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Umland Wennigsen Nachrichten Schiedsfrau vermittelt unter Nachbarn
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18:17 26.01.2015
Von Robert Lasser
Ehrenamtlich im Gespräch: Ulrike Stender ist überzeugte Streitschlichterin.
Ehrenamtlich im Gespräch: Ulrike Stender ist überzeugte Streitschlichterin. Quelle: Robert Lasser
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Wennigsen

Beleidigungen, Schubsereien, Ärger um überhängende Äste vom Nachbargrundstück - nicht jeder Streit kann sofort in einer Klage vor Gericht münden. In Niedersachsen gibt es in solchen Fällen seit einigen Jahren die obligatorische Streitschlichtung. Gerichte sollen entlastet, Streitereien im Gespräch geschlichtet werden. In Wennigsen hat Schiedsfrau Ulrike Stender in der laufenden Amtsperiode 17 von 22 Verfahren erfolgreich zum Abschluss gebracht.

„Ich bin vom Schiedsverfahren total überzeugt“, betont die 45-Jährige. Sie entscheidet nicht, was Recht ist. Sie muss eine für beide Parteien tragfähige Lösung finden. Stender bringt die Streitenden an einen Tisch und moderiert. Dafür bringt die Wennigserin gute Voraussetzungen mit. Sie ist Diplom-Pädagogin und arbeitet auch beruflich als Konfliktmoderatorin. Stender begleitet Veränderungsprozesse in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. „Ich arbeite mit Teams, wo es nicht rundläuft“, erläutert sie.

Bei ihrem Ehrenamt geht es vor allem um Pflanzen. Da hängen Äste vom Nachbarn herüber, oder der Baum steht zu dicht an der Grenze. Oft sind auch Lärm von Kindern oder häufiges Grillen Grund für den Ärger, fast immer geht es um Streit unter Nachbarn. „Da stecken aber oft sehr alte Geschichten dahinter“, weiß Stender. Vor Gericht gehe es etwa um den genauen Standort eines Baumes, dann ergehe das Urteil. Die Schiedsfrau hat andere Möglichkeiten. Sie und die zerstrittenen Parteien können sich viel mehr Zeit lassen. Die Gespräche finden am Telefon oder im Wennigser Familienzentrum statt. „Da geht keiner als Verlierer raus. Beide Parteien müssen die Vereinbarung unterschreiben - und sich daran halten“, sagt Stender. Die Vereinbarung sei ein vollstreckbarer Titel.

Meistens, so ihre Erfahrung, reicht ein Treffen, um den Streit auszuräumen. Allerdings müssen die Richtigen am Tisch sitzen: Bei Nachbarschaftsstreits sind es die Eigentümer, bei Pachtgrundstücken etwa die Klosterkammer.

In Wennigsen ist jetzt das Ehrenamt der Schiedsperson für die nächsten fünf Jahre ausgeschrieben worden. Stender hat sich beworben. Die Schiedsfrau registriert derzeit übrigens Ruhe an der Streitfront. „Jetzt ist Winterpause“, sagt sie. „Im März geht es wieder los.“

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