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Wennigsen Äbtissin Gabriele Siemers nimmt Abschied
Umland Wennigsen Äbtissin Gabriele Siemers nimmt Abschied
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16:53 01.11.2018
Gabriele-Verena Siemers verlässt nach 14 Jahren das Kloster Wennigsen. Quelle: Stephan Hartung
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Wennigsen

Natürlich ist Wehmut dabei. „Ja, die spüre ich schon seit einigen Monaten, seit mein Abschied immer näher kommt“, sagt Gabriele-Verena Siemers. Die Gefühlslage der Äbtissin hat einen Grund: Sie verlässt am 30. November das Kloster Wennigsen. Und weil sie hier auch eine Wohnung hatte, bedeutet dies zusätzlich: Siemers zieht um. Mit 66 Jahren.

Ihre berufliche Tätigkeit im Kloster beende sie mit einem lachenden und weinenden Auge. „Ich habe hier den großen Teil meines Lebens verbracht. Hier zu arbeiten und zu leben, das ist etwas Besonderes“, sagt Siemers. Jedoch freut sich auch darauf, „dass die Arbeit bald weniger wird“. In Zukunft wolle sie, gewissermaßen freiberuflich, weiterhin Meditation im Kloster anbieten. „Aber dann nur noch mit zwei statt wie bisher drei Weiterbildungsgruppen für Meditationslehrer.“

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14 Jahre führte sie den Job als Äbtissin aus. Laut Klosterordnung ist eine Äbtissin die Haushälterin des Klosters. Im Grunde ist sie aber aufgrund ihrer Aufgaben (siehe Kasten) schon eine Art Managerin. Siemers lacht. „Das stimmt, aber natürlich nimmt auch der spirituelle Aspekt einen wichtigen Teil ein.“

Was macht eigentlich eine Äbtissin?

Bei dieser Frage muss Gabriele-Verena Siemers lachen. „Das höre ich oft.“ In ihrer Antwort zählt sie dann auf, was zu ihren Aufgaben gehört. Rund 50 Seminare finden pro Jahr im Kloster statt. „Die Referenten müssen geworben, das Programm erstellt werden.“ Außerdem muss sie im Tagesgeschäft Abstimmungen mit der eigenen Hauswirtschaft und Verwaltung treffen. „Auch mit der Klosterkammer stehe ich im Kontakt, beispielsweise wenn es um Renovierungsarbeiten geht.“ Und natürlich führt sie viele Gespräche mit Menschen, die das Kloster aus unterschiedlichen Gründen aufsuchen, um hier zu meditieren oder für einige Tage eine Unterkunft zu erhalten. hg

Die vierfache Mutter, von 2001 an schon ehrenamtliche Mitarbeiterin im Kloster, erinnert sich noch an den Tag ersten Besuchs. „Das Kloster war wie eine andere Welt. Hier war es ganz ruhig, hier hat nichts stattgefunden.“ Ruhig ist es immer noch. Aber ihr Ziel, „dass im Kloster neues Leben entstehen soll“, konnte sie umsetzen. Heute ist das Kloster ein beliebter Veranstaltungsort. Und nicht nur das freut die Äbtissin. „Wir haben 2011 eine Frauengemeinschaft als eigenen Verein gegründet. Das ist ein tolles Team mit zehn Frauen, die zum Kloster dazugehören und Aufgaben übernehmen wie Gästebetreuung, Gartenpflege und Tagungen“, sagt Siemers, die in ihrem ursprünglichen Beruf Diplom-Pädagogin in der Erwachsenenbildung ist. Später absolvierte sie noch Weiterbildungen als Meditationslehrerin in der christlichen Tradition sowie als Supervisorin. Aus diesen Gründen gibt es viele Meditationskurse im Kloster-Programm ein.

Am 2. Dezember wird Siemers, die bis dahin wieder in Hildesheim lebt, in der Klosterkirche während des Gottesdienstes von der Kirchengemeinde verabschiedet. Die offizielle Verabschiedung folgt am 13. Januar. Die gute Nachricht für die Menschen, die der Äbtissin nachtrauern: Zunächst macht sie eine Pause, im April kommt sie wieder. Dann beginnt ein neuer Meditationskurs. Kurios: Sie wohnt dann wieder im Kloster. Siemers lacht. „Allerdings im Gästezimmer, daran muss ich mich erst gewöhnen.“

Wer ist die Nachfolgerin?

Die Nachfolgerin von Gabriele-Verena Siemers steht bereits fest. Verkünden dürfte man den Namen aber noch nicht, sagt Kristina Weidelhofer, Sprecherin der Klosterkammer Hannover. Denn die Klosterkammer unterstehe dem Niedersäschsichen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Erst wenn Minister Björn Thümler die neue Äbtissin ernannt habe, sei diese Personalie offiziell. „Das ist ein Verwaltungsakt, den wir noch abwarten müssen“, bittet Weidelhofer um Verständnis. Fest steht jedoch, dass die Wennigser die Nachfolgerin von Siemers am 13. Januar erleben können: Dann wird sie bei einem Einführungsgottesdienst in der Klosterkirche offiziell vorgestellt. hg

Von Stephan Hartung

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