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Wedemark Kein Anschluss ans Glasfasernetz: Anwohner der Siedlung in Berkhof wollen nicht aufgeben
Umland Wedemark

Wedemark: Siedlung Auf den Raden in Berkhof kämpft um Glasfaseranschluss

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13:26 05.02.2020
Die Anwohner aus der Siedlung Auf den Raden sind verärgert, weil sie keinen Hausanschluss für Glasfaser bekommen. Bernd Malinowski (links) und Imbke Dösselmann (rechts) zeigen auf die Stellen im Boden, wo die Leerrohre für das Turbointernet liegen sollen. Alexander Ramos (stehend von links), Holger Borkenhagen, Dominik Reineke, Raphaela Röser, Benjamin Drescher, Lena Kiegeland und Kirsten Kiegeland wollen eigentlich einen schnellen Internet-Anschluss haben. Quelle: Julia Gödde-Polley
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Berkhof

Sie zeigen auf zwei kleine, pinke Punkte auf dem Pflaster der Einfahrt. Unter dem bereits wieder verschlossenen Boden liegt nach Auskunft der Anwohner der Siedlung Auf den Raden zwischen Berkhof und Plumhof ein Leerrohr für Glasfaser – direkt vor ihrer Haustür. Können die Menschen dort künftig im Turbointernet surfen? Nein, denn die acht Häuser entlang der Straße sollen vorerst nicht an das Glasfasernetz angeschlossen werden – aus wirtschaftlichen Gründen. Das sorgt bei den Betroffenen für Frust.

Die Anwohner wussten zunächst nicht, was passiert, als die Bauarbeiter Ende vergangenen Jahres plötzlich anrückten. „Die haben hier einfach gearbeitet. Wir wussten nicht, was das ist“, berichtet Lena Kiegeland. Erst auf Nachfragen hätten sie von der beauftragten Firma die Information bekommen, dass die Arbeiten mit dem flächendeckenden Glasfaserausbau von HTP und Deutsche Glasfaser zusammenhängen. Ein Rohrende ragt nach den Arbeiten am Ortsausgang von Berkhof in Richtung der Siedlung noch am Straßenrand aus dem Acker. Ansonsten sind die Arbeiten entlang der Straße bereits abgeschlossen – ohne Anschlüsse für die Häuser in der Enklave.

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Die Leitung verläuft fast vor der Haustür entlang, doch einen Hausanschluss mit Glasfaser sollen die Anwohner in der Siedlung Auf den Raden nicht bekommen – vorerst nicht. Ein Besuch.

Für jedes der acht Häuser mindestens einen Antrag gestellt

Doch die Anwohner, die meisten sind nach eigenen Angaben bereits Kunden bei HTP, möchten künftig mit noch höherer Geschwindigkeit im Internet unterwegs sein können. Für jedes der acht Häuser sei mindestens ein Antrag für einen Glasfaser-Anschluss innerhalb der vorgegebenen Frist, die Mitte Oktober endete, eingereicht worden, sagen sie.

Zuvor hatten einige der Eigentümer die von den beiden Unternehmen angebotene Informationsveranstaltung in Elze besucht. Dort seien sie jedoch noch davon ausgegangen, „dass wir Berkhofer sind“, sagt Imbke Dösselmann. Es sei aus dem Vortrag nicht hervorgegangen, dass HTP und Deutsche Glasfaser für ihre Häuser zunächst keinen Anschluss vorsehen würden.

Erst bei der Veranstaltung in Oegenbostel im September sei ihnen mitgeteilt worden, dass keine Leitung nach Plumhof verlegt werden müsse und ihre Häuser als Enklave eingestuft werden würden. „Und dann passierte nichts“, sagt die 23-jährige Kiegeland. Die Betroffenen hatten zudem die Wirtschaftsförderin der Gemeinde Wedemark angeschrieben. Dösselmann wartet nach eigenen Angaben jedoch bis heute auf eine Antwort aus dem Rathaus.

Absage aus wirtschaftlichen Gründen

Nachdem die Bauarbeiter vor ihrer Haustür aktiv waren, wandten sich die Anwohner hoffnungsvoll an HTP und Deutsche Glasfaser. „Dann begann die Zeit, in der ich zweimal wöchentlich bei HTP angerufen habe“, erzählt die 40-jährige Dösselmann. Die endgültige Absage für einen Glasfaser-Hausanschluss kam kurz vor Weihnachten – aus wirtschaftlichen Gründen, hieß es dann. Doch nicht alle der Anwohner haben eine schriftliche Absage bekommen. Einige von ihnen erhielten bis heute keine Rückmeldung auf ihren eingereichten Antrag.

