Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Polizei nimmt Profibetrüger fest
Umland Wennigsen Nachrichten Polizei nimmt Profibetrüger fest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:29 30.09.2014
Von Ingo Rodriguez
Von der Anklagebank ins Gefängnis: Ein Polizeibeamter bereitet den Betrüger (links) für den Abtransport in die Untersuchungshaft vor.
Von der Anklagebank ins Gefängnis: Ein Polizeibeamter bereitet den Betrüger (links) für den Abtransport in die Untersuchungshaft vor. Quelle: Ingo Rodriguez
Anzeige
Wennigsen

Damit hatte der Empelder nicht gerechnet: Noch im Gerichtssaal wurde der polizeibekannte Betrüger von Beamten des Kommissariats Ronnenberg belehrt, durchsucht und dann in Handschellen dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser entschied nach kurzer Vernehmung: Sofortiger Abtransport in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Hannover.

„Die Staatsanwaltschaft hat den Haftbefehl beantragt, um die Bevölkerung vor weiteren Betrugsfällen zu schützen“, erläuterte der Ronnenberger Kripochef Rüdiger Pietsch die Maßnahme. Der Festgenommene war zwar in der Verhandlung zuvor wegen erneuter Internetbetrugsfälle zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. „Er hätte aber mit seinem Pflichtverteidiger Rechtsmittel einlegen und dadurch Zeit bis zum Haftantritt gewinnen können“,sagte der Kripochef.

Genau das wollten der Ermittlungsrichter und die Staatsanwaltschaft verhindern - und den professionellen Betrüger aus dem Verkehr ziehen. Die drei im Prozess verhandelten Betrugsfälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Straftaten spiegeln aber das vorsätzliche Treiben und die Masche des Empelders wider. Er hatte im vergangenen Jahr drei weitere Mal im Internet unter falschem Namen sowie mit ungenauer Adresse verschiedene Waren bestellt und die Produkte vom Paketboten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ausgehändigt bekommen - um damit Einnahmen für seinen Lebensunterhalt zu erzielen, die Grundlage für gewerbsmäßigen Betrug.

„Ich hatte finanzielle Probleme und habe die meisten Sachen verkauft“, sagte der Angeklagte und räumte die Vorwürfe ein. Sein Verteidiger versuchte vergeblich, ihn vor einer Haftstrafe zu bewahren - mit dem Verweis auf seine inzwischen selbstständige Tätigkeit als Händler und seine noch andauernden Bemühungen, Schäden aus vergangenen Taten auszugleichen.

Vergangene Betrugsfälle sind es auch, die dem Mann jetzt einen voraussichtlich mehrjährigen Aufenthalt in der JVA bescheren. Der Empelder verfügt über einen umfangreiches Vorstrafenregister und stand zum Zeitpunkt der jüngsten Taten für zwei ältere Delikte unter Bewährungsauflagen. Doch damit nicht genug: Der Staatsanwaltschaft Hannover liegt noch eine neue Anklage wegen 37 weiterer Straftaten nach ähnlichem Schema vor. „Deshalb die Festnahme, um das zu beenden“, sagte Kripochef Pietsch. Nach Einschätzung eines Ermittlers erwarten den Empelder bis zu zehn Jahre Haft. „Ich habe viel Mist gemacht“, sagte er in seinem Schlusswort geknickt.