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Wennigsen Empelderin begleitet Schüler nach Tansania
Umland Wennigsen Empelderin begleitet Schüler nach Tansania
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00:17 19.11.2018
Jana Schimek mit Schülern unterwegs.
Jana Schimek mit Schülern unterwegs. Quelle: privat
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Empelde/Arusha

Herbst in Arusha, einem kleinen Flughafen im Nordosten Tansanias. Es ist heiß, knapp 30 Grad Celsius. Jana Schimek, eine 19-jährige Empelderin, zieht ihr Gepäck zum wartenden Bus. Einen ihrer Koffer hat sie mit Verbandsmaterial vollgepackt. Sie begleitet 14 Schüler von der Helene-Lange-Schule in Hannover-Linden auf ihrem Weg zur Partnerschule in Msitu wa Tembo, einem kleinen Ort am Fuße des Kilimandscharo. Den Vulkankegel wird Schimek in den kommenden 18 Tagen oft sehen. Viel mehr aber wird sie mit Schülern zu tun haben – den deutschen sowie den tansanischen aus der Msitu wa Tembo Secondary School. Das Partnerprojekt dieser Schule mit dem hannoverschen Gymnasium geht in sein zehntes Jahr.

Seit 2009 dauert die Partnerschaft bereits, ganze Generationen beider Schulen haben Bäume gepflanzt, Toiletten ausgebaut, sich um Versorgung mit Wasser und Strom gekümmert. Jedes Jahr besuchen Abordnungen beider Schulen einander und arbeiten an gemeinsam entwickelten Ideen. Geschlafen wird im Gästehaus der örtlichen Kirche.

Schimek hat in diesem Jahr ihr Abitur am Lindener Gymnasium gemacht. „Ich kam vorher nie dazu, mitzumachen“, berichtet sie. Neugierig war sie aber schon auf das ostafrikanische Land. Seit August dieses Jahres ist Schimek als Freiwilligendienstleistende bei den Johannitern im Ortsverband Deister mit Sitz in Ronnenberg im Einsatz. Sie ließ sich zur Erste-Hilfe-Trainerin ausbilden und unterrichtet junge Menschen und Erwachsene sowohl im Calenberger Land als auch in der Region Hannover. Ihr Berufswunsch ist Lehrerin. Das Freiwillige Soziale Jahr nutzt sie, um sich auf das Studium vorzubereiten. Sie blieb in Kontakt mit ihrer Schule und bekam nun die Chance, die diesjährige Austauschgruppe als Betreuerin zu begleiten.

Zwei Schulen im „Nenda Pamoja“-Projekt

Seit Sommer 2018 kooperieren die beiden Schulen IGS Hannover-Linden und Helene-Lange-Schule mit ihren jeweiligen deutsch-tansanischen Schulpartnerschaften über den frisch gegründeten Verein „Nenda Pamoja“ (Gemeinsam gehen – Verein für deutsch-tansanische Bildungsprojekte). Im Fokus stehen Schulen in der Kilimandscharo-Region. Ziel ist es, die Bildungschancen und die Gesundheitsversorgung der tansanischen SchülerInnen zu verbessern. Weitere Informationen sind im Internet unter nenda-pamoja.de zu finden.

In diesem Herbst standen Themen wie Hygiene und Ernährung ganz oben auf der Liste der deutschen Schüler, aber auch für die Jugendlichen der Msitu wa Tembo Secondary School. Schimek organisierte einen gemeinsamen Erste-Hilfe-Kurs auf Englisch. Dies ist gemeinsam mit Kiswaheli offizielle Schulsprache.

Die Johanniter statteten die Empelderin mit etlichen Übungspäckchen mit Verbandsmaterial aus. „Die Schüler und Lehrer fanden die Unterrichtseinheit super“, berichtet Schimek. Eine regelrechte Erste-Hilfe-Ausbildung, wie sie an deutschen Schulen oft üblich ist, gibt es in Tansania nicht.

Rund 650 Jugendliche im Alter von 13 bis 20 Jahre zählt die weiterführende Schule in Langasani. Viele wohnen unter einfachsten Verhältnissen im Internat, die Klassen sind mit gut 50 Schülern sehr groß, die Räume schlecht ausgestattet. Geld ist knapp. Die Kinder bringen das Holz für den Küchenherd der Schule selbst mit.

Jana Schimek mit Schülern und Betreuern der Msitu wa Tembo Secondary School. Quelle: privat

Doch so sehr es auch an wichtigen Dingen fehlt, eines passt immer: „Die Atmosphäre ist toll, die Menschen sind offen, freundlich und hilfsbereit“, sagt Schimek. Diese Offenheit erlebte sie mit der hannoverschen Schülergruppe bei Besuchen auf lokalen Märkten, beim gemeinsamen Kochen und bei Ausflügen.

Doch auch in einem Notfall war Schimeks Erste-Hilfe-Kompetenz gefragt. Eine Schülerin erlitt eine allergische Reaktion; die Fahrt zum Arzt dauerte über eine Stunde. Schimek betreute das Mädchen die ganze Fahrt über, beruhigte sie und half ihr, richtig zu atmen. „Es war für uns ein Schreckensmoment, aber alles wurde gut“, sagt sie. Am Austauschprojekt aber würde die Empelderin aber trotz dieses Erlebnisses gern noch einmal teilnehmen.

Von Uwe Kranz