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Wennigsen Behindertenbeauftragte: Kooperation ist überholt
Umland Wennigsen Behindertenbeauftragte: Kooperation ist überholt
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00:18 23.12.2018
Die behinderten Kinder sind auch bei allen Schulveranstaltungen toll integriert.  Die Kooperation mit Janusz Korczak wird nun bald enden.
Die behinderten Kinder sind auch bei allen Schulveranstaltungen toll integriert. Die Kooperation mit Janusz Korczak wird nun bald enden. Quelle: Grundschule Bredenbeck
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Bredenbeck

Bei der Diskussion um das Ende des Kooperation der Bredenbecker Grundschule mit der Springer Janusz-Korczak-Förderschule hat sich nun auch Sylvia Thiel, die Beauftragte der Region Hannover für Menschen mit Behinderungen, zu Wort gemeldet. Sie fragt: Warum hat die Grundschule Bredenbeck nicht selbst ein inklusives Unterrichtsangebot für die Kinder der Janusz-Korczak- Förderschule entwickelt und Klassen gebildet, in denen nicht behinderte und behinderte Schulkinder gemeinsam unterrichtet werden?

Denn: „Eine solche inklusive Beschulung liegt nach aktueller Gesetzgebung ganz klar in der Verantwortung der allgemeinbildenden Schulen und nicht in der Zuständigkeit der Förderschulen“, sagt Thiel. Zwar ist die Kooperation in Bredenbeck ihrer Meinung nach zweifelsohne eine gute Vorstufe zur gemeinsamen Beschulung behinderter und nichtbehinderter Schulkinder, aber sechs Jahre nach Einführung der inklusiven Beschulung ist das Kooperationsmodell überholt. „Ein zeitgemäßes Unterrichtsangebot seitens der Grundschule wäre wünschenswert“, sagt Thiel.

Grundschulleiterin Tatjana Seidensticker hingegen verteidigt die Kooperation als den „goldenen Mittelweg zwischen der reinen Form von Inklusion und separiertem Unterricht von Förderschülern und Regelschülern.“ Denn an der Grundschule Bredenbeck lernen Kinder der Janusz-Korczak-Förderschule täglich mit Kindern der Grundschule zusammen. „Ausflüge, Schulfeste, Projekte, Arbeitsgemeinschaften oder Schulertreffs werden ebenso von allen Kindern besucht und mitgestaltet“, beschreibt sie die Zusammenarbeit. Gemeinsam habe man Wege errungen und gefunden, Inklusion auch mit schwer eingeschränkten Kindern zu leben – mit großem Erfolg und nachhaltiger Bedeutung. Und ihr Kooperationsmodell habe einen großen Vorteil: „Es gibt für die Janusz-Korczak-Schüler auch die Möglichkeit für sich zu sein. Sie haben ihre eigene Peergroup. Es gibt für beide Seiten gesunde Auszeiten, in denen individuelle Leistungsanforderungen verfolgt werden können“, argumentiert Seidensticker. Auch die Kollegien beider Schulen arbeiten mit- und nebeneinander in hochprofessionellen Teams zusammen. „Diese Vorteile sehe ich weder bei der reinen Inklusion noch bei einem getrennten Lernen. Zahlreiche Eltern haben sich bewusst für dieses besondere Inklusionsmodell entschieden und sind nun natürlich enttäuscht, dass ihre Kinder von Sommer an nur schwer Kontakt zu Regelschülern aufbauen können.“

Doch eben diese Argumentation von Seidensticker kann Thiel nicht verstehen. „Im Unterschied zur inklusiven Beschulung werden bei der Kooperation eben nicht alle Unterrichtseinheiten gemeinsam gestaltet, sondern überwiegend Anlässe außerhalb des regulären Stundenplans“, kritisiert sie und ergänzt: „Das ist ein vor allem für die Grundschule komfortables Inklusionsmodell ’light’.“

Von Lisa Malecha