Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Gemeinde lässt Schmutzwasserkanal reinigen
Umland Wennigsen Nachrichten Gemeinde lässt Schmutzwasserkanal reinigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:20 29.11.2017
Nagib Amiri (links) und Swen Schmidt überwachen auf dem Wehweg das Ausspülen eines Teilstücks des Schmutzwasserhauptkanals - während aus einem Pumpenschlauch pro Minute rund 305 Liter Wasser mit einem Druck von etwa 200 Bar durch den Kanal gepresst werden. Quelle: Ingo Rodriguez
Anzeige
Wennigsen

 Spektakulär sieht es nicht aus: Von einem orangefarbenen Lastwagen mit großem Tank hängen ein großer und ein kleiner Schlauch herab, deren Enden in einem Kontrollschacht verschwunden sind. Dann drückt Swen Schmidt von einer Kanalreinigungsfirma aus Uetze erst an einem Ausleger des Lastwagens einen Knopf, um sich dann auf seine Fernbedienung zu konzentrieren – mit prüfendem Blick in die Tiefe des Schachtes.

„Heutzutage muss dafür niemand mehr in den Schacht klettern“, erklärt Klaus Rühl aus dem Team Tiefbau der kommunalen Gemeindeverwaltung. Dort sind die unspektakulären Arbeiten in Auftrag gegeben worden. „In den kommenden vier Wochen wird der Schmutzwasserhauptkanal im gesamten Gemeindegebiet gereinigt“, sagt Rühl. Den langen Aufenthalt der Spezialfirma in Wennigsen kann er plausibel erklären. „Das zu reinigende Hauptleitungsnetz – ohne Abzweigungen zu den Hausanschlüssen – ist etwa 80 Kilomter lang“, sagt Rühl.

Anzeige

Einmal pro Jahr lässt die Gemeinde diese Arbeit von einer Vertragsfirma erledigen. Rühl weiß sehr gut, wie die Mitarbeiter dabei vorgehen. „Die Konstrollschächte liegen meist in Kreuzungsbereichen“, sagt Rühl. „Wenn die Kanaldeckel geöffnet sind, wird ein stabiler Pumpenschlauch in die Leitung eingeführt, der Wasser mit hohem Druck durch das Rohr presst, damit Ablagerungen beseitigt werden“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter. Die auszuspülenden Rohre hätten in der Regel nur einen Durchmesser von etwa 20 Zentimetern.

Mitarbeiter der beauftragten Reinigungsfirma arbeiten mit Hochdruck und Fernsteuerung, um das etwa 80 Kilometer lange Leitungsnetz auszupülen.

Gearbeitet wird zwar mit buchstäblich mit Hochdruck. Für die Mitarbeiter ist der Auftrag aber nicht besonders schweißtreibend. Schließlich wird ein Großteil der Arbeit mit Fernsteuerung erledigt. „Vom Schlauchkopf aus werden pro Minute etwa 305 Liter Wasser mit einem Druck von rund 200 Bar durch die Leitungen gepresst“, sagt Facharbeiter Schmidt. Gleichzeitig werden von einem großen Absaugschlauch das Schmutzwasser und gelöste Ablagerungen wieder aufgesogen. „Im Saug- und Spülwagen wird das Wasser dann gesiebt und für das weitere Spülen aufbereitet“, sagt Schmidt. Für den Wasserkreislauf verfüge der Wagen über einen Tank mit einer Füllmenge von 16 800 Litern. 

Die Auftragsfirma hat ihren Einsatz in Wennigsen gerade erst begonnen. „Erst sind die Teile des Leitungsnetzes in den Nebenstraßen an der Reihe, später die Hauptstraße, dann die Orte. Stellenweise müssen auch Strecken für den Straßenverkehr abgesperrt werden“, erklärt Schmidt. Bislang begnügen sich die Mitarbeiter damit, um geöffnete Schächte Markierungshütchen aufzustellen. „Für das Ausspülen einer etwa 100 Meter lange Kanalteilstrecke benötigen wir etwa zehn bis 15 Minuten“, sagt Schmidt. Nur wenn beim Spülen Hindernisse auftauchen, setzen die Reiniger einer Spezialkamera ein – um den Kanal auf Schadstellen wie Wurzeleinwuchs oder Einbrüche zu untersuchen.

Für die Anwohner sind die vierwöchigen Arbeiten nur mit kleinen Behinderungen verbunden. „Kurzfristig kann es beim Spülen zu Lärm kommen, gelegentlich zu Beeinträchtigungen im Straßenverkehr“, sagt Verwaltungsmitarbeiter Rühl. Er verweist aber auch auf mögliche Aufstauungen im öffentlichen Kanal. Das Tiefbauamt der Gemeinde bittet deshalb alle betroffenen Grundstückseigentümer, ihre Rückstausicherungen zu überprüfen und für eine ausreichende Lüftung der Schmutzwasserübergabeschächte zu sorgen.  Die Schächte seien in der Regel etwa einen Meter von der Grundstücksgrenze entfernt, und die Abdeckungen sollten nicht fest fixiert sein, sagt Rühl. Mögliche Fragen zu den Anlagen auf Grundstücken beantwortet er im Rathaus unter der Telefonnummer (0 51 03) 70 07 61.

Von Ingo Rodriguez

Anzeige