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Wennigsen Nicht nur etwas für Nerds: Hobbyfunker aus Wennigsen suchen Nachwuchs
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Nicht nur etwas für Nerds: Hobbyfunker aus Wennigsen suchen Nachwuchs

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17:27 02.02.2020
Die Amateurfunker Jobst Krecke (von links), Fritz Lauenstein, Helmut Glanz und Carlo Struß vom Ortsverband Wennigsen treffen sich regelmäßig im ausgebauten Keller vom Vorsitzenden Friedrich Ramlow. Quelle: Lisa Neugebauer
Wennigsen

Es hat etwas von einem Geheimclub: Männer, die sich im Keller eines Einfamilienhauses treffen, die sich dort über Gerätschaften beugen und sich auch noch in einer rätselhaften Sprache ansprechen. „DO1OFR – Friedrich Ramlow“, stellt sich einer von ihnen vor, „DL7CSX – Carlo Struß“ ein anderer. Was Außenstehende irritieren mag, ist für die fünf Männer, die sich im Keller von Ramlow versammelt haben, das Normalste der Welt. Sie sind Amateurfunker, und das Rufzeichen, das sie zur Begrüßung vor ihren Namen setzen, ist in dieser Funktion ihr eindeutiges Erkennungsmerkmal.

Funken kann im Prinzip jeder – doch nicht jeder darf es. Erst die Nummer, mit der die Amateurfunker bei der Bundesnetzagentur registriert sind, legitimiert eine Person dazu. Das Rufzeichen gibt es allerdings erst nach bestandener Prüfung. Die haben die Männer in Ramlows Keller schon lange abgelegt. Sie gehören zum Ortsverband Calenberg des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) und treffen sich einmal im Monat, um sich auszutauschen und Aktionen zu planen. In diesem Jahr feiert der Ortsverband 30-jähriges, der Verein 70-jähriges Bestehen.

Das Tüfteln ist ein großer Aspekt

1990 konnte ein Lehrer am Gymnasium in Gehrden Abiturienten für sein Hobby begeistern, und kurz darauf gründete sich eine Arbeitsgemeinschaft. Das war der Grundstein für die Clubgründung. Inzwischen hat der DARC in Wennigsen 16 Mitglieder und sei damit in der Region „der kleinste, aber auch der aktivste“, sagt der 68-jährige Ramlow – nicht ohne etwas Stolz in der Stimme. Das spezielle Hobby beinhaltet vor allem zwei Aspekte: Funkgeräte bauen und sie benutzen. Wer sich dafür interessiere, was in technischen Geräten steckt und wie sie funktionieren, habe beste Voraussetzungen für einen Amateurfunker, sagt Struß.

Einfach gesagt geht es beim Funken immer darum, eine Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Punkten herzustellen – ohne öffentliches Netz, versteht sich. Der Vielfalt der Technik sind durch das Selbstbauen kaum Grenzen gesetzt: Von einfachen Morsetasten über Geräte, die die Sprache übertragen, bis hin zu komplexen Systemen, mit denen man sogar Bilder senden kann – für jeden Bereich gibt es Spezialisten im DARC. „Funkamateure sind sehr innovativ“, sagt Struß. „Und die Technik ist meist sehr einfach.“ Eine Batterie, ein Sender und eine Antenne – viel mehr benötige ein Funker nicht.

Funker helfen in Notfällen

„Anmachen, funken, geht“, sagt DL6OCA – Jobst Krecke. In Notsituationen wie Stromausfällen, Schneekatastrophen oder Stürmen, in denen das öffentliche Netz zusammenbricht – also auch keine Telefone, Handys und Computer funktionieren –, können Amateurfunker weiter kommunizieren. „In solchen Situationen sind wir sogar zur Hilfe und Unterstützung verpflichtet“, sagt Struß.

Doch das Funken nutzen die Clubmitglieder nicht nur in Ausnahmesituationen. Immer sonntags verabreden sich die Männer zum Beispiel zum „drahtlosen Kränzchen“. Da sitzt dann jeder zu Hause an seinem Funkgerät und spricht mit den anderen über neue Projekte oder lässt sich bei einem technischen Problem helfen. „Meist so lange, bis die Familie zum Mittagessen ruft“, sagt Struß. Neben diesen direkten Anrufen, nutzen die Funker aber auch allgemeine Frequenzen. So unterhalten sie sich zum Beispiel mit Lkw-Fahrern auf der Autobahn, die auf der Suche nach einem Gesprächspartner sind, oder mit anderen Funkern in der Umgebung.

Die Amateurfunker Helmut Glanz (von links), Jobst Krecke, Friedrich Ramlow, Carlo Struß und Fritz Lauenstein vom Ortsverband Wennigsen treffen sich regelmäßig im ausgebauten Keller von Ramlow. Quelle: Lisa Neugebauer

Je nach Art der Funkverbindung lassen sich auch weitere Strecken anrufen. So sprach DB7O1 – Helmut Glanz bereits mit dem Flugkapitän einer Transportmaschine, der von Zagreb nach Amsterdam unterwegs war. „Da gab es dann so lustige Situationen, in denen er sagte: ,Moment, ich muss mal kurz fliegen’. Ansonsten hatte er Langeweile, wenn der Autopilot an war“, erzählt der 66-Jährige. DJ8MP – Fritz Lauenstein funkte schon nach Südafrika, Dänemark und in die Niederlande. „Das weiteste war Neuseeland“, sagt er. „Das war schon etwas ganz Besonders.“ Da Funkverbindungen über weite Strecken von vielen Faktoren wie dem Wetter abhängig sind, sind die Funker besonders aufgeregt, wenn sie zum Beispiel einen Trucker in den Rocky Mountains erreichen, so wie Ramlow einmal. „Da kriegt man dann ganz schwitzige Hände.“

Funken mit dem König von Jordanien

Jeder Amateurfunker hat personalisierte Postkarten zu Hause, die er anderen Funkern schicken kann, mit denen er erfolgreich eine Verbindung aufgebaut hat. „Das sind dann kleine Sammelobjekte“, sagt Struß. König Hussein von Jordanien sei zum Beispiel ein leidenschaftlicher Funker – von ihm hat fast jeder im DARC Wennigsen eine Hörerkarte. Generell sei spannend, wer alles ein Funkgerät zu Hause stehen habe, sagt Lauenstein. „Da wären zum Beispiel Juan Carlos von Spanien, der Vatikan oder die internationale Raumstation.“

„Funker sind in der Regel sehr weltoffen und wollen neue Kontakte knüpfen“, sagt Struß. „Außerdem ist die Hilfsbereitschaft untereinander sehr groß.“ Für ihren Ehrenkodex haben die Funker sogar ein Wort: Hamspirit – zusammen gesetzt aus den englischen Wörtern „radio ham“ für Funkamateur und „spirit“ für Geist. Die Amateurfunker würden sich freuen, wenn sich auch wieder mehr junge Menschen für ihr Hobby begeistern würden. „Viele sagen: Wieso soll ich da eine Prüfung machen, wenn ich auch ein Handy habe?“, sagt Ramlow. „Dass das auch ein Gesellschaftsereignis ist, sehen viele nicht“, ergänzt Lauenstein. Das Funken sei längst nicht nur etwas für Technik-Nerds.

Viele Amateurfunker bauen sich ihre Geräte selbst oder tüfteln an neuen Ideen. Dabei geht es nicht immer darum, das ganze Funkgerät zu bauen. Manchmal stellen sich die Funker auch selbst kleine Aufgaben, die gelöst werden wollen. Jeder hat dabei sein Spezialgebiet.

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Von Lisa Neugebauer

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