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Umland Wennigsen Nachrichten Ein Spielzeug für Hobbyingenieure
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00:15 11.11.2015
Von Ingo Rodriguez
Hobbybastler und Freizeitingenieure: Die Teilnehmer des Fischertechnik-Stammtischs bauen ihre Modelle auf und fachsimpeln. Quelle: Ingo Rodriguez
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Wennigsen

Auf dem Fußboden der Gaststätte Pinkenburg rollt ein ferngesteuertes Fahrzeug - mit einer kleinen Kamera, kabellos gesteuert mit einem Smartphone. "Das Bild wird auf das Display übertragen", sagt Sven Engelke und ändert die Richtung.

Der Hobbybastler aus Nordrhein Westfalen hat großen Anteil an dem Treffen. Engelke betreibt seit einigen Jahren ein Internetforum für Fischertechnik-Modellbauer. Dort haben sich die Hobbyingenieure kennengelernt. Ralf Geerken aus der Wedemark wollte schließlich nicht nur digital fachsimpeln. Er gründete den Stammtisch für Fischertechniker aus Hannover und Umgebung. Das Treffen in der Pinkenburg ist die zweite Auflage des alljährlichen Spektakels. "Als Bastler ist man auch gerne in Gesellschaft", sagt Geerken.

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Warum Wennigsen? Das kann Ingwer Carstens erklären. Der 56-Jährige wohnt dort. Und er ist schwer sehbehindert. "Ich hätte meine großen Konstruktionen ohne Auto nur schlecht transportieren können", nennt er den Grund für die jüngste Standortwahl. Man mag zunächst gar nicht glauben, was Ingwer aus den kleinen Teilen gebaut hat: "Eine Dampfmaschine, die über Transmission eine Tischlerei mit Kreissäge betreibt", sagt er. Die Apparaturen sind etwa einen Meter hoch und eineinhalb Meter lang. Um sie zu präsentieren, benötigt Carstens einen Tisch.

Modelle haben alle Stammtischgäste mitgebracht - kleine Wagen mit Spielzeugcharakter, aber auch waghalsige technische Konstruktionen: Eine Bergbahn, eine automatische Murmelbahn und eine Flechtmaschine. Die hat der Stammtischinitiator Geerken gebaut. "Als Attraktion für das Kinder-Weihnachtsbasteln meiner Firma", sagt der Softwareentwickler. Die kleinen Modelle haben Grundschüler gebaut. Aus der Fischertechnik-AG des 67-jährigen Rentners Uwe Schmidt.

Eines haben die Stammtischteilnehmer gemeinsam: Ihre Leidenschaft hat in der Kindheit mit dem ersten geschenkten Baukasten begonnen.  Und bis heute ist es ihr Hobby. "Ich bastele nur phasenweise, dann aber vier Stunden am Stück", sagt der 15-jährige Jonas Bliesener aus Hannover - der Jüngste in der Runde. Die weiteste Anfahrt hatte der 49-jährige Thomas Habig. Er kommt aus Lüneburg.

Ob der Begriff Spielzeug angesichts der raffinierten Modelle herablassend klinge? "Nein, es ist und bleibt Spielzeug, aber es wird auch von großen Firmen genutzt, um Abläufe zu testen", sagt Schmidt. Zu diesem Zeitpunkt befestigt Geerken gerade ein Teil an seinem Bergbahnmodell. Sein nächstes Ziel steht schon fest: eine Ausstellung für Fans aus ganz Norddeutschland.

Seit 1966 auf dem Spielzeugmarkt

Fischertechnik ist ein Konstruktions-Baukastensystem für Kinder, für die technische Ausbildung, aber auch für die Forschung. Die Baukästen bestehen aus Kunststoffsteinen und Bauelementen wie Achsen, Getrieben und Zahnrädern. Fischertechnik ist ein Geschäftsbereich der Unternehmensgruppe Fischer und fertigt in Deutschland an. Das System beruht auf einem Baustein, der an allen sechs Seiten bebaut werden kann. Fischertechnik wurde 1964 als Weihnachtsgeschenk für die Kinder von Geschäftspartnern entwickelt. Auf Grund der guten Resonanz wurde die Erfindung 1966 als Baukastensystem auf den Markt gebracht. Die ersten 1000 Baukästen spendete Erfinder Artur Fischer der Aktion Sorgenkind. Inzwischen gibt es rund 1500 verschiedene Teile. Ein Internetforum gibt es auf ftcommunity.de.

Fotostrecke Wennigsen: Ein Spielzeug für Hobbyingenieure
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