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Wedemark Hähnchenmast in Elze: Nabu und Tierschützer protestieren vor Gerichtsverhandlung
Umland Wedemark

Wedemark: Protest gegen Hähnchenmast in Elze

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19:06 27.11.2019
Knapp 50 Teilnehmer haben sich vor dem Verwaltungsgericht in Hannover zu einem Protest gegen die geplante Erweiterung einer Hähnchenmastanlage in Elze versammelt. Quelle: Sven Warnecke
Wedemark/Hannover

Das Verwaltungsgericht Hannover hat am Mittwoch über die Pläne eines Landwirts aus Elze in der Wedemark verhandelt, der seine Hähnchenmast erweitern möchte. Erst gegen 17.30 Uhr zog sich das Gericht unter Vorsitz von Andreas Kleine-Tebbe nach mehrstündiger Verhandlung zur Beratung zurück. Diese könne bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen, kündigte der Richter zunächst an. Eine Entscheidung des Gerichts wurde dann schließlich vertagt. Sie soll am 19. Dezember ohne weitere Anhörung verkündet werden.

Knapp 50 Mitglieder diverser Natur- und Tierschutzorganisationen hatten sich vor dem Verwaltungsgericht versammelt. Mit Plakaten protestierten sie gegen die Pläne des Landwirts. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Miriam Staudte sprach zu den Demonstranten.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Andreas Kleine-Tebbe verhandelte den Eilantrag des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen gegen die von der Region Hannover erlassene immissionsschutzrechtliche Genehmigung zur Erweiterung des landwirtschaftlichen Betriebs.

Die Genehmigung sieht die Erweiterung um 85.000 auf dann 160.000 Mastplätze vor. Der Nabu kritisiert unter anderem, dass die Region im Vorfeld unzureichend die zu erwartenden Ammoniak-, Stickstoff-, Geruchs- und Bioaerosol-Emissionen bewertet habe. Gleichzeitig moniert er, dass gegen bauplanungs- und bauordnungsrechtliche Vorgaben verstoßen wurde.

Hat die Region nicht ausreichend geprüft?

Gegen die Genehmigung der Region Hannover zum sogenannten Sofortvollzug der Baugenehmigung hatte der Nabu in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Contra Industriehuhn Wedemark (CIW) im Juni einen Eilantrag gestellt, damit ihr eingelegter Widerspruch weiter aufschiebende Wirkung hat. Rechtsanwalt Peter Kremer aus Berlin vertrat die Kläger vor dem Verwaltungsgericht.

Tier- und Naturschützer sorgen sich um die Folgen für die Umwelt, wenn in Elze in der Wedemark ein Hähnchenmastbetrieb seine Kapazität erweitern darf.

Die Kläger monieren unter anderem, dass die in dem Stall geplanten Filter die Schadstoffe und Gerüche nicht ausreichend gut zurückhalten würden. Zudem bezweifeln sie, dass der Landwirt für die Stallerweiterung die dafür erforderliche Futterfläche vorweisen kann. „Die Einstufung als landwirtschaftlich privilegierter Betrieb muss an ausreichende eigene beziehungsweise gepachtete Flächen gebunden sein“, erläuterte Elke Meier, Nabu-Fachbereichsleitung Naturschutz. „Es ist aus unserer Sicht nicht im Sinne der Verordnung, wenn diese Flächen schon für andere Ställe oder Biogasanlagen angegeben wurden.“

Jurist Kremer listete in der Verhandlung als weiteren Fehler auf, dass die Region vor der Genehmigung nicht hinreichend geprüft habe, ob es in dem Gebiet geschützte Biotope gebe.

Mastgegner: Multiresistente Keime bedrohen Mensch und Tier

„Viele Genehmigungen beruhen auf veralteten Gesetzen und Verordnungen. Für wichtige Umweltaspekte, beispielsweise für den Austritt von Bioaerosolen in die Umwelt, gibt es noch keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte“, sagte die Tierärztin und CIW-Vorsitzende Claudia Preuß-Ueberschär. Insbesondere die Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch multiresistente Keime und Antibiotikarückstände in der Umwelt würde trotz neuerer Kenntnisse immer noch nicht ausreichend berücksichtigt.

Sie sprach von einem Post-Antibiotika-Zeitalter und der daraus resultierenden Gefahr eines Tsunamis, der auf die Menschheit zurolle. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf. „Damit ist diese Verhandlung nicht nur für die Region Hannover von großer Bedeutung“, sagte Preuß-Ueberschär.  

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Von Sven Warnecke

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