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Umland Wennigsen Nachrichten Open Stage: Über 100 Konzerte in neun Jahren
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00:21 16.04.2018
Heino de Witt (von links), Roland Weller, Frank Koch und Monika Meyer sind ein eingespieltes Team: Seit neun Jahren organisieren sie die Open Stage. Quelle: Malecha
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Degersen

 Mehr als 100 Konzerte in neun Jahren – darauf können Roland Weller von der Musik Werkstatt Wennigsen und Heino de Witt mittlerweile zurückschauen. Was als Experiment anfing ist mittlerweile eine echte Erfolgsgeschichte, die über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist: Die Open Stage im Gasthaus zur Tenne. 

Angefangen hat alles mit einer Konfirmations-Einladung. „Die Feier war in der Tenne“, erinnert sich Weller und gibt zu: „Den Laden kannte ich vorher nicht, obwohl ich schon seit 1987 in Wennigsen wohne.“ Sofort sei ihm die Bühne ins Auge gestochen, er kam ins Gespräch mit Wirt Frank Koch. Als er wenige Monate später beim Tour-Auftakt von Peter Panka in der Tenne war, entstand dann die Idee zu einem Festival in Degersen. „Ich habe ja gesehen, was alles auf der Bühne hier funktioniert.“ Ein Jahr haben er und Koch geplant, dann war es soweit: Das erste Festival in der Tenne. Schon damals habe er gesagt: „Kochi, das hier wird das Epizentrum des kulturellen Lebens in Wennigsen“, erinnert er sich. 

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Boxen standen bei Pink Floyd auf der Bühne

Das Festival sei so gut angekommen, dass Weller regelmäßig zu Konzerten in die Tenne einladen wollte. Und da kam dann auch Tontechniker Heino de Witt ins Spiel. "Ich war der vierte Mann von Trio", sagt der Tontechniker. de Witt stammt aus der Bauernschaft Ohrwege. 1981 war er Live-Mixer der Neue-Deutsche-Welle-Gruppe Trio.  Lange Zeit mischte er dann beim Musical Hair und bei den Toten Hosen mit,  bis es ihn nach Wennigsen zog – der Liebe wegen. 

Bereits Jahre zuvor hatte de Witt sich einen Jugendtraum erfüllt: Er hatte sich Boxen gekauft, die eigens für Pink Floyd gebaut wurden. Die Originalteile der Beschallungsanlage von Pink Floyd “Live in Pompeji”. „In den 70ern hat die Band Spektakel sie dann nach Deutschland gebracht“, sagt de Witt. Als sich die Band auflöste, standen sie zunächst im legendären Club Tiffany in Oldenburg. Durch seine Tontechniker-Tätigkeiten hatte de Witt zu der Band und auch zu den Club-Besitzern Kontakt, kaufte ihnen schließlich die Boxen ab. Zwischenzeitlich standen sie im Museum, dann bei ihm in der Garage. Doch dort konnte er sie nicht richtig nutzen. Immerhin wiegen die voluminösen Basslautsprecher und die Hörner für die Hochtöne mehrere Zentner, können eine Arena beschallen.  In der Tenne konnte er dann erstmals die Watt-Regler etwas aufdrehen, bei der ersten Open Stage im Februar 2009. „Wir hatten wirklich Mühe, die Boxen hier rein zu schleppen“, sagt Weller. 

Musiker kommen aus ganz Deutschland

Anfangs habe er noch Bands anfragen müssen, mittlerweile würden Musiker aus ganz Deutschland auf ihn zukommen. „Zum einen haben wir hier alles an Technik, die Musiker müssen nur ihre Instrumente bringen“, sagt er. Zum anderen gebe es kaum noch kleinere Bühnen, auf denen Bands spielen können, ergänzt de Witt. „Früher hatte jeder Ort eine Bühne, heute hat sich das drastisch reduziert.“ Dadurch und durch die steigende Bekannt- und auch Beliebtheit der Tenne habe sich das Einzugsgebiet über die Jahre immer weiter vergrößert. „Vor neun Jahren kamen die Bands aus Wennigsen oder aus Barsinghausen – heute bekomme ich Anfragen aus Berlin oder Hamburg“, sagt Koch.

Und das, obwohl die Bands keine feste Gage in der Tenne bekommen – denn bei der Open Stage wird kein Eintritt verlangt. „Niemand weiß vorab, wie viele Besucher kommen und wie viel Geld gespendet wird“, sagt Weller. Doch mittlerweile springe immer eine kleine Gage für die Musiker raus. „Und eigentlich wollen sie alle wiederkommen, sobald sie hier ein Mal auf der Bühne standen“, sagt Weller. Immerhin sei die Tenne zu einem richtigen Treffpunkt für Musikliebhaber aber auch für Musiker geworden. Und das soll sie auch bleiben. „Wir wollen hier nicht nur eine Schiene – wie etwa Hardrock – bedienen“, sagt Koch. „Wir wollen der vollen Bandbreite der Musiker eine Möglichkeit geben, aufzutreten.“ Und auch für Kleinkunst stehe die Tenne jederzeit offen. „Das ist ja der Sinn einer Open Stage – und wir freuen uns über jeden, der unser Programm noch bunter macht“, sagt de Witt.  Alle Termine in der Tenne finden Interessierte auf der Homepage vom Gasthaus zu Tenne

Von Lisa Malecha