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Wedemark Kläranlage braucht große Lagerhalle
Umland Wedemark Kläranlage braucht große Lagerhalle
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14:52 14.09.2018
An dieser Stelle wird die neue Halle gebaut, zeigt Mitarbeiter Frank Bremeyer. Quelle: Kallenbach
Bissendorf

Auf dem Gelände des Klärwerks in Bissendorf wird zurzeit für eine Million Euro eine Lagerhalle gebaut, die auf 450 Quadratmetern Fläche Entsorgungsschlamm aus der Abwasser-Entsorgung aufnimmt und trocknen kann. Politik und Verwaltung haben diesen Schritt in guter Voraussicht geplant.

Auf einvernehmlichen Ratsbeschluss – hat die Gemeinde Trinkwasser und Abwasser seit 1. Juli wieder komplett in die kommunale Eigenregie übernommen. Zwölf Millionen Euro insgesamt investiert die Gemeinde mit ihrer alleinigen Tochtergesellschaft Wedemark Abwasser (WAG), um den Sanierungsstau in den Kläranlagen zu beseitigen und sich jetzt mit dieser Halle für die Zukunft zu rüsten. Für eine geplante Photovoltaik-Anlage auf dem Dach bekam die Gemeinde in einer öffentlichen Ausschreibung kein einziges Angebot. Sie soll später wiederholt werden.

In Schachtarbeiten wird vor dem Hallenbau geprüft, wo bisher Kabel und Rohre liegen. Quelle: Kallenbach

Die Bodenplatte des alten Schlammlagerplatzes wird demnächst abgerissen und genau dort die neue Halle errichtet. Zurzeit wird bei Sichtschachtungen geprüft, dass vorhandene Rohre und Kabelleitungen dabei nicht beschädigt werden. Eine Zentrifuge muss für den Neubau umgesetzt werden, erläutert Klärwerk-Mitarbeiter Frank Bremeyer. Drei Speichertürme daneben, in denen der Schlamm sich absetzt und voreingedickt wird, bleiben erhalten. „Bisher wird der Schlamm nur eingedickt“, verdeutlicht der gelernte Ver- und Entsorger. Der Weg des behandelten Klärschlamms führt in der Wedemark seit jeher überwiegend auf die landwirtschaftlichen Flächen, wie Gemeindesprecher Ewald Nagel bestätigt. Wegen ihres relativ hohen Stickstoff und Phosphatgehalts ist er seinen Angaben zufolge als Dünger in der Landwirtschaft sinnvoll. In den Abwasseranlagen wird nur der Klärschlamm aus der Wedemark verarbeitet. In der Gemeinde fallen durchschnittlich 3000 Kubikmeter Schlamm an, der dann eingedickt oder entwässert wird.

Düngeverordnung schränkt Ausbringung ein

Wie Kommunen ihren Klärschlamm aus der Abwasserentsorgung behandeln und verwenden dürfen und müssen, bestimmt sich nach ihrer Größe. So darf die Gemeinde Wedemark mit etwa 30.000 Einwohnern diese Reste bodenbezogen landwirtschaftlich verwerten. Dagegen hat der Bundesgesetzgeber mit der Novellierung der Klärschlammverordnung vom September 2017 die landwirtschaftliche Verwertung für Betreiber von großen Kläranlagen (mit einer Übergangszeit) verboten. Kommunen, die Kläranlagen in einer Größenordnung von mehr als 50.000 Einwohnern (Einwohnerwerten EW) betreiben, müssen ihren Klärschlamm der Verbrennung zuführen.

Bunt bemalt: einer von drei Speichertürmen für unterschiedliche Stufen des Schlamm-Eindickens. Sie bleiben bestehen. Quelle: Kallenbach

Bei der landwirtschaftlichen Verwertung wie in der Wedemark überprüft Nagel zufolge die Landwirtschaftskammer genau, wie der Klärschlamm beschaffen ist, und welche landwirtschaftlichen Flächen dafür geeignet sind. „Das heißt, dass wir bisher keinen einzelnen Entsorger hatten, sondern Vereinbarungen mit mehreren Landwirten und Grundstückseigentümern getroffen hatten“, berichtet Nagel. „Diese Vereinbarungen gelten derzeit auch noch unverändert weiter.“

In der Düngeverordnung vom Juni 2017 wurde der Zeitrahmen für die Ausbringung von Gülle, Klärschlamm und ähnliche Wirtschaftsdünger so stark eingeschränkt, dass die Lagerkapazitäten für diese Dünger schnell knapp wurden. „Für die Gemeinde Wedemark bedeutet dieses auch, dass in den längeren Sperrfristen mehr Klärschlamm zwischengelagert und unter Umständen ein Teil auch verbrannt werden muss“, sagt Nagel.

Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, muss die Kläranlage den Schlamm auch entwässern können. „Die nun zu errichtende Schlammbehandlungs-Anlage wird daher beide technischen Möglichkeiten schaffen und darüber hinaus Platz für die Zwischenlagerung von entwässertem Klärschlamm bieten. Dann kann der Klärschlamm sowohl der Landwirtschaft als auch der Verbrennung zugeführt werden“, erläutert der Gemeindesprecher.

Schlamm soll dennoch verbrannt werden

Auch bei modernisierter Anlage müssen erhebliche Mengen an Klärschlamm zwischengelagert oder auch verbrannt werden. In der Kläranlage in Bissendorf ist im Behandlungsprozess eine wirkliche Trocknung des entwässerten Schlamms unter Zuführung von Luft nicht angedacht, da es sich um ein weiteres, laut Gemeindesprecher Ewald Nagel „enorm teures Verfahren“ handelt.

Die Stadt Langenhagen will mit acht weiteren Kommunen eine Gesellschaft gründen, um den Bau einer zentralen Monoverbrennungsanlage nur für Klärschlamm in Hildesheim zu betreiben. Die Gemeinde Wedemark hat insofern ebenfalls Interesse an dem Bau von Monoverbrennungsanlagen im Land, damit bei Bedarf auch ihr entwässerter Klärschlamm verbrannt werden kann, wie es den größeren Kommunen vorgeschrieben ist. „Derzeit gibt es viel zu wenige Verbrennungsanlagen, um den allgemein notwendigen Bedarf zu befriedigen. Daher müssen die Kommunen Lagermöglichkeiten schaffen. Wann diese Lager jeweils geleert werden können, hängt von den zur Verfügung stehenden Verbrennungskapazitäten ab“, hält die Gemeindeverwaltung fest. In Niedersachsen gebe es aktuell noch keine einzige Verbrennungsanlage dieser Art, und vorhandene Verbrennungsanlagen benachbarter Länder seien vollkommen ausgelastet.

Von Ursula Kallenbach

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