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Wennigsen KGS: Anwohner fordern klare Regeln und Musikverbot
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KGS Wennigsen: Anwohner fordern klare Regeln und Musikverbot

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00:20 20.06.2019
Nichts los? Der Eindruck täuscht. Insbesondere an den Wochenenden treffen sich auf dem KGS-Gelände viele Jugendliche. Die Kleinspielfelder sollen nun in die Spielplatzsatzung der Gemeinde aufgenommen. Quelle: Elena Everding (Archiv)
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Wennigsen

Trinkgelage an den Abenden, Pöbeleien und Umweltverschmutzung rund um die Sophie-Scholl-Gesamtschule: Anwohner beschweren sich über das Verhalten von Gruppen, die sich rund um die Kooperative Gesamtschule treffen und fordern klare Regeln sowie ein absolutes Musikverbot. Sie betonen: „Es sind nicht die Jugendlichen, die hier exzessiv feiern. Die Menschen sind in einem ganz unterschiedlichem Alter, kommen nicht nur aus Wennigsen.“

Wie es nach einer Party auf dem Gelände der KGS aussieht, haben Anwohner dokumentiert.

Daniela Sellke-Hoffmann und ihr Ehemann Frank Hoffmann sowie Heike Strobel leben am Bürgermeister-Klages-Platz. „Seit Jahren sind wir sehr liberal und besonnen als Anwohner“, sagt Hoffmann. Doch die Situation verschlimmere sich immer weiter. Den Anwohnern reicht es nun. Sie wollen sich nicht länger mit der lauten Musik, dem Abfall, den Alkoholexzessen und dem aggressiven Verhalten der Besucher abfinden.

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Anwohner fordern klare Regeln

Nur wo es klare Regeln gibt, können diese auch umgesetzt werden, sagen die Anwohner. „Es braucht einfach Regeln, damit Gemeinschaft funktioniert“, betont Sellke-Hoffmann. Es gehe ihr und den anderen Anwohnern nicht darum, Menschen den Aufenthalt an der KGS zu verbieten. Immerhin sei das Freizeitgelände toll, werde auch von den Anwohnern selbst gerne genutzt – sofern das denn möglich ist, da dort nach ihren Angaben häufig Glas liegt. Für die Nutzung solle es aber Regeln geben. „Gerade die fehlenden Regeln für das gesamte Gelände führen dazu, dass bei Lärmbelästigung und Ruhestörung eben keine Handlungsmöglichkeiten bestehen.“

Die Verwaltung hatte zuletzt vorgeschlagen, dass die Spielplatzsatzung der Gemeinde überarbeitet wird und die Kleinspielfelder darin aufgenommen werden. Doch dieser Vorschlag hatte auch Kritik hervorgerufen. Unter anderem wurde gefordert, dass Jugendliche ihre Freizeit ausleben dürfen müssen. Die Mitglieder des Ortsrats, der als erster über den Vorschlag der Verwaltung diskutierte, hatten sich für eine lockerere Regelung ausgesprochen. Unter anderem empfahlen sie, dass Musik bis 20 Uhr erlaubt sein solle – in Maßen.

Anwohner wollen Musikverbot

Das Abspielen von Musik und die dadurch entstehende Lärmbelästigung sei seit Jahren ein Problem, das an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr bestehe, sagt Sellke-Hoffmann. Die Forderung der Anwohner ist, dass diese regelmäßigen Lärmbelästigungen unterbleiben. „Denn wenn Musik gespielt wird, dann nicht nur ein bisschen’“, sagt Hoffmann. „Die Musik ist immer laut.“ Auch nettes Bitten an die Nutzer der Fläche, die Lautstärke herunterzudrehen, nützten häufig nichts. „Im Gegenteil, man wird teilweise noch beschimpft.“ Die nahezu tägliche Lärmbelästigung durch Musik, insbesondere die wummernden Bässe seien inakzeptabel.

