bei der Region, Stefanie Baier, ein solches Einzelvorhaben.

Der Betrag umfasst die Kosten für die Schwimmbad-Nutzung und den Einsatz der qualifizierten Schwimmlehrerin vor Ort sowie die Honorare für die Mentoren und Betreuer. Neben dem eigentlichen Schwimmen sind auch die Baderegeln und das kulturelle Verhalten in öffentlichen Bädern Teil des Unterrichts. Je nach Kurs spricht die Region Teilnehmer zwischen 14 und 26 Jahren an.

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Von Ursula Kallenbach

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