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Wennigsen Dieses Kulturzentrum aus Wennigsen liefert Bausätze für romanische Kirchen
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Musicon: Dieses Kulturzentrum aus Wennigsen liefert Bausätze für romanische Kirchen

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16:37 27.12.2019
Volker Hirschfeld (links) und Hannes Howind arbeiten konzentriert an den Kirchenbausätzen. Quelle: Stephan Hartung
Wennigsen

Es sieht ein wenig aus wie früher in der Schule, genauer im Kunst-Unterricht – nur eben professioneller. Mit viel Geduld und ganz akribisch schneiden Hannes Howind und Volker Hirschfeld an den Linien auf einem Pappbogen entlang. Es geht augenscheinlich um Zentimeter. Howind lacht. „Das wäre schön, wenn wir so viel Spielraum hätten. Wir müssen auf jeden Millimeter aufpassen“, sagt er.

Die Pflicht zur Genauigkeit hat ihren Grund: Die beiden Mitarbeiter des Vereins Musicon Wennigsen fertigen einen Bausatz für ein Kirchenmodell an. Und wenn das Seitenschiff später zu weit herausragt, kann es nicht mehr an das Bauwerk zum Hauptkirchengebäude angeklebt werden.

Bausätze für Kirchenmodelle

In der Kultur- und Bildungseinrichtung von Musicon an der Albert-Einstein-Straße gibt es zwar noch andere Geschäftsfelder, das Erstellen von Bausätzen, mit denen Interessierte ihre Lieblingskirche für daheim nachbauen können, steht aber im Mittelpunkt – seit drei Jahren. Und das nimmt auch einen zeitintensiven Platz im Jahreskalender der Kultur- und Bildungsstätte ein. Von der Idee bis zur Fertigstellung und Auslieferung der Bausätze können schnell mehr als zwölf Monate vergehen.

Denn es gibt vorab nicht nur das Gespräch mit dem Vorstand einer jeweiligen Kirchengemeinde, die die Bestellung in Wennigsen in Auftrag gibt. „Wir schauen uns natürlich auch vor Ort alles an, fotografieren ab und erhalten auch die Baupläne der Kirche“, sagt Kurt Eschmann, Inhaber und Gründer von Musicon. Er betont, „dass wir ausschließlich Kirchen nachbauen, die aus der Romanik stammen“. Historisch gesehen ist das die Zeit etwa zwischen 1000 und 1200.

Kurt Eschmann und Antje Exner diskutieren über den Bauplan einer Kirche. Quelle: Stephan Hartung

Auch der Computer hilft

Auf dem Tisch steht ein fertiges Modell einer Kirche aus Idensen bei Wunstorf. „Sie feiern das 888-jährige Bestehen der Kirche, daher haben sie bei uns 888 Bausätze bestellt“, berichtet Eschmann. So gut wie fertiggestellt ist der Auftrag für den Kaiserdom in Königslutter, ein großer Stapel mit Bausätzen liegt schon bereit. Aktuell ist der Nachbau der Kirche St. Godehard in Hildesheim in Arbeit. Anlass für die Bestellung der dortigen Gemeinde von mehr als 100 Bausätzen: Vor 1000 Jahren war Godehard der Bischof von Hildesheim. Der tatsächliche Gewinn für Musicon beträgt nach Angaben von Eschmann bei 100 Bausätzen etwa 4000 Euro.

Umfangreiche Vorarbeiten dafür sind aber nötig. „Die Bauanleitung schreiben wir selbst, viel wird auch am Computer gemacht“, erläutert Howind. Den Druck der Bögen übernimmt eine Verpackungsfirma in Ronnenberg. Schon kann die Kirche zusammengebastelt werden.

Der Bausatz für den Kaiserdom in Königslutter ist fertig. Quelle: Stephan Hartung

Das ist Musicon

Der Standort des Vereins Musicon Wennigsen befindet sich an der Albert-Einstein-Straße. Musicon betreibt dort eine Kultur- und Bildungseinrichtung. Wer lernen will, ein Buch zu binden, eine Schachtel zu bauen oder zu handweben, ist bei Musicon genau richtig. Im Jahresverlauf finden mehrere Kurse statt, unter musicon-wennigsen.de gibt es im Internet weitere Informationen.

„Atelier zur Entfaltung der Sinne“ lautet ein Motto von Musicon. Kurt Eschmann hat den Verein vor 33 Jahren gegründet – zunächst in Burgdorf, vor 20 Jahren wurde der Umzug nach Wennigsen vollzogen. Bei Musicon entstehen aber auch kunsthandwerkliche Unikate – wie Holzsterne, Tischsets, Geschirrhandtücher, Tischläufer und Bausätze für Kirchenmodelle.

Neun Mitarbeiter sind bei Musicon beschäftigt, sechs davon haben einen sogenannten geförderten Arbeitsplatz. Bis vor einem Jahr beherbergte Musicon auch noch eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

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Von Stephan Hartung

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