Zudem müsse ein striktes Alkoholverbot gelten, fordern die Anlieger. „Niemand braucht auf einem Freizeitgelände Musik und Alkohol bis tief in die Nacht“, sagt Hoffmann. Zumal die Plätze nach den Treffen und Parties häufig vermüllt seien – mit Scherben von Bier- und Weinflaschen und vielem mehr. „Wenn man dann Sport machen will, gefährdet man sich“, sagt Hoffmann.

Mülldomntainer brennen an der KGS Wennigsen. Quelle: Mario Moers

Party endet mit Brand

Nach Angaben von Hoffmann eskaliert die Situation seit dem Brand nach einer Partynacht „ in schöner Regelmäßigkeit weiter“. Die Feuerwehr musste Anfang April ausrücken, weil am späten Abend die Müllcontainer neben der Gasübergabestation lichterloh brannten. Rund sechs bis sieben Meter hoch hätten die Flammen gelodert, berichtet Hoffmann.

Dass die Fläche nun in die Spielplatzsatzung aufgenommen werden könnte und somit auch klare Regeln gelten, finden die Anwohner gut – auch wenn sie zum Teil skeptisch sind, dass sich damit an der Situation vor Ort sofort etwas ändern wird. Allen, die ihre Sorgen nicht verstehen, sagen sie: „Jeder, der nicht am Bürgermeister-Klages-Platz wohnt, ist nicht in der Lage, objektiv über die Wohnsituation dort zu berichten.“

Jugendparlament soll mit entscheiden

Wennigsens Ratspolitiker wollen erst eine Entscheidung über die Spielplatzsatzung treffen, wenn sie auch die Meinung des neuen Jugendparlaments dazu gehört haben. „Dieses Thema betrifft wie kaum ein anderes die Wennigser Jugend“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Klokemann im Ausschuss für Bildung, Kinderbetreuung und Sport. Die Grünen-Ratsfrau und Präventionsratsvorsitzende Barbara Krüger gab ihm recht: Sie sei bei allen Gesprächsrunden mit Anliegern, Verwaltung, Schule und Polizei dabei gewesen, den Wunsch nach klaren Regeln habe es von allen Seiten gegeben, bestätigte sie. „Dann müssen wir die Jugendlichen aber auch mit einbeziehen.“

Momentan gibt es für die Kleinspielfelder an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) keinerlei Festsetzung. Die Gemeindeverwaltung will das Schulgelände in die Spielplatzsatzung mit hineinnehmen, um eine klare Regelung zu haben. Die Benutzung der Kleinspielfelder wäre dann zeitlich beschränkt. Außerdem wäre laute Musik verboten. Und es dürfte kein Alkohol getrunken werden. Bürgermeister Christoph Meineke weiß natürlich: Die Satzungshoheit liegt beim Rat. „Doch wie bekommen wir stattdessen einen vernünftigen Interessenausgleich hin?“ fragte er im Ausschuss.

Die Jugendlichen müssen sich irgendwo treffen – „so ist das nun mal“, sagte Krüger. Auch die Pauschalisierung gefalle ihr nicht. Das Problem seien nicht pauschal die Jugendlichen, sondern nur einige Jugendliche, die über die Stränge schlagen.

Anselm Borrmann (CDU) sprach sich Ausschuss dafür aus, „die Möglichkeiten, die wir haben, auch zu nutzen“. KGS-Leiterin Birgit Schlesinger bezweifelt hingegen, dass das Problem durch eine Satzung, Verbote oder sonstige Restriktionen in den Griff zu bekommen ist. Neulich habe sie einige Jugendliche, darunter aber keiner ihrer Schüler, nachmittags am Fahrradunterstand beim Kiffen erwischt. Sie wünsche sich eine massivere Präsenz der Polizei, sagte Schlesinger und sprach im Ausschuss auch von Security.

 

Von Lisa Malecha

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