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Wedemark „Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass ich 20 Jahre in Mellendorf bleibe“
Umland Wedemark

Wedemark: Swantje Klapper wechselt vom Gymnasium in den Ruhestand

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12:54 12.07.2019
Schulleiterin Swantje Klapper in ihrem Büro auf dem Campus W in Mellendorf. Quelle: Julia Gödde-Polley
Mellendorf

 „Man soll dann gehen, wenn es am schönsten ist und nicht, wenn man rausgeschmissen wird“, sagt Swantje Klapper. Die Schulleiterin des Gymnasiums Mellendorf sitzt in ihrem Büro, blickt auf das Treiben auf dem Schulhof und lässt die vergangenen Jahre Revue passieren. Die 63-Jährige hat einiges erlebt: Seit 1. Februar 2000 ist sie an der Schule, seit April 2003 als Leiterin. Jeden Tag ist sie seitdem auf der L 190 von ihrem Wohnort in der Nähe von Walsrode in die Wedemark gefahren. Doch am 3. Juli ist Schluss: Dann hat Klapper ihren letzten Schultag und geht in den Ruhestand. Bereits am 2. Juli wird sie als „Königin der Löwen“ offiziell verabschiedet.

„Ich finde es toll, wie sich die Schule entwickelt hat“, fasst sie ihre Bilanz mit einem Satz zusammen. Als sie nach Mellendorf kam, sei das Gymnasium nur knapp halb so groß gewesen wie heute. Inzwischen hat die Schule circa 1000 Schüler von der fünften bis zur zwölften Klasse und 86 Lehrer, sagt Klapper nicht ohne Stolz. Auch einen starken Personalwechsel habe sie erlebt:„Bis auf einen habe ich alle Lehrer eingestellt.“

Der Neubau war eine Herausforderung

In ihre Zeit als Schulleiterin fiel auch der Neubau des Schulzentrums. „Das neue Gebäude war eine große Herausforderung“, sagt sie rückblickend. Doch die Schulleitung habe die Planung und den Umzug mitgestalten können. „Es ist schön, dass ich das erleben durfte in meiner Zeit.“ Nur der Übergang vom alten Gebäude, das anschließend abgerissen wurde, ins neue Haus sei eine schwierige Zeit gewesen – knapp vier Jahre war das Gelände eine Baustelle. Aber: „Es hat sich gelohnt.“ Die Begrüßung der Schüler in den neuen Räumen sei „wirklich toll“ gewesen.

Auf dem Weg zu den Unterrichtsräumen im zweiten Obergeschoss spricht Klapper einen ihrer Schüler persönlich an. Kennt sie denn alle Namen? „Ja, das wird mir nachgesagt“, sagt sie mit einem Lachen. An der Schule werde jeder Einzelne zu Beginn der fünften Klasse begrüßt und nach dem Abitur persönlich verabschiedet – es sei schön, wenn man sich kenne. Sie schaut sich die bunten Plakate an den Flurwänden an – eine Tradition an der Schule. Die Abiturienten bekommen vor den Prüfungen ein Plakat von den Angehörigen, auf denen diese viel Glück wünschen, erzählt Klapper.

Schulleiter-Leben: Ein Job mit zwei unterschiedlichen Welten

Und wo ist der Lieblingsplatz der Leiterin im Gebäude? „Oben im Unterrichtsbereich“, sagt Klapper wieder im Büro sitzend und fügt hinzu: „Weil da die Menschen sind.“ Wo die Schüler sind, sei es immer am schönsten. Klapper ist nach eigenen Angaben auch gerne mit Lehrern zusammen, aber es sei anders. „Ich habe Glück gehabt, dass ich in den letzten zwei Jahren noch mal einen Leistungskurs in Mathe hatte“, sagt die gebürtige Hannoveranerin. Das Unterrichten ist ihr – trotz Konferenzen, Gesprächen mit Lehrern, Schulträgern und dem Land – immer wichtig gewesen. Das seien zwei unterschiedliche Welten, die sich gut ergänzten. „Ich bin gerne in den Unterricht gegangen. Das hat mir immer Spaß gemacht.“

Schon als kleines Mädchen wollte Klapper Lehrerin werden. „Lehrer waren für mich immer Vorbilder.“ Nach dem Abitur in Langenhagen wechselte sie für das Studium nach Göttingen. Dort hat sie ihre Lieblingsfächer studiert – Mathe, Russisch und Sport. 1982 hat sie ihr Referendariat in Mathe und Russisch begonnen. Dann gab es einen Einstellungsstopp an den niedersächsischen Schulen. Sieben Jahre war sie deshalb als „Feuerwehrkraft“ mit befristeten Verträgen tätig. „Das war eine schwierige Zeit“, sagt Klapper. Damals hätten wenige Menschen Verständnis dafür gehabt, dass sie als Frau arbeiten wolle: „Sie haben doch drei Kinder. Kümmern Sie sich um ihre Kinder, hieß es immer wieder.“ 1990 ist Klapper dann als Beamtin in den Schuldienst eingetreten. Von 1991 bis 1996 war die ganze Familie in Kairo. Klapper hat dort an der deutschen Schule unterrichtet. Im Anschluss hat die heute heute 63-Jährige ihre erste Planstelle am Gymnasium in Walsrode angetreten. Seit 2000 ist sie in Mellendorf im Leitungsteam – als erste Frau.

Klapper will Entwicklungen an Schule verfolgen

„Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass ich 20 Jahre in Mellendorf bleibe. Es hat sich alles so gefügt.“ Doch jetzt heißt es Abschied nehmen – auch, wenn Klapper noch drei Jahre weiterarbeiten könnte. Doch ihr Mann – ebenfalls Schulleiter in Walsrode – muss in den Ruhestand gehen. „Und ich gehe mit“, sagt die 63-Jährige. „Wir haben alles gemeinsam gemacht.“ Sie sei gespannt, auf das, was jetzt komme. „Was mir wirklich guttut und wahrscheinlich auch fehlen wird ist das Volk da draußen“, sagt Klapper mit Blick auf den Schulhof, auf dem sich die Schüler tummeln. Die große Pause hat gerade begonnen.

Auch in Zukunft will Klapper die Entwicklung der Schule verfolgen. „Es interessiert mich natürlich brennend, wie es hier weitergeht – aber ich werde mich nicht einmischen.“ Sie will eine Beobachterin von außen sein. Und welchen Wunsch hat sie für das Gymnasium? „Ich wünsche mir für diese Schule, dass sie Informatik einführen kann. Dann haben wir hier alles“, sagt Klapper. Dies ist das einzige Fach, das die Schule derzeit nicht anbieten könne.

Keine konkreten Pläne für die Zukunft

Und welche Pläne hat sie für ihre eigene Zukunft? „Wir sind völlig planlos“, sagt die Schulleiterin und lacht. „Das macht die Sache so spannend.“ Sie und ihr Mann wollen auf jeden Fall ihre drei Kinder – zwei Söhne und eine Tochter – und inzwischen fünf Enkelkinder besuchen, die alle im Ausland wohnen. Ansonsten wollen sie gemeinsam entscheiden, was sie machen. Nach dem letzten Schultag muss Klapper erst mal ihr Büro ausräumen. Am 31. Juli gibt sie dann die Schlüssel ab.

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