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Umland Wennigsen Nachrichten Südlink-Trasse zerstört sogar Denkmal
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18:44 18.01.2015
Von Ingo Rodriguez
Querfeldein: Die Gruppe marschiert im Bredenbecker Wald entlang des geplanten Trassenverlaufs. Dort müssten den Strommasten viele Bäume weichen.
Querfeldein: Die Gruppe marschiert im Bredenbecker Wald entlang des geplanten Trassenverlaufs. Dort müssten den Strommasten viele Bäume weichen. Quelle: r
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Wennigsen

Es war ein Gewaltmarsch, aber die Erkenntnisse waren eindrucksvoll. Und darauf hatte die Bürgerinitiative (BI) Wennigsen und das Calenberger Land gegen Südlink bei der Organisation auch gesetzt. BI-Sprecher Jens Knye war mit etwa 25 Teilnehmern aus dem gesamten Gemeindegebiet etwa vier Stunden und rund 15 Kilometer von Steinkrug bis nach Wennigsen gelaufen, als er spürbar erschöpft eine Bilanz zog: „Die Wanderung hat folgenschwere Berührungspunkte der geplanten Trasse mit den natürlichen Gegebenheiten aufgedeckt“, sagte Knye.

Die Gruppe war morgens in Steinkrug gestartet und zunächst vom Betriebsleiter der Knigge’schen Forstverwaltung, Ralf Schickhaus, durch den Bredenbecker Wald geführt worden. Jan-Eric Bothe war dabei vor allem eine mögliche Begegnung der geplanten Trasse mit den Hügelgräbern störend aufgefallen - ein mehr als 1000 Jahre altes historisches Kulturdenkmal. „Das würde erheblich unter riesigen Strommasten leiden“, sagte er. Damit nicht genug: Offenbar führt der Trassenverlauf auch mitten durch die Erweiterungsfläche des Ruheforstes. „Das ist ein bereits genehmigter neuer Teil, der nur noch nicht als Grabfeld genutzt wird“, sagte Knye.

Die Mitglieder der BI hatten bei vielen der Teilnehmer während der Wanderung massives Unverständnis angesichts der geplanten Naturverschandelung bemerkt. „Auch weil wir querfeldein gegangen sind, mitten durch den Wald und die Feldmark“, sagte Knye. Dabei sei deutlich geworden, dass für die geplante Trassenführungen auch viele alte Baumbestände entfernt werden müssen. „Die alten Bäume werden teilweise extra stehen gelassen, weil sie Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten“, sagte Knye. Bei der Bewirtschaftung werde berücksichtigt, dass dort auch bis zu 15 Fledermausarten kartiert seien.

Auf dem Weg von Bredenbeck und Argestorf bis nach Wennigsen war der Gruppe auch der attraktive unverbaute Blick auf das Deistervorland aufgefallen - und eine gefährliche Stelle. „Es gibt entlang der Trassenführung verfüllte Wetterschächte für frühere Bergbaustollen“, sagte Knye. Der Untergrund eigne sich nicht für den Bau von riesigen Strommasten. „Das Erdreich ist in der Tiefe völlig durchlöchert und nicht tragfähig“, sagte Knye.

Von Ingo Rodriguez