Ausbau mit Fördergeld möglich?

HTP-Sprecherin Kathrin Mackensen bestätigt auf Nachfrage, dass die Häuser in der Siedlung Auf den Raden zu den 309 Adressen in der Wedemark gehörten, „die im aktuellen Projekt nicht ausgebaut werden“. Gleiches gelte für Ibsingen.

Nachdem jedoch die aktuelle Ausbauphase fertiggestellt ist, sollen die betroffenen Häuser betrachtet werden. Ob diese dann vielleicht etwa mithilfe von Fördergeld erschlossen werden, „können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“. Finanzielle Unterstützung muss Mackensens Angaben zufolge von der Gemeinde, der Region Hannover oder dem Land Niedersachsen kommen. Das Unternehmen selbst habe zwar Verständnis für den Unmut der Anwohner, bittet diese aber um Geduld. Grundsätzlich gelte bei einem eigenwirtschaftlichen Ausbau, „dass die größte Anzahl an Adressen definiert wird, die in Relation von Kosten zu Kundenpotenzial möglich ist“, schreibt Mackensen.

Deutsche Glasfaser: Anschluss an Leitung ist technisch nicht möglich

Doch da gibt es ein weiteres Problem: Die Deutsche Glasfaser, die für die Bauarbeiten zuständig ist, bestätigt, dass ein Leerrohr für Glasfaser durch die Siedlung verläuft. Dieses verbindet seit Mitte Dezember Berkhof und Plumhof miteinander. Doch von der sogenannten Backbone-Leitung sei es unter gewissen Umständen technisch nicht möglich, Haushalte anzuschließen, schreibt ein Sprecher auf Nachfrage. Diese Leitung sei an der Stelle jedoch notwendig, weil sie mehr Fasern fassen könne. Ursprünglich sei geplant gewesen, für den Anschluss der Ortschaft Plumhof an das Netz ein bereits vorhandenes Leerrohr von HTP entlang der Bahnlinie zu nutzen. Dann wäre ein durch die Siedlung verlegtes Kabel auch gar nicht nötig gewesen. Doch der Durchmesser des Rohres sei nicht groß genug, könne nicht genügend Fasern fassen, heißt es von dem Sprecher.

Anwohner: Glasfaser-Anschluss ist in Zukunft notwendig

Aufgeben wollen die Betroffenen nicht. „Ich bin nicht gewillt, irgendwann 3000 Euro für einen Anschluss zu zahlen, nur weil irgendjemand nicht in der Lage war, das Projekt vernünftig auszuführen“, sagt Dösselmann. Künftig sei ein Glasfaser-Anschluss notwendig. Da sind sich die Anwohner absolut sicher. Auch bei einem Verkauf ihrer Immobilien sei dies ein Faktor. „Das ist für mich der Hauptgrund“, sagt Holger Borkenhagen. Auch für Mieter sei schnelles Internet ein wichtiges Kriterium, ergänzt Kiegeland.

Schon jetzt Schwierigkeiten mit dem Internet

Schon jetzt kämpfen die Menschen entlang der beschaulichen Straße in der Siedlung mit Funklöchern der verschiedenen Mobilfunkanbieter. Dies mache wiederum den Anschluss zu Hause umso wichtiger. Aber auch mit den DSL-Anschlüssen komme man an die Grenzen. Dominik Reineke berichtet aus seinem Alltag, dass es nicht möglich sei, den Fernseher und das Tablet parallel laufen zu lassen. Dann hake der Anschluss. „Smart-Home möchte ich hier nicht machen.“ Imbke Dösselmann fasst das Ansinnen der Anwohner mit einem Satz zusammen: „Wir wollen hier nicht den Anschluss verlieren“.

Turbo-Internet für die Wedemark? Alle Informationen im Überblick

Bleiben Sie immer auf dem Laufenden: Auf unserer Themenseite finden Sie laufend aktuelle Informationen zum Glasfaserausbau.

Von Julia Gödde-Polley